Haut, Haare und Nägel


Allergisch und toxisch bedingte Hauterkrankungen

Arzneimittelexanthem

Arznei[mittel]exanthem: Hautausschlag und Schleimhautentzündung als Arzneimittelnebenwirkung, am häufigsten ausgelöst durch Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline (z. B. Ampicillinexanthem). Daneben können auch andere Antibiotika, Herz- und Blutdruckmedikamente, Schmerzmittel, Antiepileptika, Schilddrüsenmedikamente und andere Wirkstoffe ein Arznei[mittel]exanthem auslösen. Nach Absetzen des verdächtigen Medikaments ist die Symptomatik meist innerhalb von 1–2 Wochen rückläufig.

Leitbeschwerden

(Meist) juckender Ausschlag, der typischerweise 7–12 Tage, bei wiederholtem Behandlungszyklus 2 Tage nach Einnahmebeginn auftritt.

  • Oft kleinfleckig und leicht erhaben, ähnlich wie bei Masern oder Scharlach
  • Selten netzförmig, großfleckig, mit Quaddeln, Blasen, kleinen Hautblutungen oder ausgedehnten Rötungen.

Die Erkrankung

Die Haut ist das Organ, das am häufigsten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen betroffen ist. So erleiden z. B. bis zu 10 % aller Patienten, die das Antibiotikum Ampicillin einnehmen, einen Hautausschlag. Bei anderen Arzneimitteln ist die Rate deutlich niedriger. In den meisten Fällen ist die Nebenwirkung auf den eigentlichen Wirkstoff des Arzneimittels zurückzuführen, gelegentlich jedoch auch auf Hilfsstoffe wie Füllmittel, Konservierungs-, Geschmacks- oder Farbstoffe.

Manche Medikamente lösen allergische Reaktionen aus, entweder systemisch (im ganzen Körper) nach innerlicher Einnahme, z. B. durch Tabletten oder Spritzen, oder lokal als Kontaktallergie nach Auftragen auf die Haut oder die Schleimhaut. Andere Medikamente führen zur Freisetzung von körpereigenen Stoffen wie Histamin, die ihrerseits Hautausschläge hervorrufen. Diese Reaktion, als Pseudoallergie bezeichnet, tritt manchmal bereits nach erstmaliger Einnahme eines Arzneimittels auf. Eine „echte“ systemische Allergie zeigt sich dagegen frühestens 1 Woche nach Behandlungsbeginn mit einem neuen Medikament. Erst bei weiteren Behandlungszyklen kommt es auch hier zu früheren Hautreaktionen, oft bereits nach 48 Stunden.

Der Hautausschlag kann sehr vielgestaltig sein, den ganzen Körper oder Rumpf betreffen oder sich auf eine kleine Stelle beschränken. Juckreiz ist häufig vorhanden, jedoch nicht zwingend. Meist bilden sich die Beschwerden nach Absetzen des auslösenden Arzneimittels ohne sichtbare Spuren zurück, gelegentlich finden sich jedoch als Restzustand vorübergehend schiefergraue Hautverfärbungen.

Neben den typischen Arznei[mittel]exanthemen gibt es einige Sonderformen, die nur im weiteren Sinn dazu gehören:

  • Beim fixen Arznei[mittel]exanthem entwickeln sich in Gelenknähe oder auf Schleimhäuten einzelne oder mehrere münzgroße rötliche Flecken, die nach Absetzen des auslösenden Medikaments für Monate bis Jahre mit dunkelbrauner Färbung bestehen bleiben. Kortisonhaltige Salben beschleunigen die Abheilung.
  • Eine fototoxische Reaktion nach Medikamenteneinnahme führt erst nach Sonnenbestrahlung (auch durch Fensterglas) zu einem Arznei[mittel]exanthem, das meist auf den dem Licht ausgesetzten Hautbereich beschränkt ist.
  • Das [medikamentöse] Lyell-Syndrom, eine lebensbedrohliche Hautreaktion, die meist nach Einnahme von Medikamenten im Rahmen eines harmlosen Infekts auftritt.
  • Beim Stevens-Johnson-Syndrom handelt es sich um eine Maximalvariante des allergischen Arznei[mittel]exanthems mit schmerzhaften Blasen und hohem Fieber. Neben Haut und Schleimhäuten sind meist auch die Bindehäute beteiligt.

