Augen


Erkrankungen des äußeren Auges

Bindehautentzündung

Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Akute oder chronische Entzündung der Bindehaut. Unterschieden werden infektiöse Bindehautentzündungen durch Bakterien, Viren oder Pilze von nicht infektiösen Bindehautentzündungen durch Fremdkörper, Kontaktlinsen, Tabakrauch, Staub oder Allergien. Die Bindehautentzündung gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen.

Leitbeschwerden

  • Rotes Auge
  • Brennen und Druckgefühl um das Auge
  • Fremdkörpergefühl, Gefühl von „Sand im Auge", häufiges Blinzeln
  • Teilweise unerträgliches Jucken
  • Je nach Ursache eitrige, schleimige oder klare Absonderungen, morgens verklebte Lider
  • Augentränen, Dauerschnupfen
  • Geschwollene Lider oft krampfartig geschlossen
  • Lichtscheu.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag oder heute noch, wenn die genannten Leitbeschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Die Bindehaut ist eine dünne durchsichtige Schleimhautschicht, die auch die Lidinnenseite auskleidet. In der lidseitigen Bindehaut finden sich zahlreiche Ansammlungen von weißen Blutkörperchen, die verhindern sollen, dass Erreger in das Auge eindringen. Bei Entzündungen schwellen sie häufiger zu kleinen Bläschen (Follikeln) an.

Bakterielle Bindehautentzündungen werden meist von Staphylokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae oder Pseudomonas aeruginosa verursacht. Es bildet sich ein eitriges Sekret, das die Lider – vor allem nachts – verklebt. Bei der Schwimmbadkonjunktivitis ist der Erreger das Bakterium Chlamydia trachomatis, das meist durch Badewasser oder feuchte Wäsche infizierter Patienten übertragen wird – aber nur selten in Schwimmbädern. Es kommt zur Schwellung der Lymphfollikel und der Bildung von schleimig-eitrigem Sekret.

Die häufigste virale Bindehautentzündung ist in unseren Breiten die Keratoconjunctivitis epidemica. Sie wird von Adenoviren verursacht und ist sehr ansteckend. Die Patienten klagen über massive Beschwerden, tränende juckende Augen, geschwollene Lider und eine geschwollene Bindehaut.

Die akute oder chronische allergische Bindehautentzündung ist eine entzündliche Reaktion auf die unterschiedlichsten Stoffe: Sehr häufig sind dies Pollen, Staub, Kosmetika und Salben. Besonders lästig für die Patienten ist das oft extrem starke Jucken und Tränen der Augen.

Die nicht infektiöse, nicht allergische Bindhautentzündung (Conjunctivitis simplex) kommt meist durch chemisch-physikalische Reize zustande, z. B. durch Staubpartikel oder Chlor im Schwimmbadwasser. Sie kann aber auch die Folge eines Ektropiums oder eines nicht korrigierten Sehfehlers sein.

Die häufigste infektiöse Bindehautentzündung wärmerer Regionen ist das Trachom. Es wird durch bestimmte Bakterien (Chlamydia trachomatis Typ A–C) verursacht. Die auch als ägyptische Körnerkrankheit bezeichnete Erkrankung ist mit 500 Millionen betroffenen und 6 Millionen erblindeten Menschen weltweit die häufigste Augenkrankheit. Die Bakterien werden bei schlechten hygienischen Verhältnissen über Schmierinfektionen und Fliegen übertragen. Ein Trachom führt zu Vernarbungen und unbehandelt zur Erblindung.

Das macht der Arzt

Kombination und Ausprägung der Befunde geben meist Aufschluss über die Ursache einer Bindehautentzündung. Der Arzt beurteilt mit der Spaltlampe die Gefäße, die Art der Sekretion und die Bindehautschwellung. Die Bindehaut des Augapfels ist im Lidspalt direkt sichtbar, bei einer Bindehautentzündung zeigen sich dort typischerweise prall gefüllte Gefäße in ziegelroter Farbe (Injektion). Erregernachweis und Resistenzbestimmung bei einer infektiösen Bindehautentzündung erfolgen über einen Bindehautabstrich. Die Therapie richtet sich nach den Ursachen.

