Männerkrankheiten


Erkrankungen von Hoden und Nebenhoden

Androgeninsuffizienz und PADAM

Androgeninsuffizienz (Testosteronmangel, Hodeninsuffizienz): Rückgang der Wirkung männlicher Sexualhormone, insbesondere des Testosterons. Der Mangel an Testosteron und seinen Abkömmlingen Androstendion und DHEA, die zusammen die Androgene bilden, kann unterschiedliche Ursachen haben: ein altersbedingtes Nachlassen der Testosteronproduktion der Hoden (PADAM), einen Mangel an Steuerhormonen, die die Testosteronausschüttung ankurbeln, z. B. durch Tumoren der Hypophyse Hirnanhangdrüse, oder eine angeborene Störung mit fehlenden Androgenrezeptoren, wodurch die Zellen der Zielorgane das Testosteron nicht erkennen.

Letztere führt dazu, dass das männliche Geschlecht nicht oder nicht 100%-ig ausgebildet wird und die Jungen dann durch fehlende Hoden (Anorchie) oder einen Hodenhochstand auffallen oder im Extremfall sogar als Mädchen zur Welt kommen, obwohl sie erblich ein Junge sind (der Kinderarzt spricht von Testikulärer Feminisierung). Auch Frauen erhalten gelegentlich die Diagnose einer (weiblichen) Androgeninsuffizienz, z. B. im Rahmen einer Anti-Aging- oder Wechseljahres-Diagnostik.

Entgegen früherer Ansicht sind die Auswirkungen eines Testosteronmangels eher unklar, jedenfalls ist die früher verbreitete Hypothese widerlegt, dass ein niedriger Testosteronspiegel zu verminderter Libido führt.

Leitbeschwerden beim älteren Mann

  • Sexuelle Funktionsstörungen – insbesondere Impotenz
  • Unfruchtbarkeit
  • Rückbildung der Muskulatur
  • Anstieg des Körperfettanteils, vor allem in der Bauchregion
  • Psychische Beschwerden wie Müdigkeit, Unwohlsein oder depressive Verstimmungen
  • Haut- und Haarveränderungen
  • Im Extremfall scheinbar spontane Knochenbrüche durch Osteoporose.

Die Erkrankung

Populär geworden ist die Androgeninsuffizienz durch die Anti-Aging-Medizin. Millionen von Männern leiden an Müdigkeit, Unwohlsein, Impotenz und all den anderen Leitbeschwerden. Viele Ärzte greifen das Thema als IGeL-Leistung auf und führen umfangreiche Hormontests durch. Meist wird nur ein teilweiser Mangel an Testosteron festgestellt, weshalb Anti-Aging-Mediziner dann auch vom PADAM, dem partiellen Androgendefizit des alternden Mannes (Testosteronmangel-Syndrom) sprechen. Über dessen Häufigkeit wird gestritten, bis zu 10 Millionen deutsche Männer sollen nach Ansicht von Anti-Aging-Experten betroffen sein. .

Begriffe wie männliche Wechseljahre, Klimakterium virile, ADAM (Androgen Decline in the Aging Male), Testopause oder Andropause wurden von manchen Autoren eingeführt, um den hormonellen Veränderungen des alternden Mannes analog zu den Wechseljahren der Frau Rechnung zu tragen. Die Hormone Testosteron, DHEA (Vorstufe des Testosterons) und das Wachstumshormon Somatotropin sinken zwar zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr ab, jedoch nicht sprunghaft wie bei der Frau. Es findet also kein „Wechsel“ in der hormonellen Gesamtsituation statt wie bei der Frau – deshalb ist der Begriff der männlichen Wechseljahre medizinisch nicht haltbar.

Ein Testosteronmangel kommt aber auch bei vielen Erkrankungen vor, die mit den „männlichen Wechseljahren“ nichts zu tun haben, so bei Fettstoffwechselstörungen, bei schweren Leber-, Nieren-, Herz- und Kreislauferkrankungen. Er kann aber auch psychisch bedingt bei chronischer Stressbelastung und Alkoholmissbrauch auftreten.

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Wirkungen des Testosterons. Die Bildung von Testosteron erfolgt über den für Hormone typischen Regelkreis mit negativer Rückkopplung und es beeinflusst viele Zielorgane.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Die Diagnostik umfasst die Messung des Gesamttestosterons, des Sexualhormon bindenden Globulins SHBG und der Steuerhormone FSH und LH in zwei jeweils voneinander unabhängig am Morgen gewonnenen Blutproben.

Aus SHBG und Gesamttestosteron wird die Menge an freiem Testosteron berechnet. Das SHBG steigt mit zunehmendem Alter an, und in der Folge fällt der Anteil des freien, hormonell aktiven Testosterons ab.

Sinnvoll ist auch ein Stimulationstest mit Beta-HCG, der die Testosteronausschüttung um 50–150 % steigern sollte.

Die bequeme Testosteronbestimmung im Speichel empfehlen wir nicht – sie ist nicht zuverlässig. .

Die Testosteron-Ersatztherapie

Prinzipien der Testosteron-Ersatztherapie. Selbst wenn die oben genannten Erkrankungen als Ursache einer Androgeninsuffizienz ausgeschlossen werden, kann ein Ausgleich des Testosteronmangels durch korrekt dosierte Testosterongaben nur eingeschränkt empfohlen werden. Die Testosteron-Ersatztherapie ist nur in den seltenen Fällen einer deutlichen Androgeninsuffizienz (vom Arzt z. B. bei der Klärung einer ungewollten Kinderlosigkeit entdeckt) unproblematisch – nicht aber beim PADAM, denn:

  • Alle Androgeninsuffizienz-Beschwerden kommen auch bei Männern mit normalen Testosteronspiegeln vor, z. B. bei falscher Ernährung, psychischer Belastung und zu wenig Bewegung. Kein Arzt kann also mit Sicherheit sagen, ob der Androgenmangel wirklich die Ursache der PADAM-Beschwerden ist.
  • Die Gabe von Androgenen birgt die Gefahr, das Wachstum eines Prostatakrebses zu beschleunigen, den eine große Zahl von Männern unerkannt in sich trägt. Deshalb rät die Mehrzahl der Ärzte bei altersentsprechend normalen oder nur geringfügig erniedrigten Testosteronwerten von der Testosterongabe ab.
  • Aber auch die erwünschten Effekte auf Stimmung und sexuelle Funktionsstörung stellen sich nicht sicher ein: Eine Depression etwa kann durch Testosteroneinnahmen auch verstärkt werden.
  • Es gibt keine gesicherten Daten über die Effekte einer langjährigen Testosteroneinnahme.

Anders sieht es bei Patienten mit deutlich erniedrigten Testosteronwerten aus, denn sie profitieren meist erheblich von der Testosteron-Ersatztherapie.

Verabreichungsformen des Testosterons. Wenn man sich trotz der genannten Risiken zu einer Test-Einnahme entschließt, so erfolgt die Gabe täglich über Testosteron-Hautgels oder in Form von intramuskulären Testosteron-Spritzen (konservativ alle 2–3 Wochen). Zwar haben die Hautgels geringere Nebenwirkungen, sind aber umständlich zu handhaben (tägliches Auftragen, anfangs Hautkontakt mit der Partnerin vermeiden), weshalb sie die Spritzen nicht abgelöst haben. Mittlerweile gibt es neue Medikamente (Nebido®), die nur alle drei Monate gespritzt werden müssen.

Die Einnahme sollte zunächst auf 3–6 Monate beschränkt bleiben. Nur wenn sich mindestens drei erwünschte Effekte und keine wesentlichen Nebenwirkungen, wie z. B. Blutbildveränderungen oder ein Anstieg der Leberwerte (Laborkontrollen!) eingestellt haben, ist die Fortsetzung der Therapie zu vertreten. Auch sollte der PSA-Wert als Indikator für das beschleunigte Wachstum eines Prostatakrebses regelmäßig überwacht werden, er darf um maximal 1 ng/ml pro Halbjahr ansteigen und den Grenzwert von 4 ng/ml nicht überschreiten, sonst sollte die Testosteron-Ersatztherapie abgebrochen werden. Auch die regelmäßige Prostata-Tastuntersuchung ist aus diesem Grund bei einer Testosteron-Ersatztherapie sehr wichtig. Über die maximal mögliche Therapiedauer einer Testosteron-Ersatztherapie herrscht keinerlei Einigkeit bei den Experten.

Selbsthilfe

Inwieweit Sie sich von den vermeintlichen oder tatsächlichen PADAM-bedingten Begleiterscheinungen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen lassen, ist – vergleichbar mit den Wechseljahrbeschwerden der Frau – zweifellos auch eine Frage der inneren Einstellung. Die nicht unerheblichen Risiken einer Testosteron-Ersatztherapie legen nahe, erst einmal auf andere Weise zu versuchen, die unerwünschten Folgeerscheinungen eines nachgewiesenen Testosteronmangels in den Griff zu bekommen:

Zur Linderung depressiver Verstimmungen

Hilfe bei Impotenz

Zur Vorbeugung von bzw. Begleitmaßnahmen bei Osteoporose

Weiterführende Informationen

  • Die an anderer Stelle begründete Skepsis gegenüber urologischen Internetseiten besteht in besonderem Maße gegenüber urologischen Anti-Aging-Internet-Angeboten. Man sollte genau prüfen, was die von Google & Co. genannten Informationsquellen behaupten.
  • R.-D. Hesch; G. Bosch: Absolut Mann. Fit bleiben und gut aussehen – die besten Strategien. Droemer Knaur, 2003. Obwohl der Testosteron-Ersatztherapie das Wort geredet wird, ist das Buch ein sinnvoller ärztlicher Ratgeber des Urologen und Anti-Aging-Experten Hesch, der die Selbstverantwortung des Mannes betont.
  • Weiteres zum Thema Anti-Aging

Hodenentzündung und Nebenhodenentzündung

Die beiden Krankheitsbilder der (selteneren) Hodenentzündung (Orchitis) und der (häufigeren) Nebenhodenentzündung (Epididymitis) verursachen ähnliche Beschwerden und können auch ineinander übergehen (Epididymo-Orchitis). Während die meist bakteriell verursachte Nebenhodenentzündung häufig auftritt, ist eine alleinige Hodenentzündung (ausgelöst durch Infektionen mit Bakterien oder Viren wie Salmonellen oder Erregern des Mumps) selten. Auch die Therapie der Beschwerden ist bei beiden identisch, weshalb sie im Folgenden gemeinsam beschrieben wird. Während die Hodenentzündung ab der Pubertät und im Erwachsenenalter auftritt, betrifft die Nebenhodenentzündung vor allem ältere Männer mit gestörter Blasenentleerung, bei sexuell übertragenen Keimen aber auch jüngere Männer.

