Neurologie


Weitere neurologische Beschwerden und Erkrankungen

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK): Sehr seltene, aber immer tödlich verlaufende Gehirnerkrankung, die durch einen raschen Verfall der geistigen und körperlichen Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Die Erkrankung gehört zu den spongiformen Enzephalopathien, bei denen das Gehirngewebe unter dem Mikroskop typische „Löcher“ zeigt (spongiform = schwammartig).

Leitbeschwerden

  • Persönlichkeitsveränderungen, z. B. Reizbarkeit, Verstimmung, Ängstlichkeit, Wahnvorstellungen
  • Schlaflosigkeit
  • Verlust von geistigen Fähigkeiten, beginnend mit Gedächtnisstörungen und fortschreitend bis zur Demenz
  • Bewegungsstörungen, z. B. Koordinationsstörungen (Bewegungen gehen am Ziel vorbei), Muskelzuckungen.

Die Erkrankung

Die lange bekannte, sehr seltene klassische Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Meist handelt es sich um Einzelfälle, selten wird die Erkrankung vererbt, extrem selten z. B. durch Hornhauttransplantate übertragen.

Verursacht wird die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit durch Prionen, krankmachende Eiweiße, welche sich von gesunden Eiweißen im Gehirn nur durch ihre räumliche Anordnung unterscheiden und die gesunden Eiweiße auf noch nicht geklärte Weise in die krankhafte Form umwandeln. Die Anreicherung der abnormen Eiweiße führt letztlich zum Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Die Beschwerden schreiten unaufhaltsam fort und führen nach wenigen Wochen bis Jahren zum Tod des Patienten. Eine sichere Diagnose ist zu Lebzeiten nicht möglich, eine Behandlung gibt es nicht.

Neue Variante der CJK und BSE

Seit 1995 wurden in England, Frankreich und anderen Ländern fast 200 Fälle einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJK) beobachtet. Die Erkrankten sind deutlich jünger, die Beschwerden etwas anders gewichtet und die Erkrankung dauert länger. Grundsätzlich ist der Verlauf aber der gleiche.

Nach heutigem Kenntnisstand ist diese neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit die menschliche Form von BSE, der bovinen spongiformen Enzephalopathie, besser bekannt als Rinderwahnsinn. Übertragen wird die Erkrankung höchstwahrscheinlich vor allem durch den Verzehr des Fleischs erkrankter Rinder, denn durch Kochen werden die Prionen nicht abgetötet. Auch Infektionen durch Blutübertragung sind bekannt geworden.

Liquoruntersuchung und Kernspin können die Diagnose wahrscheinlich machen, aber nicht sichern. Ein Bluttest befindet sich in der Entwicklung. Manchmal kann das abnorme Prion in Abwehrgewebe, z. B. den Mandeln, nachgewiesen werden, eine sichere Diagnose ist jedoch nur durch Untersuchung des Gehirngewebes möglich. Eine Behandlung steht auch bei dieser Form der Erkrankung bislang nicht zur Verfügung, es können nur die Beschwerden gelindert werden.

Hirndrucksteigerung

Hirndrucksteigerung: Krankhafter Anstieg des Drucks im Schädelinneren mit nachfolgender Schädigung des Gehirns. Die Hirndrucksteigerung kann plötzlich auftreten (z. B. nach schwerer Kopfverletzung) oder sich allmählich entwickeln (etwa infolge eines Gehirntumors).

Leitbeschwerden

  • Bei Entstehung innerhalb von Stunden: Unruhe, rasch zunehmende Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit
  • Bei Entstehung innerhalb von Tagen: Kopfschmerzen, Übelkeit, morgendliches Erbrechen (mit nachfolgender kurzzeitiger Besserung der Beschwerden), Verwirrtheit, zunehmende Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
  • Bei Entstehung innerhalb von Wochen und Monaten: Zunächst Verlangsamung, Antriebsstörungen, Verhaltensänderungen, dann Kopfschmerzen, Übelkeit und die oben aufgeführten Beschwerden.

Die Erkrankung

Der Schutz des Gehirns durch die Schädelknochen hat seinen Preis: Jede nennenswerte Volumenzunahme, sei es durch eine Blutung, eine entzündungsbedingte Schwellung oder einen Tumor, führt zu einer Drucksteigerung, da eine Volumenausdehnung (wie z. B. bei einer Beule) nicht möglich ist.

Bei ansteigendem Hirndruck wird zunächst das geringe Reservevolumen ausgeschöpft, indem die liquorgefüllten Hohlräume zusammengepresst werden. Dann wird das Gehirn zunehmend komprimiert. Dadurch sinkt die Durchblutung, was die Nervenzellen schädigt. Steigt der Druck weiter an, werden schließlich Gehirnanteile eingedrückt und so lebenswichtige Zentren beeinträchtigt. Diese Einklemmung zeigt sich durch krankhafte Bewegungsmuster, vor allem Streckbewegungen der Arme und Beine, Reflexstörungen und schließlich Beeinträchtigung von Temperaturregulation, Herz-Kreislauf- und Atemfunktion.

Das macht der Arzt

Der Kranke wird sofort auf die Intensivstation eingeliefert. Zunächst wird mittels CT und Kernspin die Ursache der Drucksteigerung ermittelt. Oft wird zudem eine kleine Sonde ins Gehirn eingeführt, um den Hirndruck direkt messen zu können. Parallel zur Diagnostik wird versucht, den Hirndruck mit Medikamenten zu senken und durch Unterstützung von Herz und Kreislauf sowie gegebenenfalls durch künstliche Beatmung das Gehirn mit möglichst viel Sauerstoff zu versorgen.