Das macht der Arzt

Die Diagnose ist einfach, wenn der Ausschlag typisch und der Betroffene ansonsten gesund ist und nur ein Medikament im fraglichen Abstand zum Auftreten des Ausschlags eingenommen wurde. Viele Arznei[mittel]exantheme treten aber bei Patienten mit chronischen Mehrfacherkrankungen auf, die verschiedene Medikamente einnehmen. In diesem Fall sind aufwendige Laboruntersuchungen und Hauttests erforderlich, um die Diagnose zu stellen.

Relativ einfach ist der Reexpositionsversuch durchzuführen, bei dem das fragliche Medikament erneut gegeben und ein Wiederauftreten des Ausschlags abgewartet wird. Dieser Versuch kann allerdings erst 3 Wochen nach Abklingen der Hautveränderungen erfolgen.

Der erste und wichtigste Behandlungsschritt besteht darin, das auslösende Medikament wegzulassen oder auf ein Präparat aus einer anderen Wirkstoffgruppe umzustellen. In leichten Fällen reicht es anschließend eventuell, die Beschwerden durch kühlende Umschläge, Auftragen von juckreizstillenden Lotionen, Gels und Cremes (z. B. Anaesthesulf®-Lotio, Fenistil® Gel) oder Einnahme von Antihistaminika (z. B. Cetirizin) zu lindern. Kortison ist das Mittel der Wahl bei stärkeren Reaktionen, meist in Form von Lotionen und Cremes, in schweren Fällen auch in Form von Tabletten.

Vorsorge

Wer schon einmal mit einem Ausschlag auf ein Medikament reagiert hat, sollte dies seinem Arzt vor einer neuen Arzneimittelverordnung mitteilen. Ist eine Arzneimittelallergie nachgewiesen, stellt der Arzt einen Allergiepass aus, in den er die unverträglichen Medikamente einträgt.

Komplementärmedizin

Da das Arznei[mittel]exanthem nach naturheilkundlicher Betrachtungsweise der Nesselsucht ähnelt, finden sich die therapeutischen Möglichkeiten der Komplementärmedizin an entsprechender Stelle.

Berufsbedingte Hauterkrankungen

Berufsbedingte Hauterkrankungen (Berufsdermatosen): durch Kontakt mit in bestimmten Berufsfeldern typischen Stoffen ausgelöste Hautleiden.

Hautkrankheiten gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten. Vor allem Kontaktallergien sind verbreitet. Sie beginnen in der Regel mit einem harmlos erscheinenden chronisch toxischen Kontaktekzem. Als erste Hinweise finden sich gerötete, trockene und raue Hautstellen, an denen sich später Risse und Schuppen bilden. Letztere sind eine ideale Eintrittspforte für in bestimmten Berufsfeldern auftretende Allergene (Berufsallergene) und Schadstoffe. Im weiteren Verlauf entwickelt sich dann eine Kontaktallergie, die unbehandelt zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit oder sogar zur Aufgabe des Berufes führen kann.

Einige Berufsgruppen sind besonders häufig von berufsbedingten Hautkrankheiten betroffen. Dazu zählen Bäcker (Mehl), Friseure (Shampoos, Haarsprays, Haarfarben, nickelhaltige Instrumente), Kosmetikerinnen (diverse Inhaltsstoffe von Kosmetika und Make-up), Maurer, Maler, Fliesenleger (Zement, Klebstoffe wie Epoxid-Kunstharz, Farben), Maschinenpersonal (Kühlschmierstoffe), Reinigungspersonal (diverse Reinigungs- und Pflegeprodukte) und Klinikpersonal (Latexhandschuhe).

Das macht der Arzt

Meist führen typische Hautveränderungen, die Befragung des Patienten nach möglichen Allergenen in seinem beruflichen Umfeld sowie entsprechende Allergietests zur Diagnose. Bei Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung muss der Hautarzt die zuständige Berufsgenossenschaft benachrichtigen. Nur so ist der Arbeitnehmer im Rahmen der erforderlichen Hautschutz- und Behandlungsmaßnahmen sowie für den Fall einer Berufsunfähigkeit versichert.

Die Behandlung eines bereits bestehenden Kontaktekzems erfolgt durch das Auftragen von Kortisonpräparaten. Weitere Schutzmaßnahmen kann der Patient selbst durchführen.

Selbstbehandlung und Vorsorge

Als Erstes sollte man die verantwortlichen Stoffe meiden. Dazu gehört das Tragen von Schutzhandschuhen oder anderer geeigneter Schutzbekleidung. Eine weitere Säule der Behandlung ist die konsequente Anwendung von Hautschutzsalben und -cremes, die speziell auf die Arbeitssituation abgestimmt sein müssen. O/W-Emulsionen schützen beispielsweise vor Ölen, Schmierstoffen und fettlöslichen Schadstoffen, während W/O-Emulsionen sowie Schutzsalben auf Silikonbasis bei Kontakt mit Wasser und wasserlöslichen Schadstoffen geeignet sind. Zum Hautschutz gehört auch die Verwendung von milden Reinigungsmitteln (Syndets). Wem es gelingt, die erforderlichen Hautschutz- und Hautpflegemaßnahmen konsequent umzusetzen, hat gute Chancen, weiterhin in seinem Beruf tätig zu sein.

Die beschriebenen Maßnahmen dienen auch zur Vorsorge. In vielen Berufsfeldern gibt es außerdem vom Arbeitgeber oder der Berufsgenossenschaft Empfehlungen zum Hautschutz.

Kontaktallergie

Kontaktallergie ([akutes] allergisches Kontaktekzem, allergische Kontaktdermatitis): Durch direkten Kontakt mit einem Allergen ausgelöstes, meist örtlich begrenztes Ekzem. Die Kontaktallergie ist bei Erwachsenen die häufigste Allergieform und eine der häufigsten Berufskrankheiten. Auch nach jahrzehntelangem Kontakt mit einer Substanz kann sich plötzlich eine Kontaktallergie entwickeln, wenn die Barrierefunktion der Haut überfordert ist. Gelingt es, das Allergen konsequent zu vermeiden, kann das Ekzem spurenlos abheilen.

Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende geschwollene, gerötete und nässende Knötchen und Bläschen
  • Später trockener Hautausschlag mit Rötung, Verdickung, Schuppung und Rissen
  • Fast immer starker Juckreiz.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei

  • Verdacht auf eine berufsbedingte Kontaktallergie
  • Übergang des nässenden Ausschlags in eine trockene Form.

Sofort bei

  • Großflächigen akuten Hautreaktionen mit Juckreiz, Rötung, Knötchen und Bläschen
  • Gleichzeitiger Atemnot und/oder Kreislaufbeschwerden.

Die Erkrankung

Die Kontaktallergie ist eine Allergie vom verzögerten Typ, bei dem die allergischen Hautreaktionen nicht sofort, sondern erst 24–72 Stunden nach Allergenkontakt auftreten. Je nach Allergenmenge und Dauer des Allergenkontakts entwickeln sich unterschiedliche Hautveränderungen:

  • Bei der akuten Kontaktallergie, ausgelöst durch kurzzeitigen, intensiven Allergenkontakt, kommt es zu einer ausgeprägten Hautrötung mit Knötchen und wassergefüllten Bläschen, die sich später öffnen und nässen. Fast immer tritt starker Juckreiz auf. Kratzen verursacht zusätzliche Hautschäden. Die Hautveränderungen sind meistens auf die mit dem Allergen in Berührung gekommenen Hautstellen begrenzt. Lediglich bei allergisierenden Stäuben (wie Zement, Sägemehl, trockene Pflanzenteile) oder Duftstoffen (Sprays, Dämpfe, Parfüm) ist ein unscharf begrenzter Hautauschlag insbesondere im Gesicht möglich.
  • Wirkt ein Allergen in geringen Mengen, jedoch fortdauernd auf die Haut ein, kommt es zur subakuten Kontaktallergie. Typisch für diese Form ist neben einer juckenden und nässenden Hautrötung ein vergröbertes Hautbild mit Schuppung.
  • Ständiger Kontakt mit einem Allergen, z. B. im Berufsalltag, führt zu einer chronischen Kontaktallergie, gekennzeichnet durch eine trockene, gerötete, grobe, verdickte Haut mit starker Schuppung. Ein chronisches Geschehen kann über die Stellen des Allergenkontakts hinaus sogar an ganz anderer Stelle auftreten (das Ekzem „streut“). Vereinzelt kommt es zu begleitenden Reaktionen an den Atemwegen, die schlimmstenfalls zu asthmaähnlichen Beschwerden führen.

Nickel- und Latexallergie. Die weitaus häufigste Kontaktallergie ist die Nickelallergie bzw. eine Allergie auf Nickelsalze wie Nickelsulfat. Nickel findet man z. B. in Schmuck (auch Silber- und Weißgoldschmuck), Brillenrahmen, Armbanduhren, Verschlüssen von Kleidungsstücken, Türklinken, Geldmünzen, Scheren (eine Nickelallergie ist bei Friseuren eine anerkannte Berufskrankheit), Messern und Küchengeräten. Ohrstecker und Piercings bergen ein besonderes Risiko, weil sie das Allergen besonders tief in bzw. unter die Haut bringen. Selbst Nahrungsmittel können Probleme bereiten, wenn Nickelspuren aus dem Boden in die Pflanze gelangen (z. B. bei Bohnen, Erdnüssen, Haselnüssen oder Kakao) oder wenn saure Speisen Nickelmoleküle aus dem Kochtopf herauslösen. Der immunbiologische Wirkmechanismus der Nickelallergie wurde erst jüngst entschlüsselt: Die sich herauslösenden Nickelpartikel heften sich an ein Rezeptor-Eiweiß mit dem englischen Namen toll-like receptor 4 (TLR4) und aktivieren dadurch das Immunsystem. Dieses bildet verstärkt entzündungsfördernde Stoffe, die das Ekzem auslösen.

Eine weitere häufige Kontaktallergie ist die Latexallergie, häufig auftretend bei medizinischem Pflegepersonal, das Schutzhandschuhe tragen muss. Bei sehr allergieanfälligen Patienten kann man manchmal ein Latexasthma beobachten.

Bei Reinigungspersonal finden sich häufig Kontaktallergien an den Händen, hervorgerufen durch Haushaltsreiniger. Der ständige Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln stört den Fett- und Säureschutzmantel der Haut und erleichtert dadurch das Eindringen von Allergenen. Weitere Allergieauslöser finden sich in Textilien, Medikamenten, Kosmetika, Haarfärbemitteln, Seifen und anderen Pflegepräparaten. Es handelt sich z. B. um Duft-, Konservierungs- und Gerbstoffe, Desinfektionsmittel oder Chromsalze.

Die Kontaktallergie darf nicht mit dem toxischen Kontaktekzem verwechselt werden, das auf einer Schädigung der Haut durch aggressive chemische oder physikalische Einflüsse beruht.

Ekzem oder Dermatitis? Beide Begriffe beschreiben entzündliche Hautzustände, die durch eine Unverträglichkeitsreaktion verursacht werden. Es gibt zwar keinen einheitlichen medizinischen Sprachgebrauch, aber tendenziell werden akute Hautreaktionen eher als Dermatitis und chronische eher als Ekzem bezeichnet.

Das macht der Arzt

Die Diagnose stellt der Hautarzt anhand der typischen Hautveränderungen und der Angaben des Patienten. Welche Allergene für das Ekzem verantwortlich sind, lässt sich am sichersten durch einen Epikutantest herausfinden.

Therapie der Wahl ist das Eincremen der betroffenen Hautareale mit Kortisonpräparaten. Bei nässendem Ausschlag werden eine wasserreiche O/W-Emulsion (z. B. Dermatop® Creme mit Prednicarbat) und eventuell zusätzlich feuchte Umschläge mit 0,9%iger Kochsalzlösung oder Bäder mit Gerbstoffen (Tannolact®) verordnet. Chronische und trockene Ekzeme erfordern ein Kortisonpräparat mit hohem Fettanteil.

Selbstbehandlung

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung und Behandlung einer Kontaktallergie besteht darin, das Allergen herauszufinden und zu meiden (Allergenkarenz). Manchmal erfordert diese Maßnahme, ein Hobby aufzugeben oder sogar den Arbeitsplatz zu wechseln. In anderen Fällen reicht z. B. die Verwendung von Schutzhandschuhen, Hautschutzsalben oder Hautschutzschaum. Bei fortbestehendem Allergenkontakt heilt die Krankheit nicht, sondern wird chronisch. Deshalb ist es wichtig, beim geringsten Verdacht auf eine berufsbedingte Kontaktallergie einen Hautarzt aufzusuchen, der entsprechende Vorsorgemaßnahmen vorschlägt und einleitet.