Der Verlauf der Keratoconjunctivitis epidemica lässt sich nicht beeinflussen, sie heilt nach 2 Wochen oft selbst aus, d. h. eine spezielle Therapie gibt es nicht. Künstliche Tränen lindern die Beschwerden. Selten treten chronische Reizzustände der Hornhaut auf, die auch zu Sehstörungen führen, besonders zu erhöhtem Blendempfinden; diese müssen vom Augenarzt behandelt werden (langfristig kortisonhaltige Tropfen; Homöopathie parallel möglich).

Therapeutisch kommen bei der allergischen Bindehautentzündung gefäßverengende und antiallergische (Antihistaminika) Augentropfen zur Anwendung (z. B. Zadiken® ophta AT). In schweren Fällen sind zudem kortisonhaltige Tropfen nötig. Gefäßverengende Augentropfen dürfen keinesfalls länger als 1–2 Wochen in Selbstmedikation verwendet werden, da sie sonst durch weitere Austrocknung das Auge schädigen können. Sollten die Beschwerden in dieser Zeit nicht abgeklungen sein, ist der Augenarzt aufzusuchen.

Selbsthilfe

  • Hygiene: Tränen und Augensekrete sind sehr ansteckend! Waschen Sie daher immer die Hände nach Berührung von Augen- und Nasensekret. Wachschlappen und Handtücher dürfen nur von Ihnen selbst benutzt und müssen im Kochgang gewaschen werden
  • Kühlende Augenauflagen, z. B. in kaltem Wasser getränkte Wattebäusche, wirken schmerz- und juckreizlindernd
  • Schützen Sie Ihre Augen vor Sonneneinstrahlung und Wind, z. B. mit dunklen Brillengläsern und Brillen, die seitlich an den Schläfen abschließen
  • Als Allergiker sollten Sie die auslösenden Substanzen so weit wie möglich meiden.

Komplementärmedizin

Die Akupunktur ist laut Feststellung der WHO bei der Bindehautentzündung eine wirksame Therapiemethode.

Vorsorge

  • Wenn Sie zu Bindehautreizungen neigen: Meiden Sie Zugluft, verrauchte Räume und starkes Staubaufkommen.
  • Achten Sie darauf, dass Seife, Shampoo oder Badezusätze nicht in die Augen gelangen. Gleiches gilt für Chlorwasser: Tragen Sie beim Schwimmen eine Schutzbrille.

Bindehautunterblutung

Bindehautunterblutung (Hyposphagma): Scharf begrenzte Unterblutung der Bindehaut, meist spontan auftretend, aber auch infolge von Verletzungen, starken Belastungen wie Husten oder Wehen, seltener im Rahmen von Gefäßerkrankungen (erhöhter Blutdruck, Arteriosklerose) oder Blutgerinnungsstörungen.

Die Erkrankung

Auch wenn der Befund dramatisch aussehen kann; Bindehautunterblutungen sind meist harmlos und verursachen keine Beschwerden. Das Blut wird immer nach 1–2 Wochen vom Körper aufgelöst.

Treten Bindehautunterblutungen wiederholt auf, sollte die Ursache beim Hausarzt geklärt werden.

Hornhautentzündung

Hornhautentzündung (Keratitis): Entzündung der Hornhaut durch bakterielle Erreger (z. B. Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonaden) oder Viren (z. B. Herpes-simplex-Viren, Varicellen).

Leitbeschwerden

  • Fremdkörpergefühl
  • Sehr starke Schmerzen
  • Lichtscheu
  • Augentränen
  • Lidkrampf.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn die genannten Beschwerden auftreten.

Nehmen Sie Kontaktlinsen sofort heraus!

Die Erkrankung

Bakterielle Hornhautentzündung: Die meisten Bakterien können die intakte Hornhaut mit ihren Abwehrmechanismen nicht überwinden. Sobald die Keime aber infolge oberflächlicher Verletzungen (auch durch Kontaktlinsen) oder einer Störung der immunologischen Abwehr in das nicht durchblutete Hornhautgewebe eingedrungen sind, breiten sie sich schnell durch die verschiedenen Hornhautschichten hindurch aus: Die Bakterienbesiedlung des Hornhautstromas, eine Art Bindegewebe, das ~ 90 % der Hornhaut ausmacht, führt zu einem roten Auge, am Boden der Vorderkammer sammelt sich eventuell Eiter an. Bei einem tieferen Eindringen der Keime kommt es zum Einschmelzen des Stromas. Dieser Infektionsablauf wird als kriechendes Hornhautgeschwür (Ulcus serpens) bezeichnet. Im weiteren Verlauf – bei einer Pseudomonadeninfektion innerhalb von 48 Stunden – kann die Hornhaut durchbrechen (Hornhautperforation), es muss sofort operiert werden.

Herpes simplex corneae: Weltweit sind über 90 % der Menschen mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) infiziert. Die erste Infektion mit diesem Erreger verläuft meist unbemerkt – am Auge z. B. in Form einer leichten Bindehautentzündung oder Lidrandentzündung. Da das Virus in Nervenzellen „nistet", kann es bei Stress, starker Sonnenbestrahlung oder Hornhautreizung jederzeit zu einer Reinfektion der Hornhaut kommen. Bei HSV-1-Infektionen drohen bleibende Hornhautnarben und Hornhauttrübungen, die zu einer Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung führen können.

Das macht der Arzt

Bakterielle Hornhautentzündung: Nach einem Abstrich wird die Therapie sofort – ohne auf die Ergebnisse der Erregerbestimmung zu warten – mit der Gabe von lokalen Breitbandantibiotika (z. B. Neomycin, Gentamicin, Polymyxin) begonnen. Bei einem Hypopyon und damit einer Beteiligung der Vorderkammer gilt es ein sekundäres Glaukom zu verhindern und die Pupille zu erweitern (z. B. zweimal täglich mit Boro-Scopol®-Augentropfen). Bei verschlepptem Verlauf, Unzuverlässigkeit der Therapie oder wenn eine Hornhautperforation droht, ist die stationäre Aufnahme in eine Augenklinik notwendig.

Virale Hornhautentzündung: Um das oberflächliche Hornhautepithel zu beurteilen, färbt es der Augenarzt mit Fluoreszein an. Die Behandlung erfolgt mit virenhemmenden Augentropfen oder -salben (z. B. Triflumann®, Zovirax®-Augensalbe), bei tiefer reichenden Entzündungen auch als Infusion, und eventuell kortisonhaltigen Augentropfen.

Selbsthilfe

  • Um der Blendempfindlichkeit zu begegnen, sollten Sie im Freien dunkle Sonnenbrillen tragen. Dunkeln Sie auch Ihr Zimmer ab
  • Zur Schonung der Augen sollten Sie auf die Arbeit am Computerbildschirm verzichten und auch Lesen und Fernsehen stark einschränken
  • Setzen Sie erst dann wieder Ihre Kontaktlinsen ein, wenn die Erkrankung vollständig abgeklungen ist.

Komplementärmedizin

In Anbetracht der schweren Komplikationen, die eine nicht rechtzeitig oder unzureichend behandelte Hornhautentzündung nach sich ziehen kann, können komplementärmedizinische Maßnahmen nicht empfohlen werden.

Wenn eine Herpesinfektion der Hornhaut immer wieder auftritt, empfiehlt die Homöopathie eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie.

Hornhauterosion und Verblitzung

Hornhauterosion (Erosio corneae): Verletzung der Hornhaut z. B. durch einen Splitter, Fingernagel oder Zweig. Die Verletzung der Hornhautoberfläche durch UV-Strahlen wird als Verblitzung (Keratitis photoelectrica, Photokeratitis) bezeichnet. Umgangssprachlich wird die Verblitzung auch als "Schneeblindheit" bezeichnet. Eine Blindheit im eigentliche Sinne liegt dabei jedoch nicht vor.

