Nieren und Harnwege


Hintergrundwissen Niere und Harnwege

Aufbau und Funktion von Nieren und Harnwegen

Zum Harnsystem zählen die Nieren, die Harnleiter, die Blase und die Harnröhre.

Nieren

Die Nieren (ren, Mehrzahl renis) sind zwei bohnenförmige Organe, die oberhalb der Taille links und rechts neben der Wirbelsäule liegen. Die Niere eines Erwachsenen ist etwa 10 cm lang, 5 cm breit und wiegt ~ 150 g. Zu ihrem Schutz sind die Nieren in eine dicke Fettschicht eingelagert.

Die Nieren sind Filterstationen, Hormonproduzenten und Blutdruckregulatoren. Ihre Hauptaufgabe ist, Wasser, Mineralien und Stoffwechselabbauprodukte auszuscheiden. Pro Tag filtern die Nieren mit den Nierenkörperchen (Glomerula) ~ 170 l Primärharn aus dem Blut, wovon jedoch nur 1–2 l den Körper als Urin (Endharn) verlassen. Die restliche Flüssigkeit wird wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt (Rückresorption), sonst würde man innerhalb von weniger als einer Stunde austrocknen und alle lebensnotwendigen Salze verlieren. Dieses Filtern und Resorbieren findet in einem schleifenförmigen System von winzigen Röhren (Tubuli) statt, an dessen Ende sich der konzentrierte Urin im Nierenbecken sammelt.

Die Nieren bilden drei Hormone:

  • Renin, das den Blutdruck reguliert
  • Erythropoetin (EPO), das zur Bildung der roten Blutkörperchen benötigt wird 
  • Vitamin D3 als Hormonvorstufe, das für den Kalziumhaushalt und somit für den Knochenstoffwechsel wichtig ist.

Die Nieren greifen nicht nur mit dem Hormon Renin in die Regulation des Blutdrucks ein. Indem sie Wasser aus dem Primärharn in den Körper zurückführen, regulieren sie den Flüssigkeitshaushalt und somit auch den Blutdruck.

Im Urin befinden sich viele Stoffe, die ausgeschieden werden müssen. Dazu zählen Endprodukte des Stoffwechsels wie Kreatinin, Harnstoff und in kleinsten Beimengungen Ammoniak, der abgestandenem Urin den stechenden Geruch verleiht. Auch viele Abbauprodukte von Medikamenten und Giftstoffe werden über die Nieren ausgeschieden. Zusätzlich sorgen die Nieren für das Gleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt.

Harnwege und Harnblase

Der in den Nieren produzierte Urin sammelt sich in den Nierenbecken und fließt kontinuierlich durch die Harnleiter (Ureter) zur Harnblase (Vesica urinaria), einem Hohlorgan, das von kräftigen Muskeln umgeben ist und in dem der Urin einige Zeit gespeichert wird. Haben sich ~ 250 ml Urin angesammelt, kommt es zum Harndrang, wobei die Harnblasenschließmuskeln (Sphinkter) weiterhin den Verschluss der Blase gewährleisten und der Gang auf die Toilette somit noch nicht zwingend nötig ist.

Unangenehm wird der Harndrang erst, wenn die Blase mit 350–500 ml Urin gefüllt ist. Entleert wird die Harnblase normalerweise über einen kontrollierbaren Reflex: Der Harnblasenmuskel (Detrusor) zieht sich zusammen, gleichzeitig erschlafft der Schließmuskel und der Urin fließt über die Harnröhre (Urethra) ab. Bei Frauen ist die Harnröhre nur 2,5–4 cm kurz, bei Männern hingegen zieht sie sich 20–25 cm lang durch den ganzen Penis. Durch die kurze Harnröhre leiden Frauen häufiger an einer Blasenentzündung. Aufsteigende Bakterien haben bei Frauen einen kürzeren Weg bis zur Harnblase. 

Bildgebende Verfahren in der Urologie

Ultraschall. Die Standard-Untersuchungsmethode der Nieren und der ableitenden Harnwege ist der Ultraschall, mit dem der Arzt Größe und Form der Nieren beurteilt. Mit dem Ultraschall erkennt er auch größere Eiterherde, einen Tumor oder Steine innerhalb der Nieren. Eine spezielle Form des Ultraschalls, die Farbduplexsonografie, erlaubt ihm die Beurteilung des Blutflusses von und zu den Nieren.