Vorsorge

Wer zu Kontaktallergien neigt, tut gut daran, auf Modeschmuck, Piercings, Weichspüler, Desinfektionsmittel und Duftstoffe zu verzichten und mit Reinigungsmitteln eher sparsam umzugehen. Regelmäßige und sorgfältige Pflege der belasteten Hautareale hilft, den Säureschutzmantel der Haut zu erhalten und ihre Barrierefunktion zu stärken. Zur Reinigung empfehlen sich seifenfreie Waschlösungen und rückfettende Badezusätze, zum Eincremen Pflegeprodukte mit hohem Fettanteil. Speziell für die Hände sind im Handel zahlreiche Cremes und Salben erhältlich, die pflegende Zusätze wie Harnstoff oder Dexpanthenol enthalten. Für eine optimale Wirkung ist es erforderlich, das Eincremen nach jedem Händewaschen zu wiederholen.

Komplementärmedizin

Bei der Kontaktallergie steht die Suche nach dem auslösenden Reiz durch Allergietests im Vordergrund, daher sind alternative Maßnahmen nur unterstützend zur Behandlung der Beschwerden relevant. Bewährt haben sich v. a. die Hydrotherapie und Pflanzenheilkunde, bei chronischen Formen kommen dieselben komplementärmedizinischen Methoden in Betracht, die bei der Neurodermitis aufgeführt sind.

Pflanzenheilkunde. Empfehlenswert sind lokale Maßnahmen, z. B. Anwendungen mit Gerbstoffpräparaten. So profitieren viele Patienten von Kompressen mit Extrakten aus Eichenrinde, Hamamelis (Zaubernuss), Walnussblättern oder schwarzem Tee.

Hydrotherapie. Entzündungshemmend wirken Umschläge mit kaltem abgekochten Wasser, die alle 5 Minuten erneuert werden, auch Umschläge mit Kamillen- oder Malventee sowie Quarkwickel (solange die Haut nicht offen und blutig ist) zur Kühlung und Rückfettung der Haut haben sich bewährt. Lauwarme Bäder, z. B. mit Zusätzen von Milch (außer bei Milchallergie!) und 1 EL Olivenöl, abgekochter Eichenrinde Kamillentee oder Weizenkleie sind bei akuten Neurodermitisschüben empfehlenswert. Chronische Ekzeme reagieren dagegen besser auf Ölbäder; sie wirken am besten, wenn das Öl erst nach 5 Minuten Badezeit dem Wasser zugesetzt wird. Für trockene und verdickte Haut eignen sich auch Sole-Bäder mit einem Salzgehalt von 1,5–6 %. Die Badedauer sollte 5–10 Minuten nicht übersteigern. Nach dem Bad empfiehlt sich eine einstündige Bettruhe, anschließend wird die Haut mit klarem Wasser abgeduscht und eingecremt.

Lichttherapie. Mitunter lassen sich die kontaktallergischen Symptome mittels UV-Bestrahlung verbessern, allerdings nicht bei chronischen Verlaufsformen.

Homöopathie. Bei chronischer Kontaktallergie empfiehlt die Homöopathie Acidum formicicum, bei Quaddeln und Entzündung Atropa belladonna sowie bei Verschlechterung der Beschwerden durch Kälte oder Wasser Rhus toxicodendron.

Akupunktur. In manchen Fällen kann Akupunktur den Juckreiz lindern.

Nesselsucht

Nesselsucht (Nesselfieber, Quaddelsucht, Urtikaria): Hauterkrankung mit vorübergehenden Quaddeln am ganzen Körper bzw. Schwellungen an Gesicht, Lippen und Schleimhäuten. Etwa 20–30 % der Bevölkerung leiden mindestens ein Mal im Leben an Nesselsucht, Kinder viel häufiger als Erwachsene. Binnen Minuten entstehen Quaddeln und Schwellungen, die sich nach Stunden bis Tagen auch ohne Behandlung wieder zurückbilden (akute Nesselsucht). Typischerweise kratzen sich die Betroffenen nicht, sondern versuchen die Beschwerden durch Reiben zu lindern. In 90 % der Fälle bleibt die Krankheit auf ein einmaliges, nur wenige Stunden anhaltendes Ereignis beschränkt. Wenn sie immer wieder auftritt oder über einen längeren Zeitraum anhält (ab 6 Wochen), spricht man von chronischer Nesselsucht.

Leitbeschwerden

  • Binnen Minuten auftretende, weißliche bis hellrote, beetartige Erhebungen der Haut mit geröteter Umgebung
  • Starker Juckreiz (ähnlich wie nach Brennnesselkontakt), eventuell mit Brennen oder Schmerzen
  • Hautausschlag klingt binnen Stunden von selbst wieder ab
  • Manchmal zusätzlich Magen-Darm-Beschwerden (insbesondere Durchfall), Atemnot, Kopf- und/oder Gelenkschmerzen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die Hautveränderungen häufiger auftreten und/oder über Tage bestehen bleiben.

Sofort den Notarzt rufen, wenn

  • Atemnot und/oder Kreislaufprobleme auftreten
  • Gesicht oder andere Körperregionen extreme Schwellungen entwickeln.

Die Erkrankung

Der Hautausschlag bei Nesselsucht ähnelt der Reaktion nach einem Brennnesselkontakt, woher sich auch der medizinische Name Urtikaria (lateinisch für Brennnessel) ableitet. Die Beschwerden werden fast immer durch eine örtliche Freisetzung des Botenstoffs Histamin ausgelöst, der sowohl zu Quaddeln als auch zu Juckreiz führt.

Es gibt viele verschiedene Ursachen einer Nesselsucht. Die Hauptauslöser sind Medikamente und Nahrungsmittel (z. B. penicillinhaltige Antibiotika und Acetylsalicylsäure, z. B. in Aspirin®, sowie Geschmacks-, Konservierungs- und Farbstoffe in Lebensmitteln). Auch Inhaltsstoffe von Nüssen oder Soja, histaminhaltige Nahrungsmittel (z. B. Käse, Rotwein, Perlwein) oder spezielle Eiweiße, etwa in Milch, Fisch, Muscheln und Krustentieren kommen als Auslöser in Betracht. Ein direkter Hautkontakt mit Brennnesseln, Quallen oder Schalen von Zitrusfrüchten (ameisensäurehaltige Substanzen) kann eine Nesselsucht ebenso auslösen wie ein starker physikalischer Reiz, z. B. Druck auf die Haut, Sonnenlicht, starke Kälte oder extreme Temperaturschwankungen. Außerdem tritt Nesselsucht als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen auf, etwa bei Lupus erythematodes, Hepatitis, eitrigen Infektionen oder Erkältungskrankheiten bei Kindern. In manchen Fällen führt sogar extreme körperliche Anstrengung oder emotionale Erregung zur Bildung von kleinen linsengroßen Quaddeln.

Die Nesselsucht ist durch den Juckreiz zwar quälend, aber in aller Regel harmlos. Eine gefährliche Sonderform ist das Quincke-Ödem (Angioödem), bei dem nicht nur die oberen Hautschichten, sondern auch die Unterhaut betroffen ist. In der Folge schwellen die Augenlider, Lippen oder Genitalien heftig an. Sind die Atemwege – v. a. der Kehlkopf – betroffen, droht eine lebensbedrohliche Atemnot.

Starke Schwellungen, die leicht mit allergischen Reaktionen, z. B. auf Insektenstiche, verwechselt werden, sind auch ein Hinweis auf die seltene Erbkrankheit HAE (Hereditäres Angioödem). Meist sind Gesicht, Hals, Arme, Beine, Magen-Darm-Trakt, Geschlechtsorgane und Gesäß betroffen. Auslöser ist ein erblich bedingter Mangel oder eine Minderfunktion des C1-Esterase-Inhibitors. Dadurch wird vermehrt das Gewebshormon Bradykinin freigesetzt. In der Folge werden die Gefäßwände durchlässiger. Es kommt zu Schwellungen, die bei Autreten im Luftröhrenbereich tödlich sein können (Larynxödeme).

Das macht der Arzt

Die Nesselsucht ist anhand der typischen Hautveränderungen zu erkennen. Tritt sie wiederholt auf oder bleibt sie über längere Zeit bestehen, wird nach möglichen Auslösern gesucht. Neben Allergietests können auch Kälte-, Wärme- und Drucktests, ein Differenzialblutbild, Messungen von Immunglobulinen sowie Stuhl- und Urinuntersuchungen Hinweise auf die allergieauslösenden Faktoren liefern. Werden Nahrungsmittel oder -zusatzstoffe als Auslöser vermutet, helfen spezielle Suchdiäten und orale Provokationstests. Bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit chronischer Nesselsucht findet sich allerdings kein Auslöser.

Zur Therapie der chronischen Nesselsucht werden Antihistaminika eingesetzt, die das Histamin und damit die Quaddelbildung und den Juckreiz unterdrücken. Bei schweren Formen und bei einem Angioödem mit extremer Schleimhautschwellung im Bereich der Atemwege spritzt der Arzt zusätzlich hoch dosiertes Kortison. Reicht dies nicht aus, kann eine künstliche Beatmung bzw. ein Luftröhrenschnitt als Notfallmaßnahme notwendig werden.

Sollten sich die Symptome der Nesselsucht unter der Basistherapie nicht bessern, hilft aktuellen Daten zufolge das Medikament Omalizumab®. Hierbei handelt es um einen so genannten humanisierten monoklonalen Antikörper, der für die Therapie von allergischem Asthma zugelassen ist.

Selbstbehandlung

Leichte Formen der Nesselsucht sind binnen weniger Stunden auch ohne Therapie rückläufig. Gegen den starken Juckreiz helfen kühlende Umschläge, Kältepackungen (Coolpacks®) oder kalte Duschen. Eine gute Wirkung zeigen auch antihistaminikahaltige Salben, Gele (z. B. Fenistil® Gel) und Tabletten (z. B. Loraderm®) sowie Lotionen mit schmerzbetäubenden Wirkstoffen (z. B. Anaesthesulf®-Lotio).

Komplementärmedizin

Bei akuten Schüben von Nesselsucht sind naturheilkundliche Therapien nicht indiziert, da die Gefahr eines anaphylaktischen (allergischen) Schocks besteht. Die Ursachen müssen medizinisch abgeklärt werden. Da bei chronischen Formen jedoch häufig zunächst keine eindeutige Ursache für die Hautreaktion gefunden wird, ist hier der Einsatz komplementärmedizinischer Methoden sinnvoll, die Neigung zur Quaddelbildung lässt mitunter nach. Bei der chronischen Nesselsucht können u. a. Ernährungsumstellung (Allergietest!), Akupunktur, juckreizlindernde Kompressen, Bäder, Pflanzenheilkunde sowie die Klimatherapie helfen.

Hydrotherapie . Neben Kneippschen Güssen (Wechselbädern) sind auch Bäder mit Kamillenzusatz, Schachtelhalm oder Kleie günstig. Auch schwefel- und ölhaltige Bäder sowie Bäder in Salzwasser (1 EL auf 1 l Wasser) können helfen. Den Juckreiz lindern feucht-kalte Kompressen mit 1%igem Mentholspiritus.

Klimatherapie. Bei knapp der Hälfte der Betroffenen stellt sich eine Besserung der Symptome nach einem Kuraufenthalt an der Ostseeküste oder in hochalpinen Regionen ein.

Akupunktur. Mithilfe der Akupunktur lässt sich bei chronischer Nesselsucht in manchen Fällen die Medikamentengabe reduzieren.

Pflanzenheilkunde. Aus den Heilpflanzen Hamamelis, Eichenrinde, Kamille, Zistrose, Ringelblume oder schwarzem Tee (ohne Aroma) lassen sich Aufgüsse für Kompressen zubereiten, die etwa 20 Minuten lang aufgelegt werden. Bei Nesselsucht, die durch Kälte, Nässe oder Druck entsteht, hat sich sowohl innerlich als auch äußerlich der Bittersüßstängel (Cefabene®, als Salbe, Tropfen oder Tabletten erhältlich) bewährt, er wird aufgrund seiner entzündungshemmenden, antiallergischen Eigenschaften auch als pflanzliches Kortison bezeichnet.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt bei starkem Brennschmerz und Verschlechterung durch Wärme Urtica urens oder Apis mellifica, bei Quaddelbildung aufgrund intensiver Sonneneinstrahlung oder Klimawechsel Natrium chloratum.

Lichttherapie. Vereinzelt wird von Erfolgen nach Bestrahlungen mit der Höhensonne sowie UVA1-Therapien berichtet. Hitze wie auch Sonneneinstrahlung können die Nesselsucht aber auch auslösen.

Weiterführende Informationen

  • www.urtikaria.net – Internetseite des urticaria network e. V., Berlin: Forum, Selbsthilfetipps, Selbsttests und weitere Infos rund um die Nesselsucht.
  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Urtikaria: Ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Nesselsucht.

Toxisches Kontaktekzem

Toxisches Kontaktekzem (toxische Kontaktdermatitis): durch direkten intensiven Hautkontakt mit einem toxischen (d. h. aggressiven, giftigen) Stoff verursachte Hautschäden, meist an Händen und Unterarmen. Typischerweise ist das Ekzem auf die Hautstellen begrenzt, die mit dem Schadstoff in Berührung kamen. Auch wenn der Kontakt zu dem Auslöser unterbunden ist, dauert es oft Monate oder sogar Jahre, bis sich die geschädigte Haut erholt und ihre normale Schutzfunktion wiedererlangt hat.

Leitbeschwerden

  • Im Einwirkungsbereich der schädigenden Substanz scharf begrenzte Rötung mit Knötchen und Bläschen, die aufplatzen, nässen und verkrusten
  • Brennen und Schmerzen, später auch Juckreiz
  • Nach längerem Verlauf trockener Hautzustand mit Rötung, Verdickung, Schuppung und Rissen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Der geringste Verdacht auf ein berufsbedingtes toxisches Kontaktekzem besteht
  • Sich durch ständigen Allergenkontakt ein trockener Hautzustand mit Rötung, Schuppung, Hautverdickung, Rissen und Juckreiz entwickelt hat.

Sofort, wenn großflächige akute Hautreaktionen mit Juckreiz, Rötung, Knötchen und Bläschen auftreten.

Die Erkrankung

Das akute toxische Kontaktekzem wird durch Hautkontakt mit einem aggressiven Stoff z. B. Chemikalien, Säuren, Laugen, oder durch physikalische Einflüsse wie Strahlen ausgelöst. Streng genommen ist auch der durch UV-Strahlen ausgelöste Sonnenbrand ein toxisches Kontaktekzem. Im Gegensatz zum allergischen Kontaktekzem (Kontaktallergie) entwickeln bei diesen toxischen Substanzen die meisten Menschen einen Hautschaden und nicht nur Allergiker.

Das chronisch-toxische Kontaktekzem (Abnutzungsekzem, Entfettungsekzem) entsteht durch ständigen Kontakt mit eigentlich harmlosen Stoffen, z. B. Wasser, Seifen, Reinigungs-, Desinfektions- oder Lösungsmitteln. Diese entfetten die Haut und zerstören die Hautbarriere. Mit der Zeit kann sich ein Ekzem entwickeln. Typisch dafür ist eine extrem trockene und verdickte Haut, die schuppt, Risse bildet und juckt. Da solche Ekzeme bei Menschen verbreitet sind, die viel im Haushalt arbeiten, spricht der Volksmund auch vom Hausfrauen- oder Putzfrauenekzem. Ein chronisch-toxisches Kontaktekzem erhöht die Gefahr, an Kontaktallergien zu erkranken, weil Allergene leichter in die Haut eindringen können. Die Folge ist ein häufig schwer behandelbares Mischekzem.

Das macht der Arzt

Die Diagnose stellt der Hautarzt anhand der typischen Hautveränderungen und durch Befragen des Patienten nach möglichen hautschädigenden Einflüssen. Gegebenenfalls folgen Allergietests, um eine Kontaktallergie auszuschließen.

Die Therapie der Wahl ist das Eincremen der betroffenen Hautareale mit kortisonhaltigen Salben – bei nässendem Ausschlag eher mit wasserreicher O/W-Emulsion (z. B. Dermatop® Creme mit Prednicarbat), bei trockenem Ausschlag mit fettreicheren Kortisonpräparaten.

Selbstbehandlung und Vorsorge

Der wichtigste Aspekt bei der Behandlung und Vorbeugung eines toxischen Kontaktekzems besteht darin, den Auslöser zu meiden. Ist dies nicht möglich, steht der Schutz der Haut im Vordergrund. Diesem Ziel dient z. B. das Tragen von Schutzhandschuhen oder das Eincremen mit speziellen Hautschutzsalben. Um die gestörte Barrierefunktion wiederherzustellen, benötigt die gestresste Haut intensive Pflegemaßnahmen, wie sie beim allergischen Kontaktekzem (Kontaktallergie) beschrieben sind.

Komplementärmedizin

Die naturheilkundliche Therapie entspricht bei akuten Formen den Maßnahmen beim allergischen Kontaktekzem (Kontaktallergie). Für chronische Verlaufsformen empfiehlt sich im Wesentlichen die gleiche Behandlung wie bei Neurodermitis.

Hydrotherapie und Pflanzenheilkunde. Kneippsche Güsse, Wechselbäder sowie Umschläge mit Arnika oder Kamille erwiesen sich als besonders wirksam.

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