Prognose

Der weitere Krankheitsverlauf hängt einerseits von der Ursache der Drucksteigerung ab. Andererseits sind die Aussichten des Patienten umso schlechter, je länger der Hirndruck bestand und je höher er war. Überlebt der Patient eine Einklemmung, sind schwerste Dauerfolgen bis hin zum Wachkoma die Regel.

Hydrozephalus

Hydrozephalus: Erweiterung der liquorgefüllten Hohlräume des Gehirns infolge eines Ungleichgewichts zwischen Liquorproduktion und Liquorabfluss. Dies hat eine Hirndrucksteigerung und bei kleinen Kindern auch eine Vergrößerung des Kopfs (umgangssprachlich Wasserkopf) zur Folge. Eine Sonderform ist der Normaldruckhydrozephalus, von dem vorwiegend ältere Menschen betroffen sind.

Leitbeschwerden

  • Bei kleinen Kindern Vergrößerung des Kopfs mit vorgewölbter Stirn, deutlich sichtbaren Hautvenen am Schädel, später Teilnahmslosigkeit, Bewegungsstörungen, verzögerte Entwicklung
  • Bei älteren Kindern und Erwachsenen Schläfrigkeit, Verlangsamung, Antriebsstörung, Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Normaldruckhydrozephalus: Gangstörung, geistiger Abbau, Harninkontinenz.

Die Erkrankung

Normalerweise wird pro Tag genauso viel Liquor produziert wie abfließt, die Liquormenge ist also immer gleich. Dieses Gleichgewicht kann in jedem Alter gestört sein, etwa wenn ein Tumor die Liquorabflusswege verengt oder die Hirnhäute nach einer Hirnhautentzündung oder Hirnblutung verklebt sind, sodass der Liquor nicht mehr ins Blut gelangen kann. Folge ist ein Liquorstau, der die Gehirnkammern erweitert, den Hirndruck ansteigen lässt und das Gehirn schädigt. Bei kleinen Kindern, bei denen die einzelnen Schädelknochen noch nicht fest miteinander verbunden sind, vergrößert sich außerdem der Kopf.

Eine Sonderform ist der Normaldruckhydrozephalus, der vor allem bei älteren Menschen auftritt und wegen der bei beiden Erkrankungen ähnlichen Gangstörungen gelegentlich als Parkinson-Krankheit fehlgedeutet wird. Eine einmalige Druckmessung ergibt meist einen normalen Druck (daher der Name), mit kontinuierlichen Messungen lassen sich aber wiederkehrende, kurzzeitige Anstiege des Hirndrucks nachweisen. Die Ursache des Normaldruckhydrozephalus ist oft unklar.

Das macht der Arzt

Die Diagnose erfolgt durch CT, Kernspin und in unklaren Fällen durch eine Liquordruckmessung mit einer Drucksonde. Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Ist eine solche feststellbar, wird diese möglichst beseitigt, z. B. durch die Operation einer Fehlbildung oder eines Tumors. Bei einem Verschluss der Liquorwege im Gehirn kann heute oft mikrochirurgisch eine Umgehung angelegt werden. Ansonsten wird ein Liquorshunt eingepflanzt, ein kleiner Katheter, der von einer Hirnkammer durch den Schädelknochen unter die Haut und von dort in den rechten Herzvorhof oder die Bauchhöhle geleitet wird und über den der Liquor abfließen kann.

Ist es noch nicht zu unwiderruflichen Gehirnschäden durch den hohen Hirndruck gekommen und gelingt es, die Ursache zu beheben, sind die Aussichten für eine Besserung der Beschwerden gut.

Lähmungen

Lähmung: Unfähigkeit, einzelne Körperteile oder ganze Bereiche des Körpers zu bewegen. Typischerweise ist sie Folge einer Schädigung der Muskeln des Körperteils oder der sie versorgenden Nervenzellen oder Nerven. Eine vollständige Lähmung bezeichnet man als Plegie, leichtere (unvollständige) Lähmungen als Parese. Unvollständige Lähmungen werden vom Betroffenen oft als (Muskel-)Schwäche bezeichnet. Lähmungen können nicht nur die willkürlich kontrollierbare Muskulatur, sondern auch unwillkürlich arbeitende Muskeln wie z. B. die Harnblase betreffen.

Abzugrenzen ist die Bewegungsunfähigkeit aus psychischen Gründen trotz intakter Muskeln und Nervenbahnen (psychisch bedingte Lähmung), die Teil eines psychiatrischen Krankheitsbilds ist. Auch Muskelverkrampfungen, schmerzbedingtes Schonen oder Bewegungsblockaden sind keine Lähmungen, auch wenn sie möglicherweise so empfunden werden.

Wann zum Arzt

Noch am gleichen Tag, wenn Lähmungserscheinungen von selbst wieder weggehen – sie können Warnzeichen z. B. eines drohenden Schlaganfalls oder einer Hirnaneurysmablutung sein.

Sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wenn die Lähmung schnell innerhalb von Minuten bis Stunden entstanden ist oder die Lähmung die Harnblase, den Afterschließmuskel oder die Atemmuskulatur mit einem Gefühl der Atemnot oder des Luftmangels betrifft.