Auch die Restharnmessung (Restharnbestimmung) erfolgt mit dem Ultraschall. Der Restharn ist die Menge an Urin, die nach dem Wasserlassen (Miktion) in der Blase zurückbleibt (normalerweise < 50 ml).

Röntgen-Kontrastmitteluntersuchungen. Um die Bildung und den Weg des Urins von den Nieren bis zur Blase beurteilen zu können, benötigt der Arzt eine Röntgenaufnahme, das Ausscheidungsurogramm (AUG, Infusionsurogramm, Urogramm, i. v.-Pyelogramm). Dazu spritzt er dem Patienten ein jodhaltiges Kontrastmittel in eine Vene. Dieses reichert sich in den Nieren an, weil es über die Nierenkanälchen ausgeschieden wird. Somit lassen sich Veränderungen des Nierenbeckens, Abflussbehinderungen und eventuell die Stelle, an der Nierensteine liegen, beurteilen. Harnleiter und Blase werden sichtbar.

Arbeitet eine Niere nicht mehr einwandfrei, ist die Ausscheidung des Kontrastmittels auf der betroffenen Seite reduziert. Genauer lässt sich die Nierenleistung darstellen, wenn schwach radioaktives Kontrastmittel gespritzt wird und eine Gammakamera die seitengetrennte Clearance, also die Ausscheidungsleistung der beiden Nieren, aufzeichnet.

Abzugrenzen vom Ausscheidungsurogramm, bei dem das Kontrastmittel in die Vene injiziert wird, sind die retrograden Kontrastdarstellungen: Hier wird das Kontrastmittel vom Ende des Harnleiters oder der Harnröhre („retrograd“) nach oben gespritzt. Hierzu gehört die Ureterpyelografie (Kontrastmittel wird von der Blase aus direkt in einen der beiden Harnleiter eingebracht), mit der die Abflussverhältnisse von Nieren und Harnleiter beurteilt werden. Das Urethrozystogramm (Cystourethrogramm, CUG) dient zur Darstellung der Harnröhre. Hier wird Kontrastmittel direkt in die Harnröhre gespritzt, um z. B. Engstellen zu beurteilen. Beim Miktionszysto-Urethrogramm (MCU, Miktionszysto-Urethrografie) wird das Kontrastmittel über einen Blasenkatheter in die Blase gefüllt. Entleert der Patient nach Entfernung des Katheters die Blase, lässt sich z. B. ein vesikorenaler Reflux erkennen. Zusätzlich stellt sich auch die Harnröhre gut dar.

CT und Kernspin dienen vor allem zur Diagnose und Beurteilung von Fehlbildungen und Tumoren der Nieren und der Blase. Beide Verfahren können auch mit Kontrastmittel durchgeführt werden.

Dialyse

Dialyse. Reinigung des Bluts außerhalb (Hämodialyse) oder innerhalb (Peritonealdialyse) des Körpers bei völligem Versagen beider Nieren. Rund 60 000 Patienten in Deutschland sind dauerhaft auf die Dialyse angewiesen.

Hämodialyse

Die Aufgabe der Nieren, Schadstoffe aus dem Blut zu filtern, wird ersatzweise von einer Maschine („künstliche Niere“) übernommen, an die der Patient mehrmals pro Woche angeschlossen wird. Das Blut wird durch einen externen Filter geleitet, gereinigt und wieder in den Körper zurückgeführt.

Behandlungsort. Normalerweise sucht der Patient für die Dauer der Dialyse eine spezielle Dialysestation im Krankenhaus oder ein ambulantes Dialysezentrum auf. Ist ein Patient gesundheitlich stabil, kann die Hämodialyse unter gewissen Voraussetzungen auch zu Hause durchgeführt werden (Heimdialyse).