Leitbeschwerden

  • Fremdkörpergefühl
  • Starke Schmerzen v. a. bei Lichteinfall
  • Allgemeine oder örtlich begrenzte Rötung
  • Starker Tränenfluss
  • Oft Lidkrampf und Lidschwellung
  • Eventuell Sehverschlechterung.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn Ihnen ein Fremdkörper ins Auge gedrungen ist, der sich nicht ausspülen lässt.

Sofort, wenn es zudem zu starken Schmerzen kommt.

Die Erkrankung

Die Hornhautoberfläche kann leicht von außen verletzt werden. Intensives UV-Licht schädigt innerhalb von Minuten Hornhaut und Bindehaut im Bereich der Lidspalte; das Gewebe quillt auf (ödematös), zerfault und wird abgestoßen.

Eine Verblitzung tritt zum Beispiel beim Schweißen oder Sonnen unter Solarien auf, wenn die Augen nicht ausreichend geschützt werden. Ferner entsteht sie durch starke Reflexion von UV-Strahlen auf einer Schneedecke, zum Beispiel im Hochgebirge.

Zur Keimabwehr ist eine intakte Hornhaut notwendig. Kleine oberflächliche Hornhautverletzungen werden deshalb normalerweise innerhalb von Stunden durch Zellverschiebungen und rasche Zellneubildungen am Rand der Hornhaut verschlossen. Die Reibung des Oberlids verhindert dies jedoch, daher kommt es zu einer Entzündung. Nach einer Verletzung kommt es manchmal vor, dass die abdeckenden neuen Zellen nicht fest mit der Unterlage verankert sind und die Hornhaut immer wieder auch noch nach Wochen und Monaten an der Stelle der alten Verletzung aufbricht.

Das macht der Arzt

Das Ausmaß des Oberflächendefekts beurteilt der Arzt nach Fluoreszeinfärbung mit der Spaltlampe. Zur Behandlung legt er einen antibiotischen Augenverband an oder er versorgt das Auge mit einer therapeutischen Kontaktlinse in Verbindung mit antibiotischen Augentropfen. Zur Schmerzlinderung empfiehlt er eventuell Paracetamol (z. B. Benu-ron®). Normalerweise heilt das Auge innerhalb von 24–48 Stunden folgenlos ab. Bei immer wiederkehrenden Hornhauterosionen wird der Patient häufig zur völligen beidseitigen Ruhigstellung der Augen stationär aufgenommen oder es wird eine Lasertherapie der Hornhaut vorgenommen.

Hornhautverätzung

Hornhautverätzung: Chemisch bedingte Verletzung der Hornhaut durch unterschiedliche Substanzen wie Laugen, Säuren, Detergenzien (Spülmittel), Kleber oder Lösungsmittel. Bei einer Hornhautverätzung entscheiden die ersten Sekunden und Minuten über das Schicksal des Auges.

Leitbeschwerden

  • Starker Tränenfluss
  • Lidkrampf
  • Starke Schmerzen
  • Schnelle Sehverschlechterung.

Die Sofortmaßnahmen müssen von Arbeitskollegen, Familienangehörigen oder sonstigen Anwesenden durchgeführt werden: Das Lid muss rigoros geöffnet werden, zum Spülen eignet sich jede neutrale wässrige Lösung, die gerade zur Hand ist (Leitungswasser, zur Not auch Limonade, Kaffee oder Tee). Die Flüssigkeit wird aus 10 cm Höhe in den inneren Augenwinkel des verletzten Auges gegossen, so dass es über den Augapfel und den äußeren Augenwinkel nach außen abfließt. Der Notarzt muss verständigt und der Patient sofort zum nächstgelegenen Augenarzt bzw. in die Augenklinik transportiert werden.

Die Erkrankung

Die Schwere der Augenschädigung hängt von der Art und der Konzentration des chemischen Stoffs, der Menge, der Einwirkungsdauer und dem pH-Wert der Lösung ab. Laugen sind aggressiver als Säuren und gelangen rascher in tiefere Gewebe, die Hornhaut trübt ein.

Leichte und mittelschwere Säureverätzungen führen nur zu oberflächlichen Schäden. Starke Säuren dringen allerdings ebenso rasch und tief ein wie Laugen.

Das macht der Arzt

Zur Schmerzbekämpfung und um den Lidkrampf für die anschließende genauere Untersuchung des Auges zu lösen, wird das Auge lokal betäubt. Um die ätzende Substanz auszuwaschen, muss das Auge intensiv gespült werden. Lokal verabreicht der Augenarzt antibiotikahaltige Augentropfen, die eine Infektion verhindern, kortisonhaltige Augentropfen, die die Entzündung hemmen und die Neubildung von Gefäßen unterdrücken, sowie Vitamin C, das gewebeschädigende freie Radikale zerstört. Die Pupille wird durch Mydriatika (pupillenerweiternde Medikamente) ruhig gestellt. Zusätzlich verordnet der Arzt Kortisonpräparate in Tablettenform zur Entzündungshemmung, Schmerzmittel und Vitamin C. Bei schwersten Verätzungen muss darüber hinaus auch operiert werden.

Regenbogenhautentzündung

Regenbogenhaut-Entzündung (Iritis): Akute oder chronische Entzündung der Iris, häufig als Begleiterkrankung einer allgemeinen oder immunologischen, insbesondere rheumatologischen Erkrankung, seltener durch Infektionen. Die Regenbogenhaut-Entzündung ist meist mit einer Entzündung des Ziliarkörpers (Zyklitis) kombiniert.

Leitbeschwerden

  • Starke Schmerzen mit Verschlimmerung bei Lichteinfall, allgemeine oder örtlich begrenzte Rötung
  • Starker Tränenfluss
  • Eventuell Lidkrampf
  • Häufig Sehverschlechterung.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Regenbogenhaut (Iris) und Ziliarkörper bilden die vorderen Anteile der Gefäßhaut, die Aderhaut (Chorioidea) den hinteren Anteil. Entzündungen können in allen Teilen auftreten. Je nach Lokalisation spricht der Augenarzt von einer Iritis, Zyklitis oder Chorioiditis. Die Entzündung der Regenbogenhaut mit Beteiligung des Ziliarkörpers (Iridozyklitis) ist die häufigste Form. In 75 % der Fälle verläuft eine Iritis oder eine Iridozyklitis akut, in 25 % kommt es zu einem chronischen Verlauf. Die Entzündung ist oft eine immunologisch ausgelöste Begleitkrankheit einer rheumatischen Erkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Morbus Reiter) oder Morbus Crohn. Eher seltener sind erregerbedingte Regenbogenhaut-Entzündungen: z. B. bei einer Toxoplasmose, Borreliose oder einer viralen Infektion durch Herpesviren, HIV, Grippeviren. Die Regenbogenhaut ist dabei stark durchblutet. Aus den entzündlich veränderten Gefäßen treten weiße Blutkörperchen, Eiweiße oder Fibrin in die Vorderkammer aus, die die Sehleistung verschlechtern. Bei schweren Verläufen setzt sich Eiter am Boden der Vorderkammer ab. Abgesonderte Zellen und Fibrin verstopfen die Abflusswege des Kammerwassers. Es kommt zu Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Hornhaut, dem trabekulären Maschenwerk oder der Pupille (Synechien). Weil dadurch die Kammerwasserzirkulation behindert wird, kann der Augeninnendruck steigen (sekundäres Glaukom). Beim chronischen Verlauf kommt es zu Trübungen der Linse und Schrumpfungen des Augapfels bis hin zur Erblindung.

Das macht der Arzt

Für die Diagnose ist die Untersuchung mit der Spaltlampe ausschlaggebend. Ein Internist wird hinzugezogen, er sucht nach der eigentlichen Ursache. Bis dahin gilt es, die Entzündung lokal durch eine Kortisonbehandlung mit Augentropfen oder eventuell systemisch, ebenfalls durch Kortison, einzudämmen. In schweren Fällen wird die Bindehaut kurzfristig betäubt und ein Kortisondepot unter die Bindehaut gespritzt. Um die Verklebungen zu verhindern, wird die Pupille medikamentös erweitert. Es sind wiederholt Kontrollbesuche beim Augenarzt notwendig, bei denen der Augeninnendruck gemessen und ggf. therapiert wird. Bei einer infektiösen Regenbogenhaut-Entzündung muss die Grunderkrankung sofort antibiotisch oder antiviral behandelt werden.

Selbsthilfe

Es empfehlen sich die gleichen Maßnahmen wie bei der Hornhautentzündung.

Komplementärmedizin

Die Komplementärmedizin spielt bei der Therapie der akuten Regenbogenhaut-Entzündung allenfalls als Begleitmaßnahme eine Rolle.

Akupunktur oder Homöopathie zielen primär auf die Therapie der ursächlichen Erkrankung. Ob sie beispielsweise bei rheumatologischen Erkrankungen wirksam sind, ist fraglich.

Trockene Augen (Sicca-Syndrom)

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunktivitis sicca): Reizung der Binde- und Hornhaut durch eine Benetzungsstörung aufgrund verminderter Produktion oder fehlerhafter Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit. Trockene Augen sind in der Augenarztpraxis das häufigste Krankheitsbild. Typischerweise sind Frauen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen.

Leitbeschwerden

  • Brennende, gerötete und tränende Augen, z. B. bei Kälte, Wind oder längerem Lesen
  • Fremdkörpergefühl
  • Müde Augen am Abend.

Wann zum Arzt

In derselben Woche, wenn die Beschwerden anhalten.

Die Erkrankung

Bei jedem Lidschlag wird die Tränenflüssigkeit aus den verschiedenen Drüsen über den Augapfel verteilt, ähnlich wie die Spülflüssigkeit aus der Scheibenwaschanlage durch den Scheibenwischer beim Auto.

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten:

  • Eine oberflächliche Lipidschicht wird von Drüsen am Lidrand gebildet. Diese sehr dünne, fetthaltige Schicht sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht über die Lidkante abläuft und sie nicht so schnell verdunstet.
  • Die wässrige Schicht macht den größten Teil des Tränenfilms aus. Das wässrige Sekret wird von der Haupttränendrüse sowie den akzessorischen Tränendrüsen abgesondert, und das besonders stark, wenn die Augen gereizt werden. Es sorgt durch Bildung einer glatten Oberfläche für scharfes Sehen, verhindert die Austrocknung der Binde- und Hornhaut, spült und desinfiziert durch bakterientötendes Eiweiß (Lysozym) die Oberflächen und ernährt die nicht durchblutete Hornhaut.
  • Das schleimige Sekret (innere Muzinschicht) wird von speziellen Zellen der Bindehaut, den Becherzellen, gebildet. Diese Schicht stabilisiert den Tränenfilm und sorgt dafür, dass der wässrige Anteil gleichmäßig auf der Hornhaut verteilt wird, am Auge haftet und nicht abperlt.

Sind Menge oder Zusammensetzung des Tränenfilms gestört, ist der Augapfel unzureichend benetzt. Dadurch trocknen Horn- und Bindehaut aus, die Lider scheuern auf dem Augapfel, es kommt zu kleinen Oberflächenverletzungen und damit zu Infektionen. In manchen Fällen führt eine fehlerhafte Zusammensetzung des Tränenfilms dazu, dass zu viel Tränenflüssigkeit von der Augenoberfläche verdunstet oder die Tränen nicht mehr richtig an der Oberfläche haften. In der Folge wird die Tränendrüse zu einer Überproduktion angeregt: Das Auge tränt.

Meist lassen sich keine eindeutigen Ursachen für trockene Augen finden: Ungünstige Faktoren sind jedoch zu trockene Luft in überheizten Räumen, Klimaanlagen, Tabakrauch, Smog oder Zug, z. B. beim Fahrrad- oder Autofahren mit offenem Fenster. Etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnt die Tränendrüse langsamer zu arbeiten, die Tränenmenge nimmt ab. Bei Frauen verstärkt sich dies noch durch die hormonelle Umstellung ab den Wechseljahren. Auch Systemerkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis, Diabetes) oder Verletzungen der Tränendrüsen führen zu einer verminderten Tränenproduktion. Durch Einnahme bestimmter Medikamente kann sich die Zusammensetzung des Tränenfilms ändern, z. B. durch Acetylsalicylsäure (Aspirin®) oder Retinoide (Abkömmlinge der Vitamin-A-Säure z. B. zur Aknebehandlung). Ebenso können Ovulationshemmer (Antibabypillen) oder eine Schwangerschaft die Tränenflüssigkeit beeinträchtigen.

Das macht der Arzt

Der Augenarzt stellt mit der Spaltlampe meist nur eine leichte Bindehautreizung fest. Die eigentliche Diagnose „trockene Augen" wird mit dem Schirmer-Test zur Bestimmung der Tränenmenge und mit der Tränenfilmaufrisszeit zur Feststellung der Stabilität der Tränenflüssigkeit gestellt.

In hartnäckigen Fällen geben der Bengal-rosa-Test und die Impressionszytologie Auskunft über Zustand und Anzahl der Becherzellen.

Therapeutisch stehen künstliche Tränen in Form von Augentropfen und Gelen in unterschiedlicher Viskosität (Zähigkeit) zur Verfügung, die je nach Schweregrad alle 4 Stunden bis alle 30 Minuten appliziert werden. In schweren Fällen setzt der Augenarzt einen keilförmigen Silikonstöpsel ein, der wie ein Badewannenstöpsel das Tränenpünktchen verschließt (Punctum Plug). Dieser kann, wenn er vertragen wird, jahrelang eingesetzt bleiben. Treten Trockene Augen im Rahmen einer Hornhautentzündung auf, sind die seit 2015 zugelassenen Ikervis® Augentropfen eine neue, weitere Option. Sie enthalten das Immunsupressivum Ciclosporin, welches die Entzündung hemmt.

Selbsthilfe

Einige Tipps helfen bei trockenen Augen:

  • Meiden Sie Zugluft, verrauchte Räume und staubige Luft
  • Achten Sie auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zuhause und am Arbeitsplatz
  • Trinken Sie ausreichend! Empfohlen werden mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag
  • Tragen Sie im Sommer und an windigen Tagen eine Sonnenbrille, eventuell mit Seitenschutz (Fahrradbrille)
  • Für die Nacht haben sich Kühlkompressen und die Anwendung einer Heilsalbe (z. B. Bepanthen®-Augensalbe) bewährt.

Komplementärmedizin

Akupunktur. Vor allem, wenn bei trockenen Augen die Neigung zum Augentränen (z. B. bei Kälte) stark ausgeprägt ist, bietet sich gemäß verschiedener Erfahrungsberichte die Akupunktur an

Akupressur. Die Akupressur spezieller Akupressurpunkte in der Augenregion soll bei trockenen Augen infolge Überanstrengung (z. B. durch lange Bildschirmarbeit) helfen

Vorsorge

In Studien konnte gezeigt werden, dass die Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-, Omega-6-Fettsäuren) die Stabilität des Tränenfilms, insbesondere der Lipidschicht, nachweislich verbessern kann. Entsprechende Präparate sind z. B. Oenvite Omega®

Weiterführende Informationen

  • www.trockene-augen.de – Von der Alcon Pharma GmbH (Freiburg) kommerziell unterstützte Website: Übersichtlich, mit vielen Infos und Tipps rund um das Thema.

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