Die Erkrankung

Alle Impulse für Willkürbewegungen gehen von den ersten motorischen Nervenzellen der motorischen Großhirnrinde aus, die an der Gehirnoberfläche rechts und links des Scheitels nach unten zieht. Ihre Fortsätze leiten die Signale mitten durch das Zwischenhirn nach unten. Die Impulse für die Gesichtsmuskulatur werden im Hirnstamm, diejenigen für die übrige Skelettmuskulatur im Rückenmark auf die zweite motorische Nervenzelle umgeschaltet. Deren Fortsätze verlassen das zentrale Nervensystem und ziehen mit den Nerven zu den Muskeln, wo sie an speziellen Überträgereinheiten, den motorischen Endplatten, ihre Befehle auf den Muskel übertragen, der sich dann zusammenzieht. Ist diese Kette auch nur an einer Stelle unterbrochen, sind Lähmungen die Folge.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Erster Schritt ist immer die genaue Darstellung der Beschwerden. Dazu befragt der Arzt den Patienten und zieht eventuelle Begleitsymptome mit in Betracht. Durch die sich anschließende gründliche Untersuchung kann der Arzt die Ursache oft eingrenzen. Weitere diagnostische Schritte wie Kernspin und CT sowie elektrische Muskelfunktionstests helfen, die Diagnose zu sichern.

Therapie. Wie eine Lähmung behandelt wird und wie die Chancen auf Wiederherstellung sind, ist von der Ursache abhängig und wird daher bei den jeweiligen Erkrankungen dargestellt. Für die Aussichten ist darüber hinaus entscheidend, ob durch entsprechende Vorbeugemaßnahmen Folgeschäden verhindert werden können, denn insbesondere bei ausgedehnten Lähmungen drohen Versteifung von Gelenken (Kontraktur), Wundliegen v. a. der gelähmten Körperteile (Dekubitus) sowie bei Beteiligung der Rumpf- und Atemmuskulatur eine Lungenentzündung oder eine unzureichende Atemfunktion.

Muskeldystrophien

[Progressive] Muskeldystrophien: Oberbegriff für verschiedene erbliche Muskelkrankheiten, die durch einen fortschreitenden Muskelschwund gekennzeichnet sind. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Leitbeschwerden

Zunehmende Muskelschwäche ohne Schmerzen

Die Erkrankung

Muskeldystrophien sind erbliche Erkrankungen, die durch eine Störung des Muskelstoffwechsels zu einem fortschreitenden Muskelschwund führen. Die verschiedenen Erkrankungen unterscheiden sich in ihrem Erbgang, Zeitpunkt und Ort des Beschwerdebeginns sowie in der Geschwindigkeit des Fortschreitens.

Am häufigsten ist die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne, auch als aufsteigende bösartige Beckengürtelform der Muskeldystrophie bezeichnet, von der etwa vier von 100 000 Kinder betroffen sind. Die Betroffenen lernen spät laufen, scheinen ungeschickt, bekommen einen „watschelnden“ Gang, können bald z. B. Treppen nicht mehr steigen und sind schon mit etwa 13 Jahren an den Rollstuhl gefesselt. Die Lähmungen breiten sich immer mehr aus und führen dadurch zu Atemstörungen mit der Gefahr einer Lungenentzündung. Durch Herzbeteiligung bildet sich eine Herzschwäche aus. Ein Teil der Betroffenen hat zusätzlich eine Intelligenzminderung. Die Erkrankten werden nur selten älter als 20–25 Jahre.

Langsamer, aber prinzipiell gleich verläuft die Muskeldystrophie vom Typ Becker-Kiener oder aufsteigende gutartige Beckengürtelform der Muskeldystrophie. Hier beginnen die Beschwerden etwa mit 10 Jahren und schreiten nur ganz langsam fort, sodass viele Erkrankte 60 Jahre und älter werden. Außerdem gibt es Formen mit bevorzugtem Befall der Extremitäten oder des Gesichts, des Schultergürtels und der Arme.

Das macht der Arzt

Bei Verdacht erfolgt zuerst eine Blutuntersuchung. Erhärtet sich der Verdacht, ist eine Elektromyografie nötig. Dabei werden feine Nadeln in einen Muskel eingestochen und darüber die elektrische Aktivität des Muskels in Ruhe und bei willkürlicher Bewegung gemessen. Manchmal muss auch ein kleines Stückchen Muskelgewebe (Biopsie) entnommen werden, um die Erkrankung von den spinalen Muskelatrophien abzugrenzen, bei denen ein Untergang der für die Muskelbewegungen zuständigen Rückenmarknervenzellen zum Muskelschwund führt.

Das Fortschreiten beider Erkrankungsformen kann bis heute nicht aufgehalten werden. Möglicherweise verzögert bei der Muskeldystrophie Typ Duchenne die Gabe von Kortison den Krankheitsverlauf etwas, dies muss aber gegen die Nachteile einer Langzeitbehandlung abgewogen werden. Wohl aber können durch Krankengymnastik und geeignete Hilfsmittel die Selbstständigkeit möglichst lange erhalten und Versteifungen vermieden werden. Eine umfassende psychosoziale Betreuung hilft den Erkrankten und ihren Familien, die zunehmende Belastung auszuhalten und Entscheidungen zu treffen, z. B. bezüglich einer Heimbeatmung. Allen Betroffenen (bzw. bei Kindern ihren Eltern) wird eine genetische Beratung angeboten, um das Wiederholungsrisiko für weitere Kinder abzuschätzen. Ein Teil der Muskeldystrophien kann bereits vor der Geburt festgestellt werden.

Myasthenia gravis

Myasthenia gravis: Autoimmunerkrankung, die durch eine gestörte Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel mit der Folge einer Muskelschwäche gekennzeichnet ist. Zu Beginn kommt es oft zu Doppelbildern, Herabhängen des Oberlids, Kau- oder Schluckbeschwerden oder näselnder Sprache. Frauen erkranken häufiger als Männer. Die Prognose ist heute überwiegend gut.

Um Signale von Nerven empfangen zu können, hat der Muskel spezielle Kontaktstellen, die Acetylcholinrezeptoren, an denen der aus dem Nervenende ausgeschüttete Überträgerstoff „andockt“, Bei der Myasthenia gravis bildet der Körper aus noch ungeklärter Ursache Abwehrstoffe (Autoantikörper) gegen diese Rezeptoren. Dadurch erreichen die Befehle zur Kontraktion den Muskel nicht mehr, was zu einer schnellen Muskelermüdung bis hin zur Muskellähmung führt.

Die Erkrankung beginnt bei zwei Dritteln der Patienten mit Doppelbildern (durch Augenmuskelschwäche) und Herabhängen des Augenlids und breitet sich dann meist innerhalb von Monaten weiter aus.

Das macht der Arzt

Die Diagnose wird gesichert durch Blutuntersuchungen, Elektromyografie und probeweise Gabe des Medikaments Tensilon, das die Beschwerden deutlich bessert. Außerdem wird ein CT des Brustkorbs durchgeführt, um nach einer Geschwulst des Thymus zu suchen, die bei Myastheniepatienten sehr häufig und wahrscheinlich an der Krankheitsentstehung beteiligt ist.

Die Beschwerden werden bei der Mehrzahl der Patienten gut durch Medikamente gelindert, welche die Konzentration des Überträgerstoffs Acetylcholin an den Kontaktstellen erhöhen, etwa Mestinon®. Um die fehlgeleiteten Abwehrvorgänge im Körper zu dämpfen, wird Kortison, Azathioprin (z. B. Imurek®) oder ein anderes Immunsuppressivum eingesetzt. Besteht eine Geschwulst des Thymus, wird der Thymus operativ entfernt.

Über 90 % der Betroffenen können mit den Medikamenten weitgehend normal leben, berufstätig sein und sogar Sport treiben. Berufe mit körperlicher Dauerbelastung sind allerdings nicht möglich.

Vor einer Schwangerschaft sollten Frauen mit ihrem Arzt sprechen, da eine Medikamentenumstellung erforderlich sein kann. Außerdem können Infekte, Unter- oder Überdosierung der Myasthenie-Medikamente, aber auch Antibiotika oder Herz-Kreislauf-Medikamente eine krisenhafte Verschlechterung der Muskelschwäche auslösen, die auf der Intensivstation behandelt werden muss. Damit z. B. bei einem Unfall keine falschen Medikamente gegeben werden, erhalten alle Betroffenen einen Myastheniepass.

Polyneuropathie

Polyneuropathie (PNP, Polyneuritis): Nicht verletzungsbedingte Funktionsstörungen mehrerer peripherer Nerven, die sich oft durch Empfindungsstörungen äußern. Zu den häufigsten Ursachen gehören zu je einem Drittel der Fälle Diabetes und Alkoholabhängigkeit.

Leitbeschwerden

  • Empfindungsstörungen, z. B. vermindertes Berührungs- oder Vibrationsempfinden, „Ameisenlaufen“ auf der Haut, brennende Missempfindungen oder Schmerzen, aber auch Taubheitsgefühle und eingeschränktes Schmerzempfinden
  • Lähmungen.

Die Erkrankung

Unzählige Erkrankungen und Substanzen können die Nerven schädigen – von Alkoholmissbrauch über bösartige Erkrankungen, Drogen, Gifte (z. B. Arsen, Blei), Infektionen (z. B. Borrelien), Medikamente, rheumatische Erkrankungen und Vitaminmangel (vor allem der B-Vitamine) bis hin zur Zuckerkrankheit (Diabetes).

Polyneuropathien beginnen in der Regel schleichend, häufig mit strumpf- oder handschuhförmigen Empfindungsstörungen an Beinen bzw. Armen. Während in erster Linie Missempfindungen und Schmerzen den Betroffenen belasten und daher zum Arzt führen, werden Ausfälle wie etwa ein vermindertes Vibrationsempfinden erst spät bemerkt, etwa wenn es durch fehlende Rückmeldung über die Bodenbeschaffenheit zu Gehstörungen gekommen ist.

Sind Nerven beeinträchtigt, die für Muskelbewegungen zuständig sind, kommt es zu Muskelschwäche oder Lähmungen. Sind Nerven betroffen, die die inneren Organe versorgen, können Magen-Darm-Beschwerden, sexuelle Störungen und Blasen- oder Darmentleerungsstörungen folgen. Auch die Hauternährung leidet, was sich z. B. durch hartnäckigen Hautpilz der Zehen zeigen kann, nicht selten aber erst bei Vorliegen von Hautgeschwüren bemerkt wird.

Das macht der Arzt

Familie Dres. med. Claudia und Arne Schäffler, Augsburg
Der Arzt prüft das Vibrationsempfinden mit einer Stimmgabel. Er schlägt sie an und setzt sie z. B. auf den Innenknöchel. Der Patient gibt an, wenn er die Vibration nicht mehr spürt. Ist das Vibrationsempfinden gestört, liegt häufig eine Polyneuropathie vor.