Wirkprinzip. Zunächst wird dem Patienten in einer kleinen Gefäßoperation am Unterarm ein (Cimino-)Shunt gelegt, ein Gefäßkurzschluss zwischen Unterarmarterie und -vene. Über diesen Zugang wird das Blut des Patienten in das Dialysegerät geleitet. In der Maschine strömt das Blut an einer Flüssigkeit (Dialysat) vorbei, die im Wesentlichen aus Wasser, Salzen und eventuell Blutzucker besteht. Blut und Dialysat fließen in entgegensetzte Richtungen und sind durch eine halbdurchlässige Membran getrennt. Diese Membran arbeitet wie eine Filterstation („Blutwäscher“): Da die Konzentration von Feststoffen im Dialysat anders ist als im Blut, treten Schadstoffe und Wasser aus dem Blut in das Dialysat über – das Blut wird gereinigt und überschüssiges Wasser aus dem Körper entfernt. Gleichzeitig erhält der Patient aus dem Dialysat lebensnotwendige Salze. Nach einiger Zeit wird das gereinigte Blut in den Blutkreislauf des Patienten zurückgepumpt. Damit sich während der Dialyse keine Blutgerinnsel in den Schläuchen bilden, wird die Gerinnung des Bluts mit Medikamenten verhindert.

Komplikationen. Folgenden Komplikationen können bei einer (Hämo-)Dialyse auftereten:

  • Der Shunt stellt bei mangelnder Hygiene eine Infektionsgefahr (vor allem durch Hautkeime) für den Patienten dar, denn er stellt eine direkte Verbindung zwischen Außenwelt und Blutkreislauf des Körperinneren dar. Möglich sind die Bildung von Abszessen und Blutvergiftung.
  • Durch den Flüssigkeitsentzug während der Dialyse sinkt der Blutdruck ab. Dadurch leiden manche Patienten unter Kreislaufproblemen.
  • In Folge der Blutverdünnung kommt es manchmal an den Einstichstellen zu unstillbaren Blutungen. Umgekehrt kann der Shunt auch durch geronnenes Blut verstopfen.
  • Selten treten durch ein zu schnelles Entfernen von Harnstoff aus dem Blut Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen und Krampfanfälle auf.

Heim-(Hämo-)Dialyse. Blutreinigung außerhalb des Körpers nach dem Prinzip der Hämodialyse, aber an einem speziell eingerichteten häuslichen Behandlungsplatz. Hierfür muss der Patient in einem medizinisch stabilen Zustand sein. Der große Vorteil für den Patienten liegt darin, dass seine Unabhängigkeit und seine Privatsphäre zu Hause gewahrt bleiben. Da die Heimdialyse nicht alleine durchführbar ist, braucht der Patient einen Partner, der für die Bedienung des Dialysegeräts geschult wurde.

Voraussetzungen. Für eine Heimdialyse benötigt man viel Platz für das Dialysegerät und das zugehörige Material. Manchmal müssen auch einige Umbauten (Wasseranschluss, Klimaanlage) vorgenommen werden. Zur Sicherheit müssen Arzt und Pflegepersonen jederzeit telefonisch erreichbar und in der Nähe sein.

Peritonealdialyse

Peritonealdialyse. Blutreinigung ohne Dialysemaschine. Das gut durchblutete Bauchfell dient als Filterstation. Sie wird deshalb auch Bauchfelldialyse genannt. Der Patient führt diese zu Hause durch.

Wirkprinzip. Das Dialysat wird aus einem Beutel über einen implantierten Katheter in die Bauchhöhle des Patienten geleitet. Eine blutzuckerhaltige Flüssigkeit im Dialysat entzieht dem Blut Wasser und Schadstoffe, wobei das Bauchfell als Filter zwischen Blut und Dialysat wirkt, ähnlich der halbdurchlässigen Membran bei der Hämodialysemaschine. Während der Filterzeit kann der Patient sich frei bewegen. Darin liegt der Hauptvorteil dieser Dialysemethode. Nach einer gewissen Zeit wird das verbrauchte Dialysat in den externen Beutel abgelassen. Es gibt zwei verschiedene Methoden:

Bei der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) wechselt der Patient vier- bis fünfmal pro Tag das Dialysat (~2 l) in der Bauchhöhle, muss allerdings immer die Flüssigkeit im Bauchraum mit sich herumtragen.