Leitbeschwerden

  • Stark schmerzhafte Schwellung von Hoden und/oder Nebenhoden, gerötete Haut des Hodensacks
  • Meist mäßiges, selten hohes Fieber
  • Bei der Hodenentzündung: zusätzlich Beschwerden der verursachenden Virusinfektion (z. B. Schwellung der Ohrspeicheldrüse bei Mumps)
  • Bei der Nebenhodenentzündung: zusätzlich Beschwerden einer Harnwegsinfektion wie Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang.

Hodenschmerzen bei Kindern sind nur selten durch eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung bedingt; insbesondere bei plötzlich auftretenden Schmerzen zumeist in den Morgenstunden besteht der Verdacht auf eine Verdrehung der Hoden (Hodentorsion), eine sofortige operative Klärung ist notwendig.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag bei den genannten Beschwerden, wenn diese allmählich schlimmer werden.

Sofort bei plötzlichem Einsetzen oder schlagartiger Verschlimmerung der Schmerzen und immer bei Kindern und jungen Erwachsenen. Es liegt möglicherweise eine Hodenverdrehung (Hodentorsion) vor, die sofort operiert werden muss.

Die Erkrankung

Eine Entzündung des Hodens entsteht am häufigsten, wenn Krankheitserreger über das Blut in die Hoden gelangen, sei es im Rahmen einer Infektion mit Viren wie bei Mumps, Windpocken oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber oder einer Infektion mit Bakterien wie Salmonellen. Gefürchtet ist die Hodenentzündung bei Mumps (Mumpsorchitis): Sie tritt typischerweise etwa 5 Tage nach Beginn der Erkrankung auf, betrifft aber praktisch nur Jungen bzw. Männer ab der Pubertät, jeden vierten beidseitig und jeden zehnten einseitig.

Zur Nebenhodenentzündung kommt es, wenn Bakterien aus dem Harntrakt, der Prostata oder vom benachbarten Hoden auf den Nebenhoden übergreifen. Bei jüngeren Männern lösen oft sexuell übertragene Keime wie Chlamydien oder Erreger der Gonorrhoe (Tripper) eine Nebenhodenentzündung aus. Bei älteren Männern geht die Nebenhodenentzündung meist einher mit einer gestörten Blasenentleerung und der Bildung von Restharn, in dem sich Bakterien leicht vermehren – am häufigsten aufgrund einer Prostatavergrößerung. In der Folge lassen die Betroffenen mit höherem Druck Wasser – es entsteht ein Überdruck, wodurch die im Urin enthaltenen Bakterien aus der Harnröhre über den Samenleiter zurück in die Nebenhoden gelangen können.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Zunächst tastet der Arzt Hoden und Nebenhoden ab und untersucht den Hoden anschließend per Ultraschall, um andere Erkrankungen auszuschließen. Auch testet er den Mittelstrahlurin auf Bakterien, um eine begleitende oder ursächliche Harnwegsinfektion auszuschließen. Da die genaue Diagnose oft schwierig ist, bestimmt der Arzt zusätzlich Entzündungswerte im Blut wie z. B. CRP. Ist die Entzündung stark ausgeprägt, sind Hoden bzw. Nebenhoden also hochrot, stark geschwollen und schmerzhaft, und ist der Zustand des Patienten schlecht, erfolgt die Behandlung eventuell in der Klinik.

Therapie. Wenn die Entzündung durch Bakterien verursacht wird, überprüft der Urologe per Ultraschall, wie weit der Patient die Blase noch vollständig entleeren kann (Restharnbestimmung). Ist der Restharn erheblich, wird dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein suprapubischer Katheter durch die Bauchdecke in die Blase gelegt, um den Abfluss des Urins wiederherzustellen. Dies betrifft meist nur ältere Patienten.

Antibiotika stoppen das Bakterienwachstum, und entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) dämpfen die oft erheblichen Schmerzen und wirken abschwellend. Zusätzlich werden Bettruhe, Hochlagerung des Hodens und Kühlung empfohlen. Bei sehr starken Schmerzen spritzt der Arzt ein örtliches Betäubungsmittel in die Umgebung des Samenstrangs.

Bei schlechtem Allgemeinzustand und mangelnder Versorgung zu Hause wird der Erkrankte stationär eingewiesen, denn in der Klinik ist die Gabe von Antibiotika per Infusion und eine intensivere Überwachung möglich.

Liegt eine virusbedingte Hodenentzündung vor, gelten dieselben Ratschläge; bei Hodenentzündungen durch Mumps oder Windpocken helfen keine Antibiotika, sondern Virostatika. Die Gabe von Interferon, einer Substanz mit Wirkung auf das Immunsystem, hat in mehreren Studien keinen eindeutigen Vorteil gezeigt.

Verlaufskontrolle. Wichtig ist, dass der Urologe den Hoden in regelmäßigen Intervallen abtastet und per Ultraschall beurteilt, um eine Abszessbildung rechtzeitig zu erkennen. Zeichen für einen unkomplizierten Verlauf der Hoden- oder Nebenhodenentzündung ist ein rascher Rückgang von Temperatur und Schmerzen.

Prognose

Nach den meisten Virusinfektionen mit Hodenentzündung kommt es für einige Monate nur zu einer vorübergehend eingeschränkten Spermienbildung. Wenn die Hodenzellen geschädigt sind – was 2–3 % der Betroffenen einer Mumpsorchitis betrifft –, werden jedoch dauerhaft zu wenige oder zu langsame Spermien gebildet, so dass Unfruchtbarkeit die Folge ist. Gleiches gilt für die Nebenhodenentzündung. Unzureichend behandelt, droht oft eine chronische Nebenhodenentzündung, manchmal auch ein Verschluss der Samenwege, was den Ausstoß der Spermien vehindert.

Selbsthilfe

Die Hochlagerung des erkrankten Hodens, z. B. mittels eines speziellen Tragebeutels (Suspensorium), dient der Entlastung des geschwollenen Hodensacks vom Eigengewicht. Aus diesem Grund sollten Sie in der akuten Phase enger anliegenden Unterhosen (anstelle von z. B. Boxershorts) den Vorzug geben.

Schmerzlindernd wirken kühlende Umschläge, wie z. B. ein mit kaltem (nicht eiskaltem!) Wasser getränkter Waschlappen.

Vorsorge

Eine Mumpsorchitis kann durch die rechtzeitige Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln im Kindesalter sicher vermieden werden.

Hodenfehllagen

Hodenfehllagen (Lageanomalien des Hodens): Lage eines oder beider Hoden außerhalb des Hodensacks. Hodenfehllagen entstehen schon vor der Geburt, wenn die Hoden während der vorgeburtlichen Entwicklung aus der embryonalen Lage etwa auf Nierenhöhe nicht abwärts wandern (Descensus), um dann durch den Leistenkanal in den Hodensack (Skrotum) zu treten. Der Hoden bleibt also oberhalb des Hodensacks hängen (Hodenhochstand, Maldescensus testis). Mediziner unterscheiden beim Hodenhochstand die Unterformen Leistenhoden, Bauchhoden und Gleithoden, wobei er möglichst rasch nach der Geburt diagnostiziert werden sollte. Bei der Hälfte der betroffenen Kleinkinder wandert der Hoden im ersten Lebensjahr jedoch noch spontan, also ohne Behandlung an die richtige Stelle, weshalb die Kinder bisher erst im zweiten Lebensjahr therapiert wurden – falls erforderlich. Mittlerweile gilt allerdings die Empfehlung, einen Hodenhochstand schon im ersten Lebensjahr zu behandeln: um Spätfolgen wie Unfruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko für Hodenkrebs vorzubeugen. Bei 4 % der termingerecht geborenen Jungen und 9 % der Frühgeburten liegen zum Zeitpunkt der Geburt ein oder beide Hoden nicht im Hodensack.

Leistenhoden (Inguinalhoden): Mit 70 % häufigste Form des Hodenhochstands, bei der sich der Hoden im Leistenkanal befindet. Sie tritt häufig in Kombination mit angeborenen Leistenbrüchen auf.

Bauchhoden: Einer oder beide Hoden bleiben im Bauchraum. Meist liegt hier ein Kryptorchismus vor, d. h. dass ein Hoden weder sichtbar noch tastbar ist. Eine Anorchie (= völliges Fehlen eines oder beider Hoden) muss hier ausgeschlossen werden.

Gleithoden: Lage des Hodens knapp oberhalb des Hodensacks, zusätzlich ist der Samenstrang im Leistenkanal zu kurz. Der Hoden kann zwar in den Hodensack gezogen werden, gleitet aber nach dem Loslassen sofort wieder zurück.

Hodenektopie: Fehllage eines oder beider Hoden an ungewöhnlichen Körperstellen, z. B. unter der Bauchhaut oder im Oberschenkel.

Von den Hodenfehllagen abzugrenzen ist der Pendelhoden, bei dem sich die Hoden überwiegend im Hodensack befinden und nur zeitweilig hoch rutschen. Ursache ist ein überaktiver Reflex des Hodenmuskels, der z. B. durch Kälte ausgelöst wird. Pendelhoden sind grundsätzlich harmlos, müssen jedoch kontrolliert werden, um den Übergang in einen Gleithoden auszuschließen.

Leitbeschwerden

Einseitig oder beidseitig leerer oder verkleinerter Hodensack ohne Falten.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn der Hoden auch in der warmen Badewanne nicht im Hodensack zu tasten ist.

Die Erkrankung

Die normale Hodenlage ist wichtig, weil es nur im Hodensack kühl genug ist, um im Erwachsenenalter befruchtungsfähige Spermien zu bilden. So droht 50 % der von Hodenfehllagen Betroffenen unbehandelt eine gestörte Spermienbildung bis hin zur Unfruchtbarkeit durch Schädigung dieser Stammzellen.

Ein weiteres Problem ist das Risiko für Leistenbrüche, Hodentorsionen und die Entwicklung eines Hodenkrebses, das um ein Vielfaches erhöht ist.

Durch die rechtzeitige Operation mit Verlagerung des Hodens in den Hodensack bis zum 2. Geburtstag werden Schäden in der Spermienreifung meistens vermieden. Dennoch bleibt das Tumorrisiko lebenslang erhöht.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Der Arzt versucht, den Hoden innerhalb des Hodensacks oder in der Leiste zu ertasten oder per Ultraschall zu finden. Ist auch dies nicht möglich, erfolgt ein Kernspin.

Wenn der Arzt nach diesen beiden Untersuchungen die Hoden nicht aufgefunden hat, hilft eine Bauchspiegelung, Laparoskopie, bei der Entscheidung, ob die Hoden entfernt oder operativ verlagert werden müssen.

Befinden sich beide Hoden im Bauchraum, stellt der Arzt noch vor einer Operation durch einen Bluttest fest, ob überhaupt Hodengewebe vorhanden ist, um das für die Entwicklung zum Mann wichtige Hormon Testosteron zu produzieren. Dazu spritzt er dem Kleinkind das Schwangerschaftshormon Beta-HCG ins Muskelgewebe, wodurch normalerweise die Hormonproduktion des Hodens angeregt wird. Nach 1–2 Tagen kommt es zu einem deutlichen Anstieg des Testosteronwerts im Blut – bleibt dieser aus, so geht der Arzt davon aus, dass die Hoden komplett fehlen (Anorchie).

Hormonbehandlung. Alle Formen des Hodenhochstands werden bei Kleinkindern ab dem 10. Lebensmonat meist versuchsweise mit Hormonen behandelt, um das Herabwandern der Hoden anzustoßen. Die Hormone gibt es als Nasenspray (LHRH = Luteinisierendes Hormon Releasing Hormon: 3 x täglich für ca. 4 Wochen) oder sie werden direkt ins Muskelgewebe gespritzt (Beta-HCG = Humanes Choriongonadotropin: 2 x wöchentlich für 5 Wochen). Sinnvoll ist die Kombination beider Verfahren: Auf die Therapie mit Nasenspray (2-4 Wochen) folgt die weitere Behandlung mit Spritzen (3 Wochen). Die Erfolgsrate beträgt immerhin ~ 50 %, bei Gleithoden sogar über 90 %. Zeigt die erste Behandlung eine deutliche, aber nicht vollständige Wirkung, führt manchmal ein zweiter Versuch zum Erfolg. Das gilt auch für den (nicht seltenen) Fall, dass sich ein bereits herabgestiegener Hoden einige Zeit nach der Hormongabe wieder zurückzieht.

Operation. Wandern die Hoden durch die Hormonbehandlung nicht oder nicht vollständig in den Hodensack, muss operiert werden. Eine Operation ohne vorherige Hormonbehandlung ist angezeigt, wenn zusätzlich ein Leistenbruch vorliegt, die Leiste nach einer Leistenbruchoperation vernarbt ist, bei älteren Kindern ab Beginn der Vorpubertät oder wenn sich beide Hoden im Bauchraum befinden. Bei Pendelhoden und Gleithoden ist eine Operation mit Fixation des Hodens im Hodensack notwendig, um das Risiko einer Hodendrehung (Torsion) zu vermeiden.

Bei der Operation legt der Arzt den Samenstrang frei, an dem Nebenhoden und Hoden hängen (Funikulyse). Anschließend zieht er den Hoden nach unten und näht ihn im Hodensack fest (Orchidopexie).

Der Eingriff wird unter Vollnarkose vorgenommen, denn der Patient muss unbedingt still liegen. Um eine Nachblutung in der operierten Körperregion zu vermeiden, sollte sich das Kind in den ersten Tagen körperlich schonen. Bei Infektionsanzeichen (Rötung, Schwellung des Hodens) oder starken Schmerzen ist unbedingt der Arzt aufzusuchen. Weitere Kontrollen werden ambulant durchgeführt, und auch nach erfolgreicher Operation sollten die Eltern bei Ihrem Kind regelmäßig die Lage der Hoden prüfen.

Sollten die Hoden nur sehr klein sein (häufig bei Bauchhoden), sind sowohl die Hormonbildung als auch die Spermienbildung stark gestört. Da „funktionsuntüchtig“, sollten sie wegen des Tumorrisikos entfernt werden.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Ärztliche Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH, Berlin): Die Stichwortsuche Hodenhochstand liefert eine gute Übersicht zu Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.
  • www.KinderaerzteimNetz.de – Internetseite des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Köln: Der Suchbegriff Hodenhochstand liefert eine gute und ausführliche Beschreibung der Erkrankung.
  • www.operieren.de – Internetseite des Berufsverbands für Ambulantes Operieren e. V. (BAO, Bonn): Zum Stichwort Hodenhochstand werden verständlich formulierte Informationen rund um die Operation bereitgestellt.

Hodenkrebs

Hodenkrebs (Hodenkarzinom): Krebs der Samenzellen des Hodens, seltener des Hodengewebes. Insgesamt für 1–2 % der bösartigen Tumoren beim Mann verantwortlich, jedoch häufigster Krebs zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Mediziner unterscheiden zwischen Seminomen (40 %) und weiteren unterschiedliche Tumortypen, die als Nicht-Seminome (60 %) zusammengefasst werden. Gutartige Hodentumoren sind sehr selten.

Leitbeschwerden

  • Meist schmerzlose Vergrößerung und Verhärtung des gesamten Hodens, alternativ kleiner lokalisierter Knoten
  • Manchmal Schweregefühl, Ziehen an Hoden und/oder Leiste
  • In fortgeschrittenen Stadien eventuell Rückenschmerzen, Bauch- und Flankenschmerzen, Gewichtsverlust, Müdigkeit.

Wann zum Arzt

In den nächsten beiden Tagen bei den genannten Beschwerden.

Die Erkrankung

Unter der Bezeichnung „Hodenkrebs“ fasst der Mediziner viele höchst verschiedene Tumoren zusammen, die von den Geweben des Hodens – den Keimzellen, dem Bindegewebe und dem hormonell aktiven Gewebe – ausgehen. Die bösartigen Hodentumoren unterscheiden sich stark hinsichtlich des Lebensabschnitts, in dem sie auftreten, der nötigen Therapie und ihrer Prognose.

  • Die größte Gruppe mit 40 % der Hodentumoren sind die Seminome. Sie haben die beste Prognose, ~ 85 % lassen sich allein durch die operative Hodenentfernung heilen.
  • Die Teratokarzinome (30 %) metastasieren rasch über die Lymphwege (lymphogen).
  • Das embryonale Karzinom (20 %) entsteht aus Keimzellen und metastasiert ebenfalls lymphogen.
  • Das Chorionkarzinom (5 %) wächst aggressiv und metastasiert frühzeitig lymphogen und über das Blut, lässt sich aber gut über einen Tumormarker wie das Schwangerschaftshormon Beta-HCG erkennen und effektiv therapieren. Tritt häufig kombiniert mit anderen Hodentumoren auf.
  • Das Teratom (5 %) enthält Muskel-, Knorpel- und Knochengewebszellen. Es zeigt nur bei Kindern einen gutartigen Verlauf, bei Erwachsenen ist es bösartig und metastasiert.

Bei jungen Männern besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Hodentumoren bei Hodenfehllagen wie Hodenhochstand oder Hodenektopie. Ein weiterer Risikofaktor ist möglicherweise der Kontakt mit Chemikalien wie Benzolen oder Lösungsmitteln.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Durch Abtasten und Ultraschall kann der Arzt einen Hodentumor mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen. Die Messung von Tumormarkern wie Beta-HCG (Humanes Choriongonadotropin) und AFP (Alpha-Fetoprotein) stützt die Diagnose. Sie ermöglicht dem Arzt aber vor allem, spätere Rückfälle und den Verlauf der Therapie zu beurteilen.

Prinzipien der Therapie und Verlaufskontrolle. Erster Behandlungsschritt ist immer und bei allen Tumortypen die komplette operative Entfernung des betroffenen Hodens, Nebenhodens und Samenstranganteils, wobei der Urologe von der Leiste aus operiert. So kann er den Samenstrang noch oberhalb der Tumorregion abklemmen.

Nach der Operation wird der entnommene Hoden feingeweblich untersucht (Biopsie) und der Tumortyp bestimmt. Anschließend erfolgt ein CT des Bauchraums und der Brustorgane, um eine eventuell bestehende Metastasierung zu erkennen.

Da sich die Spermienqualität beim Patienten durch die Tumortherapie stark verschlechtert, wird der Arzt auf die Möglichkeit einer Sperma-Kryokonservierung hinweisen, falls noch ein Kinderwunsch besteht.

Therapie von Seminomen. Wenn noch keine Metastasen vorliegen, werden nach der Hodenentfernung Bestrahlung und Chemotherapie mit Carboplatin nur eingesetzt, um dem Rückfällen entgegenzuwirken.

Sollten sich jedoch bereits Metastasen im Körper ausgebreitet haben, wird eine Chemotherapie mit mehreren Medikamenten Zytostatika und/oder eine Strahlentherapie mit höherer Dosis durchgeführt. Hier sind Nebenwirkungen wie Übelkeit und Langzeitschädigungen z. B. der Nieren stärker ausgeprägt als bei der Chemotherapie mit Carboplatin.

Therapie von Nicht-Seminomen. Auch wenn keine Metastasen vorliegen, werden nach der Hodenentfernung vorsorglich die Lymphknoten aus der Region hinter dem Bauchraum entlang der großen Bauchgefäße entfernt (Retroperitoneallymphknoten). Dies erfolgt möglichst gezielt zu Beginn der OP mit einer intraoperativen Schnellschnittuntersuchung einiger Lymphknotenstationen. So können die für die Ejakulation zuständigen Nervenbahnen oft geschont werden. Alternativ kann auch hier unter Kontrolle abgewartet werden, jedoch werden vergrößerte Lymphknoten unter Umständen erst spät entdeckt.

Finden sich bereits kleinere Metastasen (unter 5 cm) in den Lymphknoten, werden sämtliche Lymphknoten aus der Region hinter dem Bauchraum radikal entfernt (Radikale retroperitoneale Lymphknotenentfernung oder Lymphadenektomie); anschließend folgt eine verkürzte Chemotherapie.

Finden sich große Metastasen in den Lymphknoten oder Metastasen in anderen Organen, wird zuerst eine Chemotherapie durchgeführt, und anschließend werden eventuell noch verbliebene Tumoranteile operativ entfernt.

Komplikationen der Therapien. Da bei der radikalen retroperitonealen Lymphknotenentfernung Nervenfasern des vegetativen Nervensystems entfernt werden, tritt als Folge sehr oft eine rückläufige Ejakulation (retrograde Ejakulation) auf, d. h. der Samenerguss erfolgt zunächst in die Blase, da der innere Blasenschließmuskel durch die OP defekt ist, und erst beim Wasserlassen nach außen. Ein Antidepressivum mit Imipramin (z. B. Tofranil®) schafft hier Abhilfe, indem es den Verschluss der Blase verbessert.

Hormonersatz und Nachsorge. Ein gesunder Hoden reicht für die Produktion von Testosteron völlig aus. Muss auch der zweite Hoden wegen eines Tumors entfernt werden oder ist er nach einer Entzündung oder einem Unfall stark geschädigt, so wird Testosteron dauerhaft von außen zugeführt Testosteron-Ersatztherapie. Auch nach erfolgreicher Heilung folgen lebenslang regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen.

Prognose

Wenn noch keine Metastasen vorliegen, beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate für Patienten mit einem Seminom ~ 99 %, für alle Nicht-Seminome zusammengefasst 89 %. Wenn sich bereits Metastasen im Körper ausgebreitet haben, beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate für Seminome 68 % und für Nicht-Seminome ~ 60 %, wobei letztere sehr stark vom Ort der Metastasierung abhängt: 75 % bei Lungenmetastasen und ~ 40 % in anderen Organen.

Früherkennung

Männer zwischen 14 und 40 Jahren sollten monatlich ihre Hoden auf Verhärtungen abtasten, möglichst in entspannter Stellung unter der Dusche oder in der Badewanne. Besonders wichtig ist die Selbstuntersuchung, wenn in der Familie bereits Hodenkrebs aufgetreten ist und bei Männern, die als Kind an Hodenhochstand litten. Damit die Selbstuntersuchung nicht zum Tabuthema gerät, sollten Eltern ihre Söhne rechtzeitig darüber aufklären.

Wenn ein Hodentumor erfolgreich therapiert wurde, muss auch der verbliebene Hoden überwacht werden. Am besten durch regelmäßige Selbstuntersuchung und ärztliche Nachsorgeuntersuchungen, da in diesem Hoden im weiteren Leben in ~ 3 % der Fälle Hodenkrebs neu entsteht.

Komplementärmedizin

Komplementärmedizinische Krebstherapien sind ausführlich in einem eigenen Beitrag besprochen.

Weiterführende Informationen

  • www.hodenkrebs.tzb.de – Internetseite des Tumor Zentrums Berlin e. V.: Informativ und detailliert, gut verständlich sowie Leitlinien zum Herunterladen.
  • www.onkologie.de – Kommerzielle Internetseite der AMGEN GmbH, München: Bietet einen guten Überblick über die Therapiemöglichkeiten verschiedener Tumortypen. Bietet kostenlose Broschüren zum Online-Bestellen (Rubrik "Service").
  • L. Armstrong; S. Jenkins: Tour des Lebens. Lübbe, 2004. Wie ich den Krebs besiegte und die Tour de France gewann. Persönliche Erfahrungen des an einem Hodentumor erkrankten Weltklasseradlers, der die Krankheit überwand.

Hodentorsion

Hodentorsion (Hodenverdrehung): Plötzlich auftretende, schmerzhafte Drehung des Hodens um seine eigene Achse innerhalb des Hodensacks, so dass die Blutzirkulation unterbrochen ist. Ohne rasche Operation besteht die Gefahr, dass der Hoden abstirbt. Eine Hodentorsion tritt am häufigsten bei Säuglingen bis zum 2. Lebensjahr und bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren auf. Sie muss schnellstmöglich operiert werden.

Leitbeschwerden

  • Bei Säuglingen oft uncharakteristisch, Hodenschwellung, anhaltendes Schreien
  • Plötzlich auftretende Schmerzen in Hoden und Leiste; oft im Schlaf, aber auch nach sportlicher oder sexueller Aktivität
  • Zunehmender Schmerz bereits bei leichter Berührung des Hodens
  • Oft zusätzlich Bauchschmerzen und Übelkeit.

Wann zum Arzt

Sofort, da bereits nach wenigen Stunden der betroffene Hoden dauerhaft geschädigt ist. Am Wochenende in die Klinik fahren (lassen).

Die Erkrankung

Bei einer Hodentorsion dreht sich der Hoden um die eigene Achse, so dass zunächst der Blutrückfluss blockiert ist, später auch der Blutzufluss über den Samenstrang. Wird dieser Zustand nicht innerhalb von 4–6 Stunden behoben, so stirbt das Hodengewebe ab. Die Veranlagung für eine Hodentorsion ist meist angeboren, so z. B. durch relativ weite Hodenhüllen. Sie kommt nach der Pubertät nicht mehr vor. Außer dem Hoden selbst können sich auch verschiedene „Anhängsel“ des Hodens, die so genannten Hydatiden, verdrehen. Die Beschwerden sind ähnlich, wenn auch weniger ausgeprägt. In diesen Fällen ist keine Operation erforderlich. In Zweifelsfällen muss auch hier der Hoden operativ freigelegt werden, um eine echte Hodentorsion auszuschließen.

Wenn Kinder über Hodenschmerzen klagen, besteht immer der Verdacht auf eine Verdrehung der Hoden. Dann ist eine sofortige Vorstellung beim Kinderarzt oder Urologen notwendig.

Das macht der Arzt

Bei Verdacht auf Hodentorsion muss rasch operiert werden. Während die Operation des Hodens organisiert wird, macht der Arzt noch einen Ultraschall vom Hoden, um andere Hodenerkrankungen wie z. B. einen Tumor auszuschließen. Eventuell kombiniert er den Ultraschall mit einer Messung der Hodendurchblutung ( Dopplersonografie). Aber die Ergebnisse beider Untersuchungen sind oft nicht eindeutig und ausreichend verlässlich, so dass im Zweifelsfall immer der Hoden operativ freigelegt wird. Dann wird der Samenstrang „ausgedreht“, und der operierende Arzt wartet ab, ob sich die Hodendurchblutung wieder erholt (erkennbar an der Färbung). Ist dies der Fall, wird der Hoden mit wenigen Nähten an den Hodenhüllen fixiert, damit er sich nicht nochmals drehen kann (Orchidopexie). Bleibt der Hoden blauschwarz verfärbt, muss er wegen des sicheren Funktionsverlusts entfernt werden. Es besteht die Möglichkeit, später aus kosmetischen Gründen ein Silikonimplantat (Hodenprothese) in entsprechender Größe in den Hodensack einzubringen. Da die Veranlagung für eine Verdrehung der Hoden meist auf beiden Seiten besteht, wird auch der zweite Hoden als Vorsichtsmaßnahme operativ „befestigt“.

Hydrozele und Spermatozele

Hydrozele (Wasserbruch): Wässrige Flüssigkeitsansammlung im Hodensack, genauer gesagt innerhalb der inneren Hodenhüllen. Eine Hydrozele kann angeboren oder später im Leben erworben sein. Tritt häufig bei Säuglingen auf – oft zusammen mit einem Leistenbruch – und bildet sich meistens während des 1. Lebensjahres zurück. Bei Erwachsenen entstehen Hydrozelen spontan, infolge von Entzündungen und selten auch begleitend zu einem Tumor.

Spermatozele (Samenbruch): Mit eiweißreicher und spermienhaltiger Flüssigkeit gefüllte Zyste (Hohlraum) im Bereich des Nebenhodens, befindet sich in der Regel am oberen Hodenende und ist von außen als kleines Knötchen oder größere weiche Schwellung tastbar. Meistens Folge eines Traumas oder einer Nebenhodenentzündung, kann jedoch auch angeboren sein.

Leitbeschwerden

  • Weiche, meist schmerzlose Vergrößerung des Hodensacks
  • Selten Beschwerden nach langem Stehen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, um andere Ursachen für die Hodenvergrößerung wie z. B. einen Hodentumor auszuschließen.

Das macht der Arzt

Der Arzt erkennt im Ultraschall eine Hydrozele und kann somit andere Ursachen für die Vergrößerung des Hodensacks wie Tumoren ausschließen.

Bei der Operation werden die Hodenhüllen von Flüssigkeit entleert und anschließend vernäht, damit sich keine Flüssigkeit mehr darin ansammeln kann. Die früher übliche Punktion (Absaugen der Flüssigkeit mit einer Kanüle) wird wegen der Infektionsgefahr und der meist nur vorübergehenden Besserung nur noch in Ausnahmefällen (z. B. bei sehr alten Patienten) durchgeführt. Spermatozelen sind sehr klein und werden vom Arzt im Ultraschall nur schwer entdeckt. Sie können auch größere Ausmaße annehmen und sind manchmal nicht von Hydrozelen zu unterscheiden. Bei einer Operation werden sie erst unterbunden und danach sorgfältig vom Nebenhoden abgelöst.

Eine Operation ist für beide Erkrankungen nur dann notwendig, wenn ausgeprägte Beschwerden bestehen.

Varikozele

Varikozele (Krampfaderbruch): Krampfaderbildung im Bereich des Venengeflechts des Hodens. Meistens tritt die Varikozele bei jungen Männern zwischen 15–25 Jahren und überwiegend nur linksseitig auf. Die Ursache dafür ist die ungünstige Einstrombahn der linken Hodenvene in die linke Nierenvene. Diese Art von Varikozelen ist nicht therapiebedürftig, außer wenn die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt ist oder dauerhafte Beschwerden bestehen. Selten ist eine Varikozele Folge einer Einklemmung der Abstrombahn der Hodenvene durch einen Nierentumor.

Leitbeschwerden

  • Meistens keine, zufällige Entdeckung etwa im Rahmen der Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch, Sterilitätsdiagnostik oder bei der Musterung
  • Eventuell Beschwerden nach längerem Stehen (ziehende Schmerzen oder Schweregefühl im Hodensack).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, um andere Hodenerkrankungen auszuschließen.

Die Erkrankung

Ursache für die Varikozele sind meist fehlende oder defekte Venenklappen, die normalerweise ein „Versacken“ des Bluts verhindern. Seltener sind die sogenannten symptomatischen Varikozelen: Sie entstehen dadurch, dass ein Tumor (meist Nierentumor) auf die Nierenvene oder die Hohlvene der betroffenen Seite drückt und so einen „Blutrückstau“ bis in den Hoden verursacht. Verdächtig hierfür ist das Auftreten der Varikozele erst im späteren Lebensalter oder wenn der rechte Hoden betroffen ist.

Bei etwa 50 % der Männer mit Varikozele ist die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt, vermutlich durch die zu hohe Hodentemperatur in Folge der Blutstauung. In diesem Fall stehen verschiedene Verödungs- und Operationsverfahren zur Beseitigung der Varikozele zur Verfügung.

Das macht der Arzt

Zunächst untersucht der Arzt den Hoden im Liegen und Stehen. Per Ultraschall und durch eine Darstellung der Hodendurchblutung (Dopplersonografie) stuft er die Ausprägung der Varikozele noch genauer ein und prüft den Hoden auf sonstige Veränderungen. Außerdem beurteilt er die Nieren auch im Ultraschall, um einen Tumor auszuschließen.

Üblicherweise werden mindestens zwei Spermiogramme (Untersuchung der Spermien auf Anzahl und Qualität) durchgeführt, um festzustellen, ob durch die Varikozele die Fruchtbarkeit bereits eingeschränkt ist. Ist dies der Fall oder bestehen dauerhafte Beschwerden, so wird der Arzt – abhängig von den Gegebenheiten der jeweiligen Klinik – entweder eine Verödung vom Hodensack aus oder eine laparoskopische Operation, also über eine Bauchspiegelung empfehlen. Dazu gehört eine ausführliche Beratung über die möglichen Komplikationen der verschiedenen Verfahren sowie darüber, wie häufig eine Varikozele wieder auftritt. Die Studienergebnisse bezüglich einer verbesserten Zeugungsfähigkeit nach der Operation einer Varikozele sind weiterhin widersprüchlich.

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