Eltern und Kind


Komplikationen und Erkrankungen in der Schwangerschaft

Blasen- und Nierenbeckenentzündungen in der Schwangerschaft

Blasen- und Nierenbeckenentzündungen in der Schwangerschaft: Bakterielle Infektion mit Entzündung der Harnblasenschleimhaut (Blasenentzündung), und/oder der aufsteigenden Harnwege und des Nierenbeckens (Nierenbeckenentzündung), während der Schwangerschaft. Als Folge droht unter Umständen die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft durch Fehl-, Früh- oder Totgeburt.

Leitbeschwerden

  • Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen
  • Häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Manchmal zusätzlich Blut im Urin
  • Krampfartige Schmerzen oberhalb des Schambeins.

Bei Nierenbeckenentzündung zusätzlich:

  • Fieber, eventuell mit Schüttelfrost
  • Flankenschmerz
  • Starkes Krankheitsgefühl, eventuell mit Übelkeit und Erbrechen.

Die Erkrankung

Blasen- und Nierenbeckenentzündungen treten in der Schwangerschaft gehäuft auf, weil die Harnröhre weitgestellt ist, und der Urin der Schwangeren bessere Wachstumsbedingungen für Bakterien bietet.

Die Auslöser sind die gleichen wie außerhalb der Schwangerschaft, d. h. vor allem Colibakterien aus dem Dickdarm, ~ 10 % der Schwangeren haben eine zunächst symptomlose Bakterienbesiedlung der Harnwege (asymptomatische Bakteriurie). Diese wird sehr oft im Rahmen der Schwangeren-Vorsorgeuntersuchung mit Urinteststreifen festgestellt. Ohne Behandlung steigen bei ~ 25 % dieser Patientinnen die Bakterien Richtung Nierenbecken auf.

Das macht der Arzt

Blasenentzündungen in der Schwangerschaft werden immer mit Antibiotika behandelt, so auch die asymptomatische Bakteriurie, da ein Aufsteigen der Bakterien Richtung Niere und eine Früh- bzw. Fehlgeburt drohen.

In leichten Fällen wird zur Therapie z. B. das Medikament Amoxizillin (Amoxypen®) eingesetzt, bei starkem Fieber oder Nierenbeteiligung auch Cefalosporine wie Cefuroxim (Elobact®) als Infusion im Krankenhaus. Wenn der Harnabfluss durch den Druck der Gebärmutter auf die Harnleiter in der Schwangerschaft gestört ist, werden krampflösende Medikamente gegeben.

Blasenmole und Chorionkarzinom

Blasenmole (Mola hydatidosa, Windei, Abortivei): Umwandlung der Zotten des Mutterkuchens zu blasenartigen Wucherungen. Der Begriff Mole stammt aus dem Lateinischen und bedeutet fehlentwickelter Embryo. Blasenmolen treten zwischen der 11. und 25. Schwangerschaftswoche auf – am häufigsten sind sie zwischen der 16. und 18. SSW.

Chorionkarzinom (Chorionepitheliom): Bösartig entartete Blasenmole. Nur untherapiert lebensbedrohlich, ansonsten heutzutage sehr gut heilbar. Die Prognose dieses Krebses ist sehr gut.

Leitbeschwerden

  • Sehr schnell wachsender Bauch
  • Stark positiver Schwangerschaftstest
  • Starke Übelkeit
  • Blutungen ab der 11. SSW mit Abgang von blasig-schaumiger Flüssigkeit.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die Gebärmutter sehr schnell wächst

Sofort, wenn

  • Scheidenblutungen auftreten
  • Starke Übelkeit auftritt.

Die Erkrankung

Blasenmole. Die Blasenmole ist sehr selten (eine von 3 000 Schwangerschaften). Sie kommt meist durch eine fehlerhafte Befruchtung der Eizelle zustande, die dann keine Erbsubstanz enthält. Die Zotten des Mutterkuchens degenerieren zu Hunderten von Bläschen von bis zu 2 mm Durchmesser, daher auch der Name Blasenmole. Die kleine Fruchtblase mit den kindlichen Zellen geht frühzeitig zugrunde, da sie mangels eines funktionierenden Mutterkuchens nicht ernährt werden kann.

Chorionkarzinom. Bei 2–3 % der Blasenmolen kommt es zu einer bösartigen Wucherung, einem Chorionkarzinom. Es zeichnet sich durch eine exzessive Beta-HCG-Produktion aus. Deshalb ist eine intensive Nachbetreuung nach einer Blasenmole erforderlich, mit regelmäßiger Kontrolle der Beta-HCG-Werte im Blut. Treten bei einer Frau innerhalb von zwei Jahren nach einem Chorionkarzinom keine pathologischen Werte auf, spricht grundsätzlich nichts gegen eine erneute Schwangerschaft.

Das macht der Arzt

Der Arzt tastet die Gebärmutter: Sie ist für das Schwangerschaftsstadium zu groß und weich. Außerdem zeigt sich im Ultraschall statt eines Embryos mit Herzschlag ein Bild, das wie Schneegestöber aussieht. Dies sind wertvolle Hinweise auf eine Blasenmole.

Laborchemisch zeigt sich eine starke Erhöhung des Schwangerschaftshormons Beta-HCG. Seine hohe Konzentration ist für die starke Übelkeit und das Brustspannen verantwortlich.

Therapie der Blasenmole. Bei einer Blasenmole muss die Schwangerschaft vom Arzt beendet werden. Zunächst sorgen Medikamente (Methotrexat) dafür, dass der Gebärmutterinhalt ausgestoßen wird. Dem folgt eine besonders sorgfältige Ausschabung der Gebärmutter; manchmal muss 4-6 Wochen später eine weitere Ausschabung durchgeführt werden, damit keine Gewebereste in der Gebärmutter bleiben, die entarten könnten.

Nach der Ausschabung muss das Schwangerschaftshormon Beta-HCG solange kontrolliert werden, bis der Wert wieder auf Null gefallen ist. Ist dies dann für mehrere Monate der Fall, ist nichts gegen eine neue Schwangerschaft einzuwenden.

Therapie des Chorionkarzinoms. Beim Chorionkarzinom besteht die Behandlung zumeist in einer (nochmaligen) Ausschabung der Gebärmutter und nachfolgender Chemotherapie.

Prognose

Das Risiko für eine weitere Blasenmole in den folgenden Schwangerschaften ist gering.

Blutungen in der Schwangerschaft

Blutung in der Schwangerschaft: Aus der Scheide mit unterschiedlicher Ursache; vor allem im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel auftretend. Blutungen im letzten Schwangerschaftsdrittel sind seltener, aber sehr ernst zu nehmen, da die Ursache für das Kind lebensgefährlich sein kann, z. B. eine Plazentalösung.

Leitbeschwerden

Abhängig von der Blutungsursache:

  • Menstruationsartige Blutung mit ziehenden Schmerzen im 1. Schwangerschaftsdrittel
  • Wiederkehrende, schmerzlose Blutungen vor allem in der 2. Schwangerschaftshälfte
  • Starke Blutung und harte, schmerzhafte Gebärmutter vor allem in der 2. Schwangerschaftshälfte.

Wann zum Arzt oder ins Krankenhaus

In den nächsten Tagen, wenn die Blutung nur leicht und schmerzlos ist und innerhalb von 2–3 Minuten wieder aufhört.

Am nächsten Tag, wenn eine leichte Blutung 5–10 Minuten dauert, bevor sie stoppt oder leichte Blutungen regelmäßig wieder auftreten

Sofort in die Frauenklinik, wenn die Blutung stark (wie an den ersten zwei Tagen der Regelblutung) oder schmerzhaft ist und Blutpfropfen abgehen oder starke Krämpfe auftreten.

Die Erkrankung

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass beileibe nicht jede Blutung, vor allem in der Frühschwangerschaft, „schlimm“ ist. Jede vierte Schwangere erlebt im ersten Schwangerschaftsdrittel leichte Schmierblutungen. Die Blutungen können unterschiedliche Ursachen haben. Nicht selten treten leichte Schmierblutungen nach einer Reizung der ohnehin empfindlichen Scheiden- und Muttermundsschleimhaut auf. Dies kann z. B. nach Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft oder bei Scheideninfektionen vorkommen.

Trotzdem: In der Schwangerschaft bedarf jede Blutung aus der Scheide einer Abklärung durch den Arzt, denn was gefährlich ist und was nicht, lässt sich nicht ohne seine Hilfe entscheiden.

In jedem Drittel der Schwangerschaft gibt es typische Ursachen, die zu Blutungen führen.

Im ersten Drittel sind dies vor allem:

Fehlgeburten – mit Blutungen unterschiedlicher Stärke Blasenmolen – mit einer meist nur leichten Blutung Eileiterschwangerschaften – meist mit Schmierblutungen und Unterbauchschmerzen.

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel sind Blutungen häufig zurückzuführen auf:

Vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens von der Gebärmutterwand (Plazentalösung) – die Blutungsstärke ist individuell unterschiedlich, meist schmerzhaft Einen Mutterkuchen, der dem Gebärmutterausgang vorgelagert ist (Plazenta praevia); die Blutung ist meist mittelstark und schmerzhaft Störungen der mütterlichen Blutgerinnung; die Blutungen sind unterschiedlich stark.

Blutungen haben unter Umständen auch nichts mit der Schwangerschaft zu tun: Beispielsweise können Polypen am Muttermund, Blasenentzündungen oder Hämorrhoiden zu Blutungen führen, ohne dass eine Gefährdung für Mutter oder Kind besteht.

Wenn kein Arzt verfügbar ist, z. B. auf Reisen, sollte mit einem Handspiegel oder von einer anderen Person geprüft werden, ob die Blutung tatsächlich aus der Scheide kommt.

Das macht der Arzt

Der Arzt fragt zunächst nach der Stärke der Blutung, wann sie aufgetreten ist und nach Schmerzen. Danach führt er eine gynäkologische Untersuchung durch, bei der er allerdings die Gebärmutter nicht tastet, sondern nur mit dem Spekulum die Scheide so aufhält, dass er den Muttermund sehen und prüfen kann, ob das Blut aus der Gebärmutter kommt. Dieses Vorgehen ist wichtig: Liegt der Mutterkuchen vor dem Gebärmutterausgang (Plazenta praevia) würde der Arzt beim Ertasten der Gebärmutter den Mutterkuchen schädigen. Die Blutung würde dadurch verstärkt.

Der Arzt prüft mit Ultraschall den Sitz des Mutterkuchens und ob Blutergüsse vorliegen. Um den Herzschlag des Kindes über eine längere Zeitdauer zu beobachten, kann er im zweiten Schwangerschaftsdrittel auch eine Kardiotokografie des Kindes durchführen.

Bei stärkeren Blutungen wird der Arzt in der Regel den Liegendtransport der Schwangeren in eine Klinik zur Überwachung veranlassen. Dort werden die Blutung und der Kreislauf (Puls, Blutdruck) der Schwangeren und der Zustand des Ungeborenen überwach

Eileiterschwangerschaft

Eileiterschwangerschaft (Bauchhöhlenschwangerschaft, Extrauteringravidität, EUG, ektope Schwangerschaft, Tubargravidität): Einnistung der befruchteten Eizelle außerhalb der Gebärmutterschleimhaut. Fast immer geschieht dies in einem der beiden Eileiter, in seltenen Fällen im Eierstock, im Gebärmutterhals, in der Bauchhöhle oder in der Scheidenschleimhaut. Mediziner sprechen deshalb von einer extra-uterinen Schwangerschaft. Normale Schwangerschaftszeichen wie morgendliche Übelkeit und Brustspannen können auftreten, müssen aber nicht.

2–3 Wochen nach der Einnistung stirbt die Frucht ab (90 % der Fälle, Tubarabort) oder platzt (10 % der Fälle, Tubarruptur). Es kommt zu einer Art Fehlgeburt mit Wehen und Blutungen, die jedoch mangels natürlichem Abflussweg in den Bauchraum erfolgen und unstillbar sein können. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung und Behandlung ist die Prognose gut, allerdings erhöht sich das Risiko einer erneuten Eileiterschwangerschaft. Bleibt das ärztliche Eingreifen aus, drohen lebensgefährliche Blutungen in den Bauchraum.

Leitbeschwerden

  • Starke Unterbauchschmerzen meist auf einer Seite, typischerweise in der 5.–6. SSW, also 8–14 Tage nach Ausbleiben der Monatsblutung
  • Schmierblutung
  • Bei einer Blutung in den Bauchraum Zeichen des Schocks (Kaltschweißigkeit, schneller Puls und schnell sinkender Blutdruck).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn eine Schmierblutung auftritt, die länger als 5–10 Minuten dauert

Sofort, wenn eine Blutung länger als 15 Minuten dauert, extreme einseitige Bauchschmerzen auftreten oder Schockzeichen auftreten.

Die Erkrankung

Bei der Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, die immerhin bei einer von 100 Schwangerschaften vorkommt, wird die Eizelle normal befruchtet, nistet sich aber nicht in der Gebärmutter ein. Der Transport der Eizelle in die Gebärmutter dauert normalerweise ~ 4 Tage. Bei einer Eileiterschwangerschaft bleibt (in ~ 98 % der Fälle) die Eizelle im Eileiter „hängen“, weil z. B. nach einer Entzündung oder Operation im Eileiter Verwachsungen oder Narben geblieben sind, die die befruchtete Eizelle daran hindern, zur Gebärmutter vorzudringen.

Wächst die Frucht im Eileiter weiter, bemerkt die Patientin dies oft erst, wenn aufgrund der Größe Schmerzen entstehen; manchmal kommt es auch zu Schmierblutungen. Stirbt die Frucht ab, setzen durch die Verringerung des Schwangerschaftshormons Beta-HCG wehenartige Kontraktionen des Eileiters ein, und es kommt zur Blutung in den Eileiter: Die Frucht wird ausgestoßen (Tubarabort, innerer Fruchtkapselaufbruch), verbunden mit wehenartigen wellenförmigen Unterbauchschmerzen und einer leichten Blutung. Besonders gefährlich wird eine Eileiterschwangerschaft, wenn die Fruchtkapsel platzt und dabei Blutgefäße in ihrer Umgebung verletzt oder wenn die Eileiterwand einreißt (Tubarruptur, äußerer Fruchtkapselaufbruch). In diesen Fällen kann es zu massiven Blutungen in den Bauchraum der Schwangeren kommen, die für sie lebensbedrohlich sind. Es ist deshalb sehr wichtig, eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Dann besteht auch die Möglichkeit, die Eileiter funktionsfähig zu erhalten.

Das macht der Arzt

Neben der Erkennung der Leitsymptome und der (verdickten) Eileiter in der bimanuellen Tastuntersuchung, bei der die Patientin oft starke Schmerzen beim Druck im Bereich des Eileiters empfindet, ist der Vaginalultraschall sehr wichtig. Der Frauenarzt sieht eine leere Gebärmutterhöhle mit einer stark verdickten Schleimhaut als Innenauskleidung, die auf die Einnistung der befruchteten Eizelle „wartet“. In manchen Fällen sind der Embryo und die Fruchtblase im Eileiter bzw. an der jeweiligen Einnistungsstelle zu sehen.

Im Blut wird die Konzentration des Schwangerschaftshormons Beta-HCG bestimmt. Ist sein Wert geringer als derjenige, der bei einer normalen Schwangerschaft in der momentanen Schwangerschaftswoche gemessen würde, ist dies ein weiterer deutlicher Hinweis auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter.

Eine derartige extra-uterine Schwangerschaft wird in der Regel operativ beendet. In 90 % der Fälle geschieht dies durch Öffnen der Eileiter im Rahmen einer Bauchspiegelung. Nach Entfernung der Frucht wird die Eileiterwand mit einer Naht verschlossen. Ist es nicht möglich, den Eileiter zu erhalten, wird er entfernt (Salpingektomie). Nach Entfernung der Frucht können allerdings Fruchtreste in den Bauchraum gespült werden und dort überleben. Aus diesem Grund wird nach der Operation der Beta-HCG-Wert regelmäßig bestimmt. Eine stetige Abnahme des Werts bis auf Null beweist den Erfolg der Behandlung.

Entdeckt der Arzt die Eileiterschwangerschaft in einem sehr frühen, noch beschwerdefreien Stadium, kann er sie medikamentös behandeln. Mit der auch in der Rheuma- und Krebsbehandlung verwendeten Substanz Methotrexat lässt sich sowohl ein Absterben der Frucht als auch ihre anschließende Auflösung (Resorption) erreichen. Methotrexat wird während der Bauchspiegelung direkt in den Eileiter gespritzt oder ohne operativen Eingriff jeden 2. Tag als Veneninfusion verabreicht und zwar so lange, bis die Beta-HCG-Werte deutlich abgefallen sind.

Prognose

Nach der medikamentösen Behandlung mit Methotrexat bleiben die Eileiter bei ~ 95 % der Frauen „durchgängig“ und damit in einer späteren Schwangerschaft für die Eizelle passierbar. Trotzdem bleibt das Risiko für eine erneute Eileiterschwangerschaft erhöht. Auch wenn die Eileiter nach einer Operation erhalten geblieben sind, kommt es bei 30 % der Schwangerschaften wieder zu einer Eileiterschwangerschaft. Muss dann operiert werden, ist es in 30–40 % der Fälle nötig, dass der Eileiter teilweise oder vollständig entfernt wird (Salpingektomie).

Wenn eine Frau eine Eileiterschwangerschaft hatte, liegt das Wiederholungsrisiko bei 15 %, bei zwei Eileiterschwangerschaften schon bei 70 %. Das spricht nicht notwendigerweise gegen eine erneute Schwangerschaft, aber dafür, die folgenden Schwangerschaften genau zu überwachen und auf Beschwerden sofort zu reagieren.

Vorsorge

Eine zur Empfängnisverhütung liegende Spirale begünstigt die Entstehung einer Eileiterschwangerschaft.

Harnstau in der Schwangerschaft

Harnstau in der Schwangerschaft: Einengung der Harnleiter infolge des Drucks durch die Gebärmutter, mit Rückstau des Harns in die Nierenbecken.

Leitbeschwerden

  • Krampfartige Schmerzen in Unterbauch und Rücken
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Wenig Urinabgang

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn die Urinmenge trotz normalen Trinkens abnimmt oder leichte Schmerzen auftreten.

Sofort, wenn krampfartige Schmerzen auftreten.

Die Erkrankung

Gerade im letzten Schwangerschaftsdrittel drückt die Gebärmutter auf die von beiden Nieren in die Blase führenden Harnleiter. Wenn die Gebärmutter die Harnleiter so stark zusammendrückt, dass sich der Harn bis in die Nieren zurückstaut und dieser Zustand mehr als einen Tag andauert, ist Hilfe notwendig. Meist kommt es dann zu starken, krampfartigen Schmerzen wie bei einer Nierenkolik. Der Zustand ändert sich sofort, wenn der Harn wieder in die Blase ablaufen kann.

Das macht der Arzt

Die Diagnose ergibt sich durch die Symptome in Kombination mit einem Ultraschall, der die gestauten Nieren und Harnleiter darstellt. Meist gibt der Arzt als Erstes entkrampfende Medikamente (z. B. Buscopan®).

Wirken diese nicht, kann bei weiter bestehenden Krämpfen auch eine Schiene über die Blase in die Harnleiter gelegt werden, die sie auch gegen den Druck offen hält. Bleibt der Harnstau nämlich über mehrere Tage bestehen, besteht die Gefahr, dass Bakterien über die Blase und die Harnleiter in die Niere aufsteigen und dort zu einer Nierenbeckenentzündung führen. In diesem Fall sind viel Flüssigkeit und eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Pilzinfektionen in der Schwangerschaft

Pilzinfektionen in der Schwangerschaft: Infektion von Scheide und äußerem Genitale durch Pilze sind sehr häufig, in ~ 80 % der Fälle erfolgen sie durch den Hefepilz Candida albicans. Wenn sich z. B. während der Schwangerschaft der Hormonspiegel verändert, ändert sich auch die Zusammensetzung des Scheidensekrets und es kann zur Vermehrung der Pilze kommen. Pilzinfektionen sind potenzielle Wegbereiter für Bakterien, die eine Frühgeburt auslösen können. Zudem können sie bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Dies kann zu einem juckenden Hautausschlag am Mund und zu einem Windelekzem führen. Schwangere ab der 34. Schwangerschaftswoche sollten daher verstärkt auf eine Pilzinfektion achten und sie behandeln lassen.

Ärztliche Diagnostik und Therapie: Pilzinfektion der Scheide.

Selbsthilfe

Auch wenn Sie Pilzinfektionen aus der Zeit vor der Schwangerschaft kennen und vielleicht auch ohne Arzt in den Griff bekommen haben: In der Schwangerschaft ist von einer Selbstbehandlung oder von Zuwarten abzuraten. Gehen Sie bei Anzeichen einer Pilzinfektion in jedem Falle zu Ihrem Frauenarzt.

Plazenta praevia

Plazenta praevia (Vorgelagerte Plazenta): vor dem inneren Muttermund lokalisierter Mutterkuchen (Plazenta), wobei der Muttermund teilweise (Plazenta praevia partialis) oder vollständig (Plazenta praevia totalis) verdeckt sein kann. Dadurch wird der Geburtskanal blockiert, so dass das Kind nicht auf natürlichem Weg geboren werden kann. Obwohl heute überall Ultraschallgeräte verfügbar sind, mit denen eine Plazenta praevia leicht zu erkennen ist, sterben immer wieder Kinder, weil eine Plazenta praevia nicht entdeckt wurde. Auch ist die Müttersterblichkeit in diesen Fällen erhöht.

Leitbeschwerden

Im letzten Schwangerschaftsdrittel schmerzlose, in regelmäßigen Abständen auftretende oder dauernde Blutung aus der Scheide.

Wann zum Arzt oder ins Krankenhaus

Sofort, wenn Blutungen auftreten, insbesondere bei starkem Blutverlust.

Die Erkrankung

Eine Plazenta praevia liegt bei einer von 200 Schwangeren vor. Häufig tritt sie bei Frauen auf, die bereits an der Gebärmutter operiert wurden (dazu zählen auch Kaiserschnitte), Mehrlinge erwarten oder älter als 35 sind. Auch Frauen, die rauchen, haben vermutlich ein höheres Risiko.

Bei einer Plazenta praevia befindet sich der Mutterkuchen nicht im oberen oder seitlichen Teil der Gebärmutter, sondern in der unteren Hälfte; dabei bedeckt er den inneren Muttermund teilweise oder ganz. Im letzten Schwangerschaftsdrittel, oder wenn der Muttermund sich zu öffnen beginnt und die Wehen einsetzen, kann es zu starken Blutungen kommen. Je mehr Mutterkuchengewebe den Gebärmutterausgang blockiert, desto größer ist das Risiko einer Blutung vor oder zu Beginn der Geburt.

Das macht der Arzt

Eine Plazenta praevia erkennt der Arzt mit dem Ultraschall bereits während der Schwangerschaft, meist noch bevor sie zu Komplikationen führt.

Leichte Blutungen mehrere Wochen vor dem Geburtstermin lassen sich normalerweise durch Bettruhe in den Griff bekommen. Eine Überwachung im Krankenhaus ist nicht immer notwendig, kann aber durchaus zweckmäßig sein; die Entscheidung hierüber müssen die Schwangere und ihr Arzt treffen.

Weil der Blutverlust durch eine normale Geburt mit einer Plazenta praevia für Mutter und Kind sehr gefährlich werden kann, plant der Arzt einen Kaiserschnitt mit ausreichendem zeitlichen Sicherheitsabstand zum regulären Geburtstermin, meist für die 38. Schwangerschaftswoche. Nur bei einem Drittel der Plazenta-praevia-Fälle ist eine natürliche Geburt möglich.

Wenn die Schwangere weiß, dass bei ihr eine Plazenta praevia besteht, muss sie dies der Hebamme und dem Frauenarzt sofort mitteilen. In diesem Fall sind vaginale Tastuntersuchungen grundsätzlich nicht zulässig, da sie eine starke Plazenta-praevia-Blutung auslösen können. Ebenso sollte sich die Schwangere immer innerhalb der Reichweite eines Krankenhauses aufhalten.

Plazenta-Insuffizienz

Plazenta-Insuffizienz (Uterofetoplazentare Insuffizienz, Beeinträchtigung des Mutterkuchens): akute oder chronische Beeinträchtigung der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Kindes, meist bedingt durch eine Minderdurchblutung des Mutterkuchens.

Leitbeschwerden

Die Plazenta-Insuffizienz fällt meist nicht der Schwangeren, sondern dem Arzt bei den Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft auf.

  • Im Ultraschall zeigt sich eine Wachstumsverzögerung des Kindes
  • Auch das im Ultraschall ersichtliche Wachstum der Gebärmutter ist verzögert.

Die Erkrankung

Von Plazenta-Insuffizienz spricht man, wenn der Mutterkuchen (Plazenta) das Kind nicht mehr ausreichend versorgt, weil

  • die Blutversorgung durch den Mutterkuchen nicht ausreicht
  • der Mutterkuchen zu klein oder ungenügend entwickelt ist – häufig bei Raucherinnen und Frauen mit Diabetes
  • der Geburtstermin (länger als eine Woche) überschritten ist
  • sich Teilbereiche oder, für das Kind akut lebensbedrohend, der ganze Mutterkuchen von der Gebärmutterwand ablöst.

5–10% der Kinder wachsen in der Gebärmutter nicht so gut wie erwartet. Das muss nicht auf eine Krankheit hindeuten – es gibt auch gesunde Kinder, die klein sind. Umgekehrt führt eine Plazenta-Insuffizienz nicht automatisch zu einem kleinen Kind.

Das macht der Arzt

Der Verdacht auf eine Plazenta-Insuffizienz bestätigt sich im Ultraschall, wenn bei einem langsam wachsenden Kind nur wenig Fruchtwasser sichtbar ist. Die Minderdurchblutung des Mutterkuchens lässt sich mit dem Doppler-Ultraschall zeigen.

Ein Kind, das nicht so entwickelt ist, wie es der Schwangerschaftswoche entsprechend sein sollte, bedarf genauer Überwachung. Gibt es klare Zeichen für eine Fehlfunktion des Mutterkuchens, ist eine frühe Entbindung unter Umständen ratsam, jedoch frühestens nach der 37. Schwangerschaftswoche. Hierzu lässt sich allerdings keine allgemeine Empfehlung geben, das Vorgehen muss immer individuell angepasst werden. Soll die Geburt möglichst bald erfolgen, werden die Wehen künstlich eingeleitet. Kann das Kind jedoch den Belastungen durch die Wehen nicht standhalten, ist ein Kaiserschnitt erforderlich.

Plazentalösung

Vorzeitige Plazentalösung (Abruptio plazentae, Ablatio plazentae): Teilweise oder vollständige Ablösung des Mutterkuchens (Plazenta) von der Gebärmutterwand, bevor das Kind geboren ist. Häufig tritt sie bei Schwangeren auf, die über 30 Jahre alt sind, Bluthochdruck haben, die rauchen oder bei Myomen.

Weil sowohl Kind als auch Mutter bei einer vorzeitigen Plazentalösung erheblich Blut verlieren, gehört diese zu den geburtshilflichen Notfällen. Sie erfordert den sofortigen Kaiserschnitt.

Leitbeschwerden

  • Heftige, plötzlich einsetzende Schmerzen im Unterbauch
  • Dunkelrote Blutung aus der Scheide bei drei von vier Betroffenen
  • Brettharte, äußerst druckempfindliche Gebärmutter
  • Allgemeines Unwohlsein mit Angst, Schwindel, Atemnot
  • Schockzeichen
  • Vermehrte Blutungsneigung.

Die Ablösung selbst ist schmerzlos. Nach der Ablösung kommt es jedoch häufig zu wehenartigen, schmerzhaften Krämpfen in der Gebärmutter.

Beim Kind lassen sich starke Veränderungen der Kardiotokografie erkennen, der so genannte fetale Distress (fetal distress): Kleinere Ablösungen der Plazenta führen zu einem gleichbleibenden, schnellen Puls. Bei größeren Ablösungen ist der Puls dauerhaft erniedrigt. Schlimmstenfalls sind keine kindlichen Herztöne mehr nachweisbar.

Wann zum Arzt

Sofort den Notarzt rufen, wenn die Beschwerden zu einer Plazentalösung passen. Bis zum Eintreffen des Notarztes hinlegen.

Die Erkrankung

Löst sich der Mutterkuchen, die Versorgungszentrale für das ungeborene Kind, schneidet dies die Versorgung des Fetus immer mehr ab. Ist mehr als die Hälfte des Mutterkuchens abgelöst, kann das Kind in der Gebärmutter nicht überleben.

Verliert die Mutter viel Blut, führt dies bei ihr unter Umständen zum Schock mit den zugehörigen Symptomen wie Blutdruckabfall, Pulsanstieg, Kaltschweiß und Bewusstlosigkeit. Der Blutverlust hängt von der Größe der abgelösten Fläche ab, mehr aber noch von seiner Lage.

In mehr als der Hälfte der Fälle bleibt die Ursache der vorzeitigen Plazentalösung unklar. Bei drei von zehn Betroffenen ist eine Präeklampsie die Mitursache. Die damit zusammenhängenden Gefäßschäden verändern möglicherweise die Haftfläche des Mutterkuchens. Einem von zehn Fällen liegt ein Sturz auf den Bauch oder ein Verkehrsunfall zugrunde. Auch innerliche Veränderungen, z. B. eine zu kurze Nabelschnur oder mehrfache Nabelschnurumschlingung mit Zug am Mutterkuchen führen zu einer Plazentalösung. Selten sind Dauerkontraktionen der Gebärmutter, z. B. durch Überdosierung von Wehenmitteln, der Grund für die Plazentalösung.

Das macht der Arzt

Nach der notfallmäßigen Klinikeinweisung hängt die Behandlung vor allem vom Zustand des Kindes ab. Darüber gibt die Kardiotokografie Auskunft.

Dem kurzen Abtasten des Bauchs folgt ein Ultraschall. Eine vaginale Untersuchung darf nur durchgeführt werden, wenn der Operationssaal für einen Kaiserschnitt bereitsteht.

Der Mutter wird Blut für Laboruntersuchungen abgenommen. Sie erhält außerdem mehrere venöse Zugänge, um über die Gabe von Blutkonserven oder Blutersatzstoffen den Kreislauf schnell stabilisieren zu können. Puls, Blutdruck, Flüssigkeitszufuhr und Urinausscheidung werden dabei ständig überwacht.

Bei lebendem und überlebensfähigem Kind oder bei einer Gefährdung der Mutter wird sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Ist der Fetus bereits tot oder noch nicht weit genug entwickelt, um außerhalb der Gebärmutter überleben zu können, wird normalerweise eine vaginale Geburt angestrebt.

Schwangerschaftsbluthochdruck

Schwangerschaftsbluthochdruck (Schwangerschaftshypertonie, schwangerschafts-induzierte Hypertonie): Blutdruck der Mutter von über 140/90 mmHg in der Schwangerschaft. Jede 25. Schwangere ist betroffen, meistens im letzten Schwangerschaftsdrittel. Sowohl Mutter als auch Kind drohen eine Reihe von Folgeproblemen, die unter dem Begriff Präeklampsie zusammengefasst werden, früher auch bekannt als EPH-Gestose (E = Edema (Ödem), P = Proteinurie, H = Hypertonie = Bluthochdruck, Gestose = Schwangerschaftserkrankung).

Leitbeschwerden

  • Kopfschmerzen, Ohrensausen, Übelkeit und Erbrechen
  • Nachlassen der Urinmenge, evtl. getrübter Urin durch Eiweißbeimischung (Proteinurie)

Trotz der erheblichen Gefährdung von Mutter und Kind bemerkt die Schwangere oft wenig bis gar nichts, außer in vorangeschrittenen Fällen. Dann bestehen:

  • Ödeme (Wassereinlagerungen) in Armen und Beinen
  • Evtl. Rechtsseitige Oberbauchschmerzen.

Seit September 2009 gibt es einen Labortest, der eine Präeklampsie schon Wochen vor der Ausprägung von Symptomen nachweisen kann. Er erfasst zwei Eiweiße im Blut der Schwangeren, die das Gefäßwachstum regulieren. Der Labortest empfiehlt sich für Schwangere, die früher bereits an Präeklampsie litten, an einer Nierenerkrankung oder gestörten Durchblutung der Gebärmutter leiden.

Die Erkrankung

Bei Schwangeren können die Blutdruckwerte steigen und die Schwangerschaft risikoreicher machen; Mediziner sprechen in dem Fall von hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen. Manchmal tritt der Bluthochdruck (Hypertonus) nicht allein auf, sondern führt zu weiteren Beeinträchtigungen. Bedrohlich sind die Folgeprobleme, die unter dem Begriff EPH-Gestose zusammengefasst sind.

  • Generalisierte, d. h. nicht nur die Beine betreffende Ödeme. (Früher wurde dieses Leitsymptom sehr ernst genommen; wie man aber heute weiß, sind allein bestehende Ödeme ohne Schwangerschafts-Bluthochdruck unbedenklich.)
  • Eine krankhafte Eiweißausscheidung im Urin, die eine erhebliche Nierenschädigung anzeigt (Proteinurie über 0,3 g/l täglich; akut bedrohlich für das Kind ist eine Proteinurie > 3 g pro Tag). Die Ursache ist letztlich nicht bekannt – diskutiert wird eine Überreaktion des mütterlichen Immunsystems.

Wird die Präeklampsie nicht therapiert, drohen akut lebensbedrohliche Komplikationen:

  • Die Eklampsie mit Krampfanfällen wie bei einer Epilepsie, die zu starken Durchblutungsstörungen des Mutterkuchens führt und damit das Leben des Kindes gefährdet.
  • Das HELLP-Syndrom, bei dem sich das mütterliche Blut zersetzt (H = Hämolyse), Enzyme der Leber (EL) infolge einer Leberschädigung ins Blut freigesetzt werden, und die Blutgerinnungsfähigkeit durch erniedrigte Blutplättchen (LP = low platelets) verloren geht. Die Mutter bemerkt rechtsseitige Oberbauchschmerzen durch die Leberschädigung, es drohen u. a. schwerste innere Blutungen.

Das macht der Arzt

Die Behandlung des Bluthochdrucks in der Schwangerschaft ist schwierig, denn viele Blutdruckmedikamente stehen Schwangeren nicht zur Verfügung, da sie dem Kind schaden können. Am häufigsten wird der Blutdrucksenker Methyldopa eingesetzt. Nur eingeschränkt geeignet sind dagegen

  • Dihydralazin: Kann starke Kopfschmerzen, Schwindel und Gefühlsstörungen verursachen. Bei Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel ist dieser Wirkstoff für das Kind unbedenklich, danach kann er das Wachstum verzögern.
  • Beta-Blocker: Kaum Nebenwirkungen für die Schwangere, kann aber bei manchen Erkrankungen (Asthma, langsame Herzrhythmusstörungen) nicht genommen werden; Wachstumsverlangsamung beim Kind.
  • Kalziumblocker: Kann Kopfschmerzen, Schwindel, Hautrötung und Herzrasen verursachen und die Wehentätigkeit hemmen. Für das Kind bei vorübergehender Anwendung unproblematisch; zu einer Langzeiteinnahme fehlen Studien.

Medikamente zur Blutdrucksenkung werden nur zögernd verwendet, da Studien bisher nicht belegen konnten, dass eine strenge Blutdrucksenkung Vorteile für Mutter oder Kind bringt und die EPH-Gestose zuverlässig verhindern kann. Trotzdem ist es wichtig, bei leicht erhöhten Werten wachsam zu bleiben, damit eine Verschlechterung oder Komplikationen nicht übersehen werden. Steigen die Blutdruckwerte über 145/95 mmHg, wird der Arzt die Verordnung von Medikamenten erwägen.

Therapie der EPH-Gestose. Bei Blutdruckwerten über 180 mmHg systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch und Eiweißnachweis im Urin muss die Schwangere Bettruhe einhalten. Der Blutdruck wird gegebenenfalls durch mehrere Medikamente gleichzeitig gesenkt; die Schwangere erhält eiweißreiche Wunschkost und Flüssigkeit nach Belieben. Zeigt das CTG fetalen Dystress, wird die kindliche Lunge durch Medikamente sobald als möglich auf die Geburt vorbereitet und die Geburt durch Kaiserschnitt vorgenommen.

Therapie von Eklampsie und HELLP-Syndrom. Werden eine Eklampsie oder ein HELLP-Syndrom festgestellt, erfordert dies größte Wachsamkeit. Um die Komplikationen zu behandeln, ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich, gegebenenfalls auf der Intensivstation. In der Regel muss die Schwangerschaft rasch mittels Kaiserschnitt beendet werden. Mediziner der Uniklinik Köln haben daneben jüngst ein Verfahren entwickelt, das die Eklampsie behandelt und eine Verlängerung der Schwangerschaft ermöglicht. Dabei wird durch Elektrophorese ein Eiweiß mit dem Namen "sFlt1" aus dem Blut gewaschen, das die Erkrankung auslöst.

Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes): Vorübergehender Diabetes, der nur in der Schwangerschaft besteht, und mit vielfältigen Risiken für kindliche Schädigungen und Geburtskomplikationen verbunden ist; ~ 3 % der Schwangeren sind betroffen.

Leitbeschwerden

  • Zu großes Kind (Makrosomie)
  • Zu viel Fruchtwasser (Polyhydramnion)

Diese beiden Leitbeschwerden lassen sich nur per Ultraschall sicher nachweisen.

Die Erkrankung

Durch die hormonellen Änderungen gerät bei jeder Schwangeren der Stoffwechsel durcheinander; am häufigsten ist dabei der Kohlenhydratstoffwechsel betroffen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bei vier bis fünf von hundert Schwangeren erhöhte Blutzuckerwerte gemessen werden. Meist kommt es zu dieser Störung nach der 20. Schwangerschaftswoche, am häufigsten zwischen der 28. und 30. SSW. Bei 80 Prozent der Betroffenen führt eine Ernährungsumstellung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung zu normalen Blutzuckerwerten, nur eine von fünf Frauen benötigt Insulin.

Der erhöhte Blutzuckerwert ist aber gefährlich: Durch das Überangebot an Blutzucker wachsen die Kinder viel zu schnell, und die Organe können in ihrer Entwicklung nicht mithalten. Zum Geburtstermin wiegen diese Säuglinge oft 4 500 g und mehr, und mit diesem Gewicht ist eine natürliche Geburt durch den nicht unendlich dehnbaren Geburtskanal sehr erschwert. Lebenswichtige Organe sind nicht ausreichend entwickelt; die Lunge schafft oft den Gasaustausch noch nicht, was zu Atemnot führt, und die nicht ausreichend entwickelte Leber begünstigt Gelbsucht (Ikterus).

Frauen mit hohen Blutzuckerwerten sind zudem sehr anfällig für Infektionen wie z. B. Blasenentzündungen. Dadurch drohen vorzeitige Wehentätigkeit und Frühgeburt. Im späteren Leben leiden die Kinder oft an den Folgen des Schwangerschaftsdiabetes. Die Risiken, Übergewicht und selbst einen Diabetes zu entwickeln, sind deutlich erhöht.

Schwangere mit vorbestehendem Diabetes müssen von einem erfahrenen Diabetologen mit größter Aufmerksamkeit betreut werden; dieser muss auch die Einstellung der Blutzuckerwerte sehr genau überwachen. In der ersten Schwangerschaftshälfte müssen Diabetikerinnen mit deutlich niedrigeren und stärker schwankenden Blutzuckerwerten rechnen; sie benötigen in dieser Zeit viel weniger Insulin als sonst. Auf den verminderten Insulinbedarf muss rasch reagiert werden, indem der Blutzuckerwert engmaschig kontrolliert und die Insulindosen dementsprechend angepasst werden. Gelingt dies nicht, drohen riskante Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Da der Blutzuckerspiegel sehr stark schwankt, kann die Einstellung in dieser Zeit viel Nerven kosten, sie erfordert viel Umsicht und Geduld.

Besser wird es in der zweiten Schwangerschaftshälfte. War zuvor eine Dosisreduktion um bis zu 50 % möglich, benötigen die Frauen jetzt sogar bis zur doppelten Insulinmenge wie vor der Schwangerschaft. Aber die Schwankungen nehmen ab, und die Blutzuckerwerte werden wieder stabiler.

Nach der Entbindung sinkt der Insulinbedarf bald wieder auf den Wert, der vor der Schwangerschaft vorlag.

Das macht der Arzt

Der sicherste Test, um einen Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen, ist der orale Glukosetoleranztest (oGTT): Vor und eine Stunde nach dem Trinken einer Zuckerlösung werden die Blutzuckerwerte bestimmt. Viele Frauenärzte führen aber zunächst einen einfacheren Suchtest durch (Beurteilung des Nüchternblutzuckers).

Seit 2012 legt die Mutterschaftsrichtlinie fest, dass dem Nüchtern-Blutzuckerbelastungstest ein Suchtest vorgeschaltet ist. Bei diesem Suchtest trinkt die Schwangere im nicht-nüchternen Zustand 200 ml Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, bevor eine Stunde später einmalig der Blutzucker im Blut bestimmt wird. Allerdings ist hierbei fraglich, ob dieser Suchtest zuverlässig auch Frauen mit isoliert erhöhtem Nüchtern-Blutzucker erfasst. Deshalb wird der erfahrene Arzt auf die Bestimmung des oralen Glucosetoleranztests (oGTT) bestehen, wenn ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, so bei:

  • Übergewicht
  • Schwangerschaftsdiabetes bei vorangegangener Schwangerschaft
  • Vorangegangene Geburt, bei der das Kind ein Geburtsgewicht von über 4,5 kg hatte
  • Früheren Fehlgeburten
  • Diabetes bei Eltern oder Geschwistern
  • außergewöhnlicher Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
  • Alter über 30 Jahren.

Selbsthilfe und Vorsorge

Eine Umstellung auf eine für Diabetiker empfohlene Ernährung mit niedrigem Kohlenhydratanteil – weniger als 40 % der täglich zugeführten Kalorien sollten Kohlenhydrate sein – reicht bei vielen Frauen aus, um den Blutzuckerspiegel wieder in normale Bereiche zu bringen. Regelmäßige körperliche Bewegung trägt zusätzlich dazu bei, dass die Werte sinken. Bleibt der Blutzuckerspiegel trotzdem erhöht, muss Insulin gespritzt werden; Tabletten dürfen bei Schwangeren nicht eingesetzt werden.

Weiterführende Informationen

  • www.diabetes-uni-duesseldorf.de – Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ, Düsseldorf): Unter dem Stichwort Schwangerschaftsdiabetes finden sich aktuelle Forschungsergebnisse und Praxistipps.
  • H. Kleinwechter et al.: Der große Schwangerschaftsratgeber für Diabetikerinnen. Trias, 2004. Umfassendes und verständlich geschriebenes Buch. Geht auf die Probleme, mit Diabetes schwanger zu sein, und auf den Schwangerschaftsdiabetes ein. Bietet viele Praxistipps.

Schwangerschaftserbrechen

Pathologisches Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum): Schweres und häufiges, nicht zu stoppendes Erbrechen im ersten Schwangerschaftsdrittel, meist mit Beginn zwischen der 6. und 8. Schwangerschaftswoche.

Davon zu unterscheiden ist das physiologische Schwangerschaftserbrechen: In Verbindung mit starker Übelkeit immer wieder auftretendes morgendliches Erbrechen in der Frühschwangerschaft. Es ist zwar belastend und kräfteraubend, aber aufgrund der Hormonumstellung normal und ungefährlich. Es muss deshalb nicht ärztlich behandelt werden und verschwindet in der Regel spätestens nach den ersten drei Monaten.

Leitbeschwerden

  • Erbrechen 5–10 Mal täglich, unabhängig von Art und Zeitpunkt des Essens
  • Starker Durst und Austrocknung (trockene Schleimhäute, Haut lässt sich auf dem Handrücken zusammenziehen und „bleibt stehen“)
  • Temperaturanstieg (Durstfieber)
  • Gewichtsverlust
  • Unterzuckerung
  • Leicht alkoholischer Geruch aus dem Mund (Azetongeruch, Foetor ex ore).

Wann zum Arzt oder ins Krankenhaus

Am nächsten Tag, wenn das ständige Erbrechen einen Tag anhält oder keine Flüssigkeit behalten werden kann

Sofort, wenn Schwindel auftritt, sich die Haut gelblich verfärbt (Gelbsucht), Fieber auftritt oder Wasserlassen nicht mehr möglich ist.

Die Erkrankung

Fast alle Schwangeren kennen die morgendliche Übelkeit während der ersten 8–12 Schwangerschaftswochen. Bei Mehrlingen ist sie besonders ausgeprägt. Aber nur wenn das Erbrechen den ganzen Tag über anhält und Essen und Trinken nicht mehr möglich sind, spricht man von einer Hyperemesis. Diese extreme Form kommt bei einer von 200 Schwangeren vor.

Zu den körperlichen Ursachen zählt die Umstellung der mütterlichen Hormone, vor allem die Erhöhung des Schwangerschaftshormons Beta-HCG. Aber auch psychische Faktoren spielen eine entscheidende Rolle: So kann beispielsweise die Angst vor Überforderung durch die neue Situation, beruflicher Stress, Ablehnung des Kindvaters oder des familiären Umfelds, aber auch die Ablehnung des Kindes eine Rolle spielen. Eine Studie des Norwegischen Gesundheitsinstituts in Oslo hat zudem ergeben, dass Frauen dreimal häufiger betroffen sind, deren Mütter ebenfalls unter Schwangerschaftserbrechen gelitten haben. Es scheinen also erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen.

Das macht der Arzt

Die Behandlung hängt davon ab, wie ausgeprägt das Erbrechen ist. In vielen Fällen reicht eine Umstellung der Ernährung auf häufige kleine, fett- und eiweißarme Mahlzeiten.

Bei schweren Formen des Schwangerschaftserbrechens ist meist ein Aufenthalt in der Klinik notwendig: Dort kann die Schwangere über Infusionen genügend Flüssigkeit und alle wichtigen Nährstoffe aufnehmen, ohne essen zu müssen. Meist sind auch Medikamente gegen Erbrechen (Antiemetika) wie Vomex A® oder Peremesin® nötig.

Der Klinikaufenthalt hat noch einen Effekt: Er ändert das oft schwierige Umfeld der Schwangeren und führt auch dadurch zu einer Besserung der Erkrankung.

Selbstbehandlung

Hat das Erbrechen noch nicht zu Komplikationen geführt, ist der Versuch, die Essgewohnheiten umzustellen, auf jeden Fall zweckmäßig. Das bedeutet:

  • Viele kleine, kohlenhydratreiche aber fett- und eiweißarme Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen
  • Nach Appetit zu essen.

Bei der Hyperemesis gibt es kein Patentrezept. Sie können zum Beispiel versuchen, vor dem Aufstehen im Bett fettarmen Naturjogurt zu essen oder eine Tasse Hühnerbrühe auf nüchternen Magen zu trinken. Was „drin bleibt“, ist das Richtige.

Bei der nächsten Schwangerschaft ist das Erbrechen nicht notwendigerweise gleich stark ausgeprägt; die Ursache für dieses Schwanken ist nicht bekannt.

Komplementärmedizin

Akupunktur. Bei der Hyperemesis sind gute Erfolge mit der Anwendung von Akupunktur erzielt worden. Mittlerweile bieten auch eine Reihe von Frauenärzten Akupunktur an.

Homöopathie. Berichten zufolge werden bei werdenden Müttern auch mit individuellen homöopathischen Behandlungen gute Ergebnisse erzielt. Wissenschaftlich belegt sind sie aber nicht – sie beruhen auf dem Erfahrungswissen der Behandelnden.

Vorgeburtliche Infektionen des Kindes

In der Schwangerschaft können bestimmte Infektionen das Kind schädigen. Bei einer pränatalen Infektion erreichen die Erreger das Kind in der Gebärmutter. Wird das Kind während der Geburt oder nach einem vorzeitigen Blasensprung infiziert, liegt eine perinatale Infektion vor.

Die wichtigsten Infektionen sind:

Toxoplasmose. Toxoplasmen sind außerhalb des Mutterleibs harmlose Einzeller, sie verursachen harmlose grippeähnliche Beschwerden. Aber im Mutterleib erkrankt jedes 200. Kind schwer an Toxoplasmose, weil die Mutter Kontakt mit rohem Schweinefleisch, nicht durchgegartem Fleisch oder Katzenkot hatte. Im schlimmsten Fall drohen Erblindung durch Netzhautentzündung, Gehirn- und Leberschäden. Diese Schäden können verhindert werden, wenn die Mutter frühzeitig Antibiotika einnimmt.

Listeriose. Vor allem durch Rohmilchkäse und rohes Fleisch wird die Listeriose übertragen. Listerien sind überwiegend harmlose Bakterien. Erkrankt die Mutter, bekommt sie, wenn überhaupt, leichte Grippe- oder Magen-Darm-Beschwerden. Bei jedem 500. Kind kommt es aber zu schweren Schäden mit knotigen Entzündungsherden in Lunge, Gehirn und Leber, woran das Kind unbehandelt meist stirbt. Wird die Infektion erkannt, erhält die Mutter Antibiotika, um die Schäden abzuwenden.

Röteln. Röteln sind bekannt dafür, dass eine Erstinfektion der Schwangeren mit dem Rötelnvirus beim Kind zu schweren Fehlbildungen von Augen, Ohren und Gehirn führt. Aufgrund der Rötelnimpfung sind die Fälle von Röteln-Embryopathie aber sehr selten geworden, es treten nur noch ~ 5 Fälle pro Jahr in Deutschland auf.

Herpes. Erst bei der Geburt wird das Herpes-Virus übertragen, wenn die Scheide der Mutter damit infiziert ist. Eine Infektion mit Herpes führt beim Neugeborenen zu Fieber, Erbrechen, Lethargie, Entzündungen des Gehirns, Augenentzündungen, Hautausschlägen bis hin zu Blindheit. Um dies zu verhindern, wird der Mutter mit Herpesausschlag in und um die Scheide in den Wochen vor der Geburt mit Virostatika wie z. B. Aciclovir behandelt. Bei einem Kaiserschnitt besteht natürlich keine Infektionsgefahr.

Für ein Neugeborenes ist es ebenfalls gefährlich, wenn Personen, die in engem Körperkontakt mit ihm stehen, an einem Lippenherpes erkrankt sind. Die betreffende Person sollte dann einen Mundschutz tragen.

Streptokokken. Im Geburtskanal droht auch die Übertragung von Streptokokken der Gruppe B (B-Streptokokken), die sich bei Millionen Menschen auf der Haut und im Darm befinden, und bei ~ 10 Prozent der Frauen auch in der Scheide. Infiziert sich das Kind mit B-Streptokokken, droht dem Kind eine Blutvergiftung (Neugeborenensepsis). Diese kann innerhalb der ersten beiden Lebenstage oder auch als Spätform nach 7–10 Tagen auftreten. Die Sterblichkeit vor allem bei der Frühform ist hoch. Zu einer Infektion des Kindes kommt es aber nur dann, wenn der Blasensprung mehr als 24 Stunden vor der Geburt stattgefunden hat, oder die Mutter während der Geburt Fieber hatte. Um das Kind zu schützen, wird der Mutter während der Wehen ein Antibiotikum gegeben, dessen Wirkstoffe auf das Kind übergehen. Außerdem kann auch das Neugeborene nach der Geburt ebenfalls antibiotisch behandelt werden.

Um kein Risiko einzugehen, empfehlen viele Frauenärzte allen Schwangeren, etwa einen Monat vor der Geburt durch einen Scheidenabstrich feststellen zu lassen, ob die Scheide mit B-Streptokokken besiedelt ist. Ist dies der Fall, bekommt die Mutter als Prophylaxe während der Geburt eine Penizillinspritze. Nur wenn medizinische Verdachtsmomente auf einen Streptokokkenbefall der Scheide bestehen, ist der Scheidenabstrich eine Kassenleistung.

Vorzeitige Wehen

Vorzeitige Wehen: Regelmäßige Wehen (Kontraktionen) vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche mit Gefahr einer Frühgeburt oder Totgeburt.

Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende Wehen mit einer Dauer von ~ 30 Sekunden
  • Vermehrter Ausfluss aus der Scheide
  • Blutung aus der Scheide.

Wann zum Arzt

In den nächsten Stunden, wenn vor der 26. Schwangerschaftswoche mehr als zwei, bis zur 29. Woche mehr als drei, bis zur 33. Woche mehr als vier oder bis zur 37. Woche mehr als fünf Wehen pro Stunde vorkommen.

Sofort in die Frauenklinik, wenn starke, regelmäßige Wehen auftreten, es dabei aus der Scheide blutet oder Fruchtwasser abgeht.

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Die Erkrankung

Im Prinzip sind vorzeitige Wehen zu frühe Geburtswehen – allerdings dauern sie typischerweise weniger lang als zum „richtigen“ Entbindungstermin einsetzende Wehen. Sie werden durch verschiedene Faktoren ausgelöst: Dazu gehört alles, was die Spannung der Gebärmutterwand erhöht, beispielsweise Mehrlingsschwangerschaften oder zu viel Fruchtwasser. Aber auch Scheiden-, Blasen- oder Nierenbeckeninfektionen, Präeklampsie, Infektionen von Mutterkuchen und Fruchtblase und eine Schwäche des Muttermunds, Zervix-Insuffizienz, führen häufig zu vorzeitigen Wehen.

Wenn Risikofaktoren bekannt sind, kann der Ultraschall des Gebärmutterhalses Hinweise auf drohende vorzeitige Wehen geben. Oft verkürzt sich der Gebärmutterhals auf unter 3 cm, und der innere Muttermund öffnet sich bereits, bevor die vorzeitigen Wehen einsetzen. Gerade bei Mehrlingsschwangerschaften kann mit einem Ultraschall das Frühgeburtsrisiko erkannt werden.

Das macht der Arzt

Nach Ultraschall des Kindes und einer Kardiotokografie misst der Arzt mit einem Scheidenultraschall die Länge des Gebärmutterhalses. Außerdem tastet der Arzt den Gebärmutterhals vorsichtig ab, um seine Beschaffenheit zu prüfen. Normalerweise ist er bis kurz vor der Geburt fest, und der Muttermund geschlossen. Ist der Gebärmutterhals hingegen weich und der Muttermund nicht fest geschlossen, spricht dies für vorzeitige Wehen. Der Arzt macht außerdem einen Abstrich vom Muttermund, um unter dem Mikroskop eine mögliche Infektion erkennen zu können. Aus demselben Grund werden Blut- und Urinwerte bestimmt.

Oberstes Therapieziel ist, die vorzeitige Geburt zu verhindern oder, wenn dies nicht mehr möglich ist, wenigstens einige Tage Zeit zu gewinnen, um die Geburtsreife des Kindes durch Medikamente zu beschleunigen. Ist das Kind noch unreif (vor der 33. Schwangerschaftswoche), ist ein Aufenthalt in der Klinik sinnvoll.

Auch wehenhemmende Medikamente verzögern das Einsetzen der Geburt.  Öffnet sich der innere Muttermund bereits, helfen Infusionen mit Fenoterol (Partusisten®). Meist wird zudem Magnesium gegeben, das ebenfalls die Wehentätigkeit hemmt. Wehenhemmer in Tablettenform sind wegen ihrer geringen Effektivität heute nicht mehr üblich.

Selbsthilfe und Vorsorge

In bestimmten Fällen ist es notwendig, dass die Schwangere bis zum berechneten Geburtstermin Bettruhe hält. In jedem Fall sollten größere körperliche Anstrengungen strikt vermieden werden (auch im Urlaub). Auch wenn das in einer Familie schwer durchzuhalten ist, kann dies für eine erfolgreich ausgetragene Schwangerschaft entscheidend sein. Darüberhinaus sollten große körperliche Anstrengungen, z. B. der Umzug in eine neue Wohnung, vermieden werden.

Außerdem ist bei vorzeitigen Wehen vaginaler Geschlechtsverkehr tabu, denn durch die mechanische Reizung, aber auch durch Prostaglandine im Sperma werden die Wehen verstärkt.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Ob homöopathische und naturheilkundliche Mittel zur Behandlung vorzeitiger Wehen erfolgreich eingesetzt werden können, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Gerade durch die Anwendung homöopathischer Mittel kann es zu einer Verstärkung der Wehen kommen, was sicherlich nicht beabsichtigt ist! Wenn, dann sollten derartige Mittel nur in Absprache mit Hebamme, Homöopath oder Arzt angewendet werden.

Phytotherapie. Die Pflanzenheilkunde empfiehlt entspannende Tees aus Melissenblättern, Johanniskraut und Baldrianwurzel, zum Teil mit dem Zusatz von Thymian als Krampflöser.

Die Keimzumpe (Bryophyllum), als Tropfen eingenommen, gilt als wichtiges pflanzliches Medikament zur Wehenhemmung.

Nicht wissenschaftlich bewiesen, aber zur Wehenhemmung von der Erfahrungsheilkunde geschätzt, sind ein entspannendes Vollbad (mit Mandelöl, Lavendel-, Majoran- und Rosenholzöl) und das stark hopfenhaltige Weißbier. Da Letzteres Alkohol enthält, empfehlen wir, dieses nur gegen Ende der Schwangerschaft und maximal einen halben Liter pro Tag zu trinken.

Zervix-Insuffizienz

Zervix-Insuffizienz (Muttermundschwäche): Verkürzung des Gebärmutterhalses und als Folge drohende Öffnung des Muttermunds ohne Wehen. Die Zervix-Insuffizienz kann ihre Ursache in einer tatsächlichen Schwäche der Muttermundmuskulatur haben, häufiger ist sie jedoch Vorbote einer Fehl- oder Frühgeburt aus anderem Grund. Die Zervix-Insuffizienz macht sich meist zwischen der 15. und 35. Schwangerschaftswoche bemerkbar. Mindestziel des ärztlichen Eingreifens ist das Erreichen der Lebensfähigkeit des Kindes, was aber nicht immer gelingt.

Leitbeschwerden

Keine, es handelt sich um einen Untersuchungsbefund der Scheiden-Tastuntersuchung oder im Ultraschall.

Das macht der Arzt

Mit einem Scheidenultraschall wird gemessen, wie weit der normalerweise auf vier Zentimeter Länge verschlossene Muttermund noch geschlossen ist. Ist er vor der 33. SSW nur noch weniger als 2,5 cm zu, droht eine Frühgeburt oder Fehlgeburt. Weitere Untersuchungen dienen dem Nachweis einer eventuellen Infektion der Harnwege oder der Scheide.

Um das Einsetzen von Wehen und damit die Geburt hinauszuzögern, wird der Arzt eine bestehende Infektion mit Antibiotika behandeln und der Patientin Bettruhe nahe legen – das heißt zumindest den Verzicht auf nennenswerte körperliche Aktivitäten sowie den vollständigen Verzicht auf Geschlechtsverkehr bis zur Geburt. Gegebenenfalls wird er ein striktes Rauchverbot aussprechen (denn Rauchen kann ebenso den Geburtsprozess in Gang setzen) sowie die Patientin alle 2 oder 3 Tage zur Kontrolle bestellen.

Als spezifische Therapie war lange Zeit die Vernähung des Muttermunds (Cerclage) unumstritten. Es gibt aber immer noch keine Belege, dass dies wirklich nützt, so dass dieser Eingriff – zumindest wenn das Kind schon lebensfähig ist – inzwischen seltener durchgeführt wird.

Umstritten ist auch, ob das vorbeugende Legen eines Kunststoffrings (Cerclagepessar) in die Scheide nach wiederholten Fehlgeburten wegen Zervix-Insuffizienz die Tragezeit der Schwangeren wirklich verlängert: Er soll ein zu frühes Öffnen des Muttermunds verhindern, ob er das wirklich tut, wird aber in Frage gestellt.

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