Die automatisierte Peritonealdialyse (APD) findet überwiegend während der Nacht statt, sodass der Patient dank dieser Methode tagsüber unabhängiger ist. Daher eignet sie sich besonders für Berufstätige. Mit einer automatischen Pumpe, dem Cycler, werden etwa 12–15 l Dialysat in mehreren Durchgängen durch den Bauchraum geleitet und gewechselt.

Komplikationen. Sie drohen vor allem, wenn der implantierte Katheter verunreinigt ist und so Keime in die Bauchhöhle verschleppt werden und auf das Bauchfell übergreifen. Solche Bauchfellentzündungen sind lebensbedrohlich, weil sie rasch zur Blutvergiftung führen.

Selbsthilfe

Hämodialysepflichtig zu sein bedeutet einen großen Einschnitt in die persönliche Freiheit der Betroffenen. Die Dialyse bedeutet zugleich „Fluch und Segen“ für den Patienten: Fluch, da sie etliche Stunden pro Woche in Anspruch nimmt und der Patient seinen Alltag auf die Behandlung abstimmen muss. Segen, da sie lebenserhaltend und verlängernd ist. Viele Patienten realisieren erst nach und nach, dass die Hämodialyse sie ein Leben lang begleiten wird und ihr Leben von ihr abhängt. Zu Beginn der Therapie sind die Betroffenen froh, dass sie sich viel besser fühlen. Mit der Zeit führt die große Belastung für den Patienten und seine Familie jedoch zu psychischen und sozialen Problemen:

  • Sie können nicht mehr frei über ihre Zeit verfügen.
  • Die Karriere muss überdacht werden. Eventuell muss auf Teilzeit umgestellt oder die Arbeit ganz aufgegeben werden.
  • Trotz Hämodialyse muss eine strenge Diät eingehalten werden, was große Disziplin erfordert.
  • Viele Betroffene empfinden die Abhängigkeit von Dialysemaschine, Pflegepersonal und Ärzten als eine Art Entmündigung.
  • Da es keine Aussicht auf schnelle Heilung gibt – eine Nierentransplantation bietet den einzigen Ausweg aus der Dialysepflicht – entwickeln manche Patienten mit der Zeit eine Depression.

Deswegen gibt es für Dialysepatienten professionelle Hilfe zu vielen Problemen, denen sie sich im Alltag stellen müssen (Versicherungs- und Rentenfragen, geeignete Ferienorte, Sport, Ernährung).

Weiterführende Informationen

  • www.kfh-dialyse.de – Website des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation, Neu-Isenburg: Viele Informationen zu Nierenversagen, Dialyse und Nierentransplantation.
  • H. Sperschneider: Der Dialyse-Ratgeber. Trias, 2000. Wie Sie sich auf ein verändertes Leben leichter einstellen. Ratgeber mit alltagsnahen Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • H. Eder: Bunte Küche für Dialysepatienten. Kirchheim, 2007. Soll Dialysepatienten die Lust am Essen wieder zurückbringen. Nützlicher Ratgeber für Betroffene und deren Familien.

Die medizinischen Fachgebiete Nephrologie und Urologie

Die Nephrologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Der Nephrologe beschäftigt sich mit der Diagnose und der nicht chirurgischen Behandlung von Krankheiten der Nieren. Die Mehrzahl der Patienten mit Nierenerkrankungen wird jedoch von ihrem Internisten, Allgemein- oder Hausarzt betreut.

Die Urologie gehört zu den chirurgischen Disziplinen. Auch der Urologe befasst sich mit Diagnose und Therapie von Krankheiten der Nieren und der ableitenden Harnwege, jedoch stehen für ihn chirurgische Therapiemöglichkeiten, die operative Entfernung von Tumoren oder Steinen der ableitenden Harnwege im Vordergrund. Ferner ist der Urologe der Spezialist für Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane. Einige urologische Krankheiten werden, wenn sie Frauen betreffen, auch vom Frauenarzt diagnostiziert und behandelt (insbesondere die Harninkontinenz).