Erhärtet wird der Verdacht auf eine Polyneuropathie durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und eine Elektromyografie. Beide Untersuchungen sind unangenehm, da feine Nadeln unter die Haut eingestochen werden, aber gut erträglich. Die Ursacheneingrenzung, beginnend mit Blutuntersuchungen, die dann je nach Verdacht weitere Untersuchungen nach sich ziehen, gleicht manchmal der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen (und bleibt in etwa 20 % erfolglos). Sie ist aber notwendig, weil die Polyneuropathie bei weiter bestehender Schädigungsursache fortschreitet, wohingegen die Chancen auf (langsame) Besserung der Beschwerden nach Beseitigung der Ursache gut sind. Zusätzlich werden Medikamente gegeben, vor allem Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie sowie Antidepressiva und Antiepiletika gegen Missempfindungen und Schmerzen.

Physio- und Ergotherapie helfen, Gelenkversteifungen zu vermeiden und Muskeln wiederaufzubauen. Individuell angepasste Hilfsmittel können die Gangsicherheit erhöhen und Immobilität vorbeugen.

Komplementärmedizin

Magnettherapie. Neuere Studien zeigen positive Effekte bei diabetischer Neuropathie. Auf welchem Mechanismus die Wirkung der Magnettherapie beruht, ist aber derzeit noch unklar.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt u. a. Aconitum C3, D4 bei neuralgischen, stechenden, brennenden Schmerzen, Agaricus muscarius D6 und D12 bei Missempfindungen (z. B. Taubheitsgefühl und „Ameisenlaufen“), Spigelia D6 und D12 bei periodisch auftretenden neuralgischen Schmerzen und Verbascum D1, D2 und D3 bei neuralgischen Gliederschmerzen mit Lähmungsgefühl für den Akutfall, sowie individuell abgestimmte Mittel zur Konstitutionstherapie.

Restless-legs-Syndrom

Restless-legs-Syndrom (RLS, Syndrom der unruhigen Beine): Vor allem in Ruhephasen (z. B. nachts) auftretende Missempfindungen und Unruhegefühl in den Beinen mit heftigem Bewegungsdrang oft unklarer Ursache. Betroffen sind 5–10 % der Bevölkerung, Frauen häufiger als Männer. Meist beginnt die chronische Erkrankung nach dem 30. Lebensjahr.

Das Restless-legs-Syndrom ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die allerdings bis vor ungefähr zehn Jahren kaum jemals diagnostiziert und noch seltener richtig behandelt wurde. Immerhin: Auch wenn die Krankheitsentstehung weiterhin unklar ist, gibt es doch inzwischen wissenschaftlich belegte Therapiemöglichkeiten.

Leitbeschwerden

  • Schwer zu unterdrückender, tiefsitzender Bewegungsdrang der Beine, in der Regel gekoppelt an unangenehme Empfindungsstörungen (z. B. Kribbeln) tief in den Beinen, meist von den Unter- zu den Oberschenkeln aufsteigend
  • Möglicherweise zusätzlich gleichartige Beschwerden der Arme
  • Zunahme der Beschwerden bei Ruhe und Entspannung
  • Besserung der Beschwerden durch Bewegung
  • Tagesrhythmik der Beschwerden mit Verstärkung am Abend und in der Nacht (vor allem beim Zubettgehen), dadurch Einschlafprobleme.

Die Erkrankung

In der Hälfte der Fälle lässt sich keine Ursache für die Erkrankung finden. Ein solches idiopathisches Restless-legs-Syndrom ist vermutlich erblich bedingt (mit mehreren betroffenen Familienmitgliedern), wobei eine Störung im Botenstoffwechsel des Gehirns (genauer im Dopaminstoffwechsel) vermutet wird. Beim symptomatischen (sekundären) Restless-legs-Syndrom dagegen lässt sich eine Ursache feststellen, am häufigsten ein Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, eine Nierenfunktionsstörung oder eine rheumatische Gelenkerkrankung.

Das macht der Arzt

Die Diagnose des Restless-legs-Syndroms wird anhand des Beschwerdebildes gestellt. Blutuntersuchungen sollen behandelbare Ursachen aufdecken und die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit eine Polyneuropathie ausschließen, die ähnliche Beschwerden bereiten kann, aber anders behandelt wird. Der Aktigraf dient der objektivierbaren Aufzeichnung der Beinbewegungen.

Besteht ein Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, lassen sich die Beschwerden häufig durch eine Substitution der Nährstoffe lindern. Schwieriger ist die Behandlung beim idiopathischen Restless-legs-Syndrom. Sind die Schlafstörungen so stark, dass der Betroffene tagsüber durch Müdigkeit sehr eingeschränkt ist, helfen Medikamente. Mittel der Wahl sind das auch bei der Parkinson-Behandlung eingesetzte L-Dopa und die Dopaminagonisten, was die Hypothese von der Botenstoffwechselstörung als Ursache stützt. Bei unzureichendem Erfolg können Opiate oder bestimmte Antiepileptika versucht werden. Derzeit gibt es in Deutschland ein Opiat mit Zulassung zur Behandlung schwerer bis sehr schwerer Formen des Restless-legs-Syndroms: Targin®. Es enthält eine Kombination aus den Wirkstoffen Oxycodon und Naloxon und wird in einer Dosierung eingesetzt, die unterhalb der in der Schmerztherapie üblichen Opiatdosis liegt. Erste Studien legen eine gute Wirksamkeit nahe. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Verstopfung.

Selbsthilfe

Nicht wenige Betroffene haben ihre eigenen „Rezepte“ entwickelt, um die Beschwerden in Grenzen zu halten, etwa abendliches Fahrradfahren, Schwimmen, Bürsten- oder andere Massagen der Beine. Solange der Patient mit seinen Beschwerden leben kann, ist keine Behandlung erforderlich.

Diskutiert wird ein Zusammenhang zwischen Restless-legs-Syndrom und Übergewicht, da übergewichtige Menschen signifikant häufiger ein Restless-legs-Syndrom entwickeln als schlanke. Ob eine Gewichtsabnahme die Beschwerden lindert, ist allerdings unklar.

Komplementärmedizin

  • Es liegen positive Berichte der Homöopathie über eine individuelle Konstitutionsbehandlung mit Hochpotenzen vor, zur Selbstbehandlung wird Zincum valerianicum D4 empfohlen.
  • Orthomolekularmedizin. Für die zusätzliche Einnahme von Vitamin- (z. B. Vitamin E oder Vitamine aus der B-Familie) oder Magnesiumpräparaten, wie mitunter empfohlen wird, sollten Sie sich nur dann entscheiden, wenn es Ihnen nicht möglich ist, den täglichen Körperbedarf dieser Nährstoffe durch die Nahrung zu decken.

Zur Linderung von Einschlafstörungen.

Weiterführende Informationen

  • www.restless-legs.org – Website der Deutschen Restless-Legs-Vereinigung e. V. (RLS, München): Bietet Hintergrundinformationen, Diskussionsforen sowie eine hilfreiche Literatur- und Linksammlung.

Schwindel

Schwindel (Vertigo): Gleichgewichtsstörung, bei der der Betroffene fälschlicherweise meint, die Umgebung bewege sich, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Schwindel kann zahlreiche Ursachen haben, v. a. Erkrankungen des Innenohrs, neurologische oder Gefäßerkrankungen oder psychische Störungen.

Schwindel gehört zu den Gesundheitsproblemen, die zwar nicht altersbedingt sind, aber mit zunehmendem Alter häufiger werden: Klagen schätzungsweise 10 % aller Patienten einer Hausarztpraxis über Schwindel, so sind es bei den über 65-Jährigen bis zu 30 % und bei hochbetagten Pflegeheimbewohnern sogar bis zu 70 %. Typischerweise kann der Schwindel bei ihnen nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden, sondern ist durch ein Zusammenspiel verschiedener ungünstiger Einflüsse bedingt, z. B. schwankender Blutdruck plus schlechtes Sehen plus Nervenschäden (z. B. bei Zuckerkrankheit) plus depressive Verstimmung plus eine Vielzahl eingenommener Medikamente.

Ältere Menschen mit Schwindel sind erheblich gefährdet zu stürzen und einen Knochenbruch zu erleiden. Gleichzeitig neigen sie mehr als Jüngere aus Angst vor einem Sturz dazu, ihre Aktivitäten auf ein Minimum zu reduzieren, was langfristig zur Immobilität mit all ihren Folgeschäden führen kann.

Die Erkrankung

Augen, Gleichgewichtsorgane und verschiedene Reizaufnehmer (Rezeptoren) in Muskeln, Gelenken und Haut leiten ständig Informationen über unsere Lage im Raum zum Gehirn weiter. Schwindel entsteht immer dann, wenn sich diese Informationen widersprechen, sodass das Gehirn kein stimmiges Bild erstellen kann. Begleitet wird Schwindel häufig von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Blässe und Schweißausbruch, da die an der Gleichgewichtsregulation beteiligten Nervenzellen im Gehirn mit denen zur Steuerung vegetativer Reaktionen verbunden sind.

Schwindel als solcher ist kein krankhaftes Phänomen. Jeder kennt das Kinderspiel, erst länger im Kreis gedreht und dann losgelassen zu werden. Schwindel, scheinbare Drehbewegungen der Umwelt und Taumeln sind dabei absolut normal und machen den Reiz des Spiels aus. Schwindel bei einfachem Drehen des Kopfs hingegen ist ein Krankheitszeichen.

Schwindelursachen und -formen. Die Ursache für Schwindel kann in allen an der Reizaufnahme und -verarbeitung beteiligten Strukturen liegen. Für die Ursachenfindung ist eine genaue Beschreibung des Schwindels unverzichtbar, denn „Schwindel“ ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Beschwerden. Aufschlüsse geben vor allem Art, Dauer, Auslöser und Begleitbeschwerden des Schwindels:

Drehschwindel kann meist sehr exakt beschrieben werden: Der Betroffene hat das Gefühl, seine Umgebung drehe sich um ihn wie in einem Karussell. Drehschwindel hat seine Ursache in aller Regel in einer Schädigung des Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Typisch hierfür sind plötzliche Drehschwindelattacken, die nach Sekunden bis Stunden wieder abklingen. Meist sind diese Attacken mit starker Übelkeit verbunden. Wegen der räumlichen Nähe zum Hörorgan ist eine Hörminderung möglich.

Beim gutartigen plötzlich auftretenden Lagerungsschwindel (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, BPPV) handelt es sich um eine der häufigsten Schwindelformen mit sekundenlangen Drehschwindelattacken, Übelkeit und einer kurz dauernden Augenbewegungstörung. Ihm liegt eine Ablösung von winzigen Steinchen aus dem Innenohr zugrunde, die meist in den hinteren Bogengang fallen und bei schnellen Kopfbewegungen zu Schwindel führen.

Seltener liegt die Ursache in den an der Verarbeitung beteiligten Nervenzellen und -bahnen im Gehirn. Der hierdurch bedingte Schwindel ist meist ein mäßiger Dauerschwindel, auch die begleitende Übelkeit ist nicht sehr stark.

Eine Virusinfektion (vergleichbar einem grippalen Infekt) des Gleichgewichtsnervs, Neuritis vestibularis, führt zu einem Dauerdrehschwindel mit Übelkeit. Je nach Schwere der Infektion halten sich die Symptome bis zu drei Wochen. In der Regel heilt dieser Infekt folgenlos ab.

Beim Schwankschwindel hat man das Gefühl, als ob der Boden unter den Füßen schwanke, etwa wie auf einem Boot. Eine häufige Erkrankung ist der phobische Schwankschwindel, bei dem eine angstbesetzte Auslösesituation ausfindig gemacht werden kann. Beim Liftschwindel meint der Betroffene, sich wie in einem Aufzug nach oben oder unten zu bewegen. Er kann keiner einheitlichen Ursache zugeschrieben werden.

Benommenheitsschwindel (unsystematischer Schwindel) hingegen ist nur schwer zu beschreiben. Meist sagen die Patienten, ihnen sei „schummrig“ im Kopf, sie fühlten sich unsicher auf den Beinen und taumelig. Die Ursache für Benommenheitsschwindel liegt in aller Regel nicht im Gleichgewichtssystem. Schlechtes Sehen oder Nervenschäden mit beeinträchtigter Tastempfindung in der Haut z. B. führen zu nicht passenden Meldungen an das Gehirn, Blutdruckabfall bei gestörter Kreislaufregulation oder Herzrhythmusstörungen zu einer gestörten Informationsverarbeitung im Gehirn. Auch Medikamente, allen voran Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie (überdosierte) Medikamente gegen zu hohen Blutdruck oder Epilepsie, können zu Müdigkeit, Benommenheit und damit auch Schwindel führen.

Selten kann sich ein Akustikusneurinom mit Schwindel als erstem Symptom äußern. Üblicherweise berichten die Patienten von einer einseitig zunehmenden Schwerhörigkeit und Tinnitus.

Leichte Übelkeit, Stand- und Gangunsicherheit (ohne Seitenbevorzugung) sowie Angst zu stürzen sind hingegen oft Folgen des Schwindels. Nur bei starker oder einseitiger Ausprägung (z. B. Fallneigung nur zu einer Seite) sind sie für die Diagnosefindung verwertbar.

Das macht der Arzt

Vom medizinischen Standpunkt gesehen ist Schwindel kaum jemals ein Notfall, und die hinter dem Schwindel steckende Erkrankung ist meist harmlos. Insbesondere Drehschwindel ist aber bei stärkerer Ausprägung so unangenehm, dass der Betroffene schon allein wegen des Leidensdrucks baldmöglichst den Arzt aufsucht. Auch jeder Schwindel, der im Alltag zu Stand- und Gangunsicherheit und damit zu Sturz- und Verletzungsgefahr führt, sollte zügig abgeklärt werden. Bis dahin sollte der Betroffene die Auslöser des Schwindels meiden, sich im Schwindelanfall festhalten oder sogar hinlegen und nicht Fahrrad oder Auto fahren.

Diagnosesicherung. Da die Ursachenzuordnung bisweilen eine echte Herausforderung für den Arzt darstellt, wird die Differenzialdiagnose sehr ausführlich im Krankheitsfinder beschrieben,abhängig von weiteren Symptomen in den entsprechenden Tabellen. Die diagnostischen Maßnahmen hängen von der vermuteten Ursache ab, ein typisches Programm umfasst z. B. eine neurologische und HNO-ärztliche Untersuchung (letztere besonders bei Drehschwindel), einen Schellong-Test (zum Ausschluss oder Nachweis einer Blutdruckregulationsstörung), ein Langzeit-EKG (zum Ausschluss von Herzrhythmusstörungen), eine Dopplersonografie der Hirnarterien (um Verengungen als Ursache kurzzeitiger Unterbrechungen der Gehirndurchblutung auszuschließen), gegebenenfalls ein Kernspin (zum Ausschluss eines Tumors) und verschiedene Bluttests.

Therapie. Die Behandlung des Schwindels ist ursachenabhängig:

  • Feststellbare Grunderkrankungen wie etwa Herzrhythmusstörungen werden immer behandelt.
  • In seiner Wirkung vielfach unterschätzt wird das Gang- und Gleichgewichtstraining. Beim gutartigen plötzlich auftretenden Lagerungsschwindel z. B. steht es als Lagerungstraining ganz im Vordergrund, aber auch bei anderen Ursachen des Schwindels kann Training die Beschwerden wesentlich bessern. Nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ lernt das Gehirn, die (widersprüchlichen) Informationen neu zu verrechnen und korrigiert den Schwindel so selbst. Die verständliche und als Erstmaßnahme aus Sicherheitsgründen durchaus richtige Haltung, sich hinzulegen und zu schonen, vermeidet den Schwindel zwar zunächst einmal, wirkt sich aber auf Dauer ungünstig aus. Einzelheiten, welche Übungen am besten geeignet sind, finden Sie beim jeweiligen Krankheitsbild.
  • Manchmal ist Schwindel psychisch oder psychosomatisch bedingt oder ein organischer Schwindel wird durch psychische Faktoren verfestigt (Angst vor dem nächsten Schwindelanfall). Hier muss (zusätzlich) die psychische Störung behandelt werden, etwa durch eine Verhaltenstherapie.
  • Medikamente gegen Schwindel, Antivertiginosa genannt, sollten nur bei heftigem Drehschwindel mit Übelkeit kurzzeitig eingesetzt werden, bis die quälende Übelkeit abgeklungen ist, z. B bei der Neuritis vestibularis.
    Als Erstlinien-Therapie hat sich in internationalen Studien die Fixkombination der Wirkstoffe Cinnarizin und Dimenhydrat gegenüber allen Vergleichssubstanzen durchgesetzt. Die Substanzen wirken zusammen erheblich besser als als Einzelmedikament. Das Kombipräparat bessert sowohl zentral- als auch peripher-vestibuläre Störungen. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Schwitzen klingen schon nach kurzer Zeit ab, was die Fixkombination verträglicher macht als die alternativen Medikamente.
  • Bei älteren Menschen, bei denen der Arzt häufig keine eindeutige Ursache des Schwindels feststellen kann, werden alle möglicherweise beteiligten Störfaktoren angegangen, auch wenn jeder für sich alleine nicht ausreicht, den Schwindel zu erklären. Gleichzeitig wird durch Hilfsmittel wie etwa Gehhilfen und Haltemöglichkeiten im häuslichen Umfeld versucht, die Sturzgefahr zu mindern, damit der ältere Mensch mobil bleiben kann. Physiotherapie und Trainingsprogramme haben einen (mindestens) genauso hohen Stellenwert wie bei jüngeren Menschen, erfordern aber nicht selten erhebliche Motivationsarbeit.

Tics

Tics (Ticks): Plötzliche, unwillkürliche, wiederholte Muskelzuckungen, die sich allenfalls kurzzeitig unterdrücken lassen, selten komplexere automatische, nicht zielgerichtete Bewegungen.

Tourette-Syndrom (Gilles-de-la-Tourette-Syndrom): Erkrankung mit nicht willentlich steuerbaren, länger andauernden, ticartigen Zuckungen (z. B. im Gesicht), ruckartigen Bewegungen (z. B. an Hals und Schultern) und unwillkürlichen Laut- und Wortäußerungen. Betroffen sind überwiegend Knaben und männliche Jugendliche.

Leitbeschwerden

  • Ständiges Blinzeln, Naserümpfen, Mundöffnen, Räuspern oder Schulterzucken
  • Bewegungen nur für kurze Zeit willkürlich unterdrückbar, Verstärkung bei Stress
  • Beim Tourette-Syndrom: Beginn häufig mit Blinzeltic, dann Entwicklung verschiedener Tics, nicht selten mit obszönen Worten oder Gesten.

Die Erkrankung

Einfache Tics wie Naserümpfen oder Blinzeln treten bei einem Drittel aller Menschen irgendwann einmal auf, am häufigsten bei Jungen während der Grundschulzeit. Meist gibt sich der Tic nach Wochen bis Monaten wieder (begünstigt durch konsequentes Ignorieren), um später noch ein- oder mehrfach zu erscheinen und schließlich ganz zu verschwinden. Solche Tics sind keine Erkrankung und sollten deshalb nicht problematisiert werden.

Anders beim Tourette-Syndrom: Anstatt zu verschwinden, kommen neue Tics hinzu, auch vokale Tics mit unwillkürlichen Laut- und Wortäußerungen. Diese vielen Tics, häufig mit obszöner Bedeutung, werden von der Umgebung oft als Provokation fehlgedeutet und führen dadurch zu Problemen. Einige Tics gehen bis zur Selbstverletzung (z. B. durch wiederholtes Beißen in die Wangeninnenseite), eine Gefährdung anderer hingegen ist extrem selten. Zusätzlich leidet über ein Drittel der betroffenen Kinder an einer Aufmerksamkeitsstörung und/oder abnorm starken Ängsten oder Zwängen.

Woher das Tourette-Syndrom kommt, ist unklar. Als sicher gilt eine erbliche Veranlagung. Es mehren sich die Hinweise auf eine Botenstoffwechselstörung im Gehirn als organische Grundlage, auch Streptokokkeninfektionen werden als mitursächlich diskutiert.

Das macht der Arzt

Zur Diagnose genügt meist das klinische Bild, technische Untersuchungen dienen zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Eine ursächliche Behandlung des Tourette-Syndroms ist nicht möglich. Oft ist den Betroffenen schon geholfen, wenn ihre Umgebung über die Erkrankung aufgeklärt wird und ihnen daher mehr Verständnis entgegenbringt.

Stören die Tics sehr, können sie durch Medikamente gelindert werden, wobei in Deutschland vor allem Tiaprid (Tiapridex®), Pimozid (Antalon®) und Risperidon (Risperdal®) eingesetzt werden. Die Beschwerden verstärken sich in der Pubertät, danach werden sie aber bei zwei Dritteln der betroffenen Jugendlichen deutlich besser oder verschwinden sogar.

Weiterführende Informationen

  • www.tourette-gesellschaft.de – Internetseite der Tourette-Gesellschaft Deutschland e. V. (TGD, Göttingen): Bietet eine große Auswahl an Informationen zum Tourette-Syndrom wie Erfahrungsberichte und Behandlungsmethoden.

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