Harnblasenspiegelung

Die Harnblasenspiegelung (Urethrozystoskopie oder kurz Zystoskopie) ermöglicht dem Arzt die Beurteilung von Form, Größe und Lage der Harnleitermündungen, der Harnröhre sowie der Harnblase. Unterschieden wird zwischen der Untersuchung mit einem starren und einem flexiblen Endoskop, wobei letztere für den Patienten angenehmer, aber nicht immer einsetzbar ist. Bei Kindern wird diese unangenehme Untersuchung unter Vollnarkose durchgeführt.

Mit einem starren Endoskop untersucht der Arzt die Harnröhre und das Zentrum des Blaseninneren mit der Vorausblickoptik, die äußeren Partien der Blasenwand hingegen mit der Seitenblickoptik, denn diese sind mit der geraden Optik nicht einsehbar.

Bei der Nierenbiopsie wird Nierengewebe entnommen, feingeweblich aufgearbeitet und unter dem Mikroskop betrachtet, z. B. bei Verdacht auf eine Glomerulonephritis. Dabei schiebt der Arzt nach einer örtlichen Betäubung unter Ultraschallkontrolle eine spezielle Biopsienadel durch die Haut in die Niere und entnimmt ein kleines Stück Gewebe.

Nierentransplantation

Nierentransplantation. Ersatz der eigenen, funktionslosen Nieren durch eine Spenderniere. Die eigenen Nieren bleiben normalerweise im Körper und die neue Niere wird in das Becken eingepflanzt. In Deutschland leben rund 20 000 Menschen mit einer Spenderniere und weitere 10 000 stehen auf der Warteliste. Jährlich werden nur 2 500 Nieren transplantiert, weshalb die Wartezeit für ein Spenderorgan bei mehreren Jahren liegt. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt für einen Organempfänger bei etwa 90 %, wenn ihm die Niere eines nahen Verwandten transplantiert wird, ansonsten bei etwa 70 %.

Eine funktionierende Spenderniere macht den Empfänger unabhängig von der Dialyse. Er muss auch keine strikte Diät mehr einhalten und kann wieder in das Berufsleben zurückkehren. Die Transplantation birgt jedoch auch zahlreiche Risiken wie Abstoßungsreaktionen und Infektionen. Hinzu kommen schwere Nebenwirkungen wegen der zahlreichen Medikamente, die zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion eingesetzt werden (Immunsuppression). Moderne Transplantationsmethoden erhöhen mittlerweile die Chance eine Spenderniere zu behalten. Auch Hochrisikopatienten, bei denen die Gefahr von Abstoßungsreaktionen groß ist, profitieren davon. Zu den Hochrisikopatienten zählen etwa Frauen nach der Schwangerschaft oder Menschen, die bereits eine Bluttransfusion oder eine Transplantation erhielten. Bei ihnen sorgen Antikörper dafür, dass der Organismus das Spenderorgan abstößt. Das gleiche passiert auch, wenn Gewebemerkmale von Spender und Empfänger zu verschieden sind. Diese Antikörper können mittlerweile aus dem Blut gewaschen werden: dank der Plasmapherese. Dafür nehmen Ärzte den Patienten vor und nach der Transplantation Blut ab. Sobald die Antikörper entfernt sind, bekommen die Patienten ihr Blut zurück. Um sicher zu gehen, dass auch keine Antikörper neu gebildet werden, erhalten die Patienten zusätzlich ein Medikament, das die antikörperproduzierenden Zellen zerstört.

Die Lebensqualität und die Lebenserwartung nach einer Nierentransplantation hängen von vielen Faktoren ab:

  • Stammt die transplantierte Niere von einem toten oder einem lebenden Spender?
  • Wie verträglich sind die Gewebe von Spender und Empfänger, wie gut passt die Niere zum Patienten?
  • Verträgt der Patient die Medikamente, die die Abstoßung der neuen Niere verhindern sollen?
  • Wie lange dauerte die Dialysepflicht des Patienten an, bevor ihm eine Niere transplantiert wurde?
  • Wie alt ist der Patient zum Zeitpunkt der Transplantation?

Um wie viele Jahre sich das Leben eines Patienten mit einer transplantierten Niere verlängern lässt, hängt also von vielen Faktoren ab. Den größten Erfolg versprechen Nierenspenden von lebenden nahen Verwandten.

Entschließt sich ein Mensch, einer nahestehenden Person eine Niere zu spenden, ist das oft mit Befürchtungen um die eigene Gesundheit verbunden. Die Risiken für den Spender sind jedoch gering, da er im Vorfeld der Operation sorgfältig untersucht wird. Haben die Ärzte den geringsten Zweifel am Gesundheitszustand und der Motivation des Spenders, wird die Transplantation nicht durchgeführt. Das Risiko, bei der Entnahme einer Niere zu sterben, ist geringer, als bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen. In der Regel kann der Spender mit einer gesunden Niere normal weiterleben. Er hat noch die gleiche Lebenserwartung wie vor der Spende, da die Leistung der verbleibenden Niere mehr als ausreicht – auch dann noch, wenn die Nierenfunktion altersbedingt absinkt.

Untersuchungen bei eingeschränkter Nierenfunktion

Normalerweise scheidet die Niere die Abbauprodukte des Eiweißstoffwechsels (Harnstoff) und Muskelstoffwechsels (Kreatinin) im Urin fast vollständig aus. Liegt eine Störung der Nierenleistung vor, vermindert sich die Ausscheidung dieser Substanzen, sodass sich diese im Blut anreichern. Die Konzentration von Harnstoff und Kreatinin im Blut gibt dem Arzt Aufschluss über den Grad der Funktionseinschränkung der Nieren:

  • Erhöhte Kreatininwerte im Blut finden sich bei einer Einschränkung der Nierenfunktion von mindestens 50 %.
  • Erhöhte Harnstoffwerte im Blut finden sich erst ab einer Einschränkung von 75 %.
  • Beginnende Nierenschäden und Funktionseinschränkungen bei Diabetes lassen sich bereits im Urin nachweisen, wenn eine Mikroalbuminurie (Ausscheidung kleinster Mengen des Bluteiweißes Albumin im Urin) vorliegt, wobei der Suchtest auf Eiweißausscheidung (Proteinurie ) mit Urin-Teststreifen noch negativ ausfällt.
  • Eine gängige Methode zur Beurteilung der Nierenfunktion ist die Kreatinin-Clearance (Clearance = Reinigungsfunktion bzw. Ausscheidungsleistung), zu deren Bestimmung Blut und 24-Stunden-Sammelurin benötigt werden. Zusammen mit Körpergewicht und Größe des Patienten lässt sich daraus die Ausscheidungsleistung der Nieren für Kreatinin als Indikator berechnen. Der Wert der Kreatinin-Clearance ist ein Anhaltspunkt für die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die Auskunft gibt über die Blutmenge, die die Nieren pro Minute reinigen können. Beide Werte sinken bei eingeschränkter Nierenleistung.
  • Die Nierenleistung läßt sich analog zur Kreatinin-Clearance mithilfe von Cystatin C bestimmen. Dieses Stoffwechseleiweiß wird im Urin ausgeschieden.

Urindiagnostik

Zahlreiche Verfahren stehen dem Arzt zur Verfügung, um Erkrankungen der Nieren und Harnwege zu diagnostizieren. Dabei beginnt er meist mit Urinuntersuchungen, denn im Urin finden sich oft erste Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. Darüber hinaus steht ihm ein ganzes Spektrum von (weiterführenden) Untersuchungen zur Verfügung, so z. B. Blutuntersuchungen, Ultraschall, aber auch Kernspin und Röntgen-Kontrastmitteluntersuchungen.

Die Urindiagnostik liefert dem Arzt Schlüsselinformationen zum Erkennen und zur Verlaufsbeobachtung urologischer oder internistischer Erkrankungen. Konkret beurteilt wird dabei von ihm bzw. dem Fachlabor der Urin nach Menge, Farbe und Inhaltsstoffen. Auch lassen sich die Abbauprodukte vieler Arzneimittel wie Beruhigungsmittel oder Drogen wie Cannabis nachweisen.

Beurteilung der Urinmenge. Im Durchschnitt verliert ein Erwachsener pro Tag 1,5 l Wasser über den Urin. Diese Urinmenge schwankt – je nachdem, wie viel Wasser aufgenommen und über andere Ausscheidungswege wie Schweiß, Atmung oder Stuhl verloren wird. Weicht die tägliche Urinmenge stark vom Durchschnitt ab, weist dies meist schon auf eine Krankheit hin. Um die Urinmenge zu beurteilen, wird der Urin während 24 Stunden in einem Messbehältnis gesammelt (24-Stunden-Sammelurin) und gegebenenfalls im Labor untersucht. Beträgt die tägliche Urinmenge mehr als 3 l pro Tag, spricht man von Polyurie und bei Urinmengen unter 0,5 l von Oligurie. Beträgt sie weniger als 100 ml in 24 Stunden, spricht der Mediziner von Anurie, die bei akutem Nierenversagen eine der Leitbeschwerden ist.

Beurteilung der Urinfarbe. Der Urin ist je nach Trinkmenge und Konzentration abgebauter Gallenfarbstoffe hell- bis dunkelgelb. Befinden sich in größeren Mengen Fremdstoffe im Urin, so ist die Verfärbung mit bloßem Auge erkennbar: Besonders Blutbeimengungen (Hämaturie) geben wichtige diagnostische Hinweise. Wenn sie mit bloßem Auge erkennbar ist, spricht man von Makrohämaturie. Da aber auch größere Mengen Rote Bete und Brombeeren den Urin rötlich färben, reicht die Urinfarbe zur Diagnosesicherung nicht aus – Urin-Teststreifen liefern hier den sicheren Beweis. Mikroskopisch kleine Blutbeimengungen heißen Mikrohämaturie.

Bei Schädigungen von Leber und Gallenblase, die mit einem Gallestau und Gelbsucht einhergehen, ist der Urin typischerweise dunkelbraun. Gleichzeitig ist der Stuhl hell, Haut und Schleimhäute sind eventuell gelblich. Ist der Urin trüb und riecht unangenehm, deutet das auf eine Vermischung mit Eiter hin (Pyurie), was bei einer bakteriellen Blasenentzündung der Fall ist.

Chemische Urinanalyse. Um die Menge und Konzentration ausgeschiedener Substanzen zu bestimmen, wird oft der 24-Stunden-Sammelurin verwendet, denn manche Substanzen werden in schwankenden Mengen in den Urin abgegeben. Für den Arzt ist zudem der Nachweis vieler, meist nicht direkt sichtbarer Substanzen im Urin interessant. Diese lassen sich mit Urin-Teststreifen einfach untersuchen. Am häufigsten prüft der Arzt:

  • Die harnpflichtigen Substanzen (müssen über den Urin ausgeschieden werden) wie Kreatinin und Harnstoff
  • Beimengungen von Eiweiß (Proteinurie)
  • Mikroskopisch kleine Mengen Blut (Mikrohämaturie)
  • Blutzucker (Glukosurie)
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die auf Entzündungen hinweisen
  • Nitrit, das nur von Bakterien gebildet wird und daher eine bakterielle Blasenentzündung anzeigt.

Nachweis von Harnwegsentzündungen. Bei Verdacht auf eine Harnwegsentzündung untersucht der Arzt den Mittelstrahlurin. Zunächst lässt der Patient etwas Urin abfließen, um möglicherweise außen an der Harnröhrenöffnung anhaftende Keime wegzuspülen. Anschließend leitet er den mittleren Teil des Urins in einen Sammelbecher. Der restliche Urin fließt wiederum in die Toilette. Im Labor wird die Urinprobe auf ein Nährmedium gebracht, auf dem sich im Urin enthaltene Bakterien rasch vermehren (Urinkultur). Die Bestimmung der Bakterienmenge, der Bakterienart, das Antibiogramm und damit das Ergebnis der Urinkultur liegen in der Regel nach 24–48 Stunden vor. Ergänzend hierzu wird das Urinsediment bestimmt, bei dem die festen Bestandteile des Urins durch Zentrifugieren angereichert werden und das so entstandene Sediment unter dem Mikroskop betrachtet wird.

Lässt sich der Mittelstrahlurin auf natürlichem Weg nicht gewinnen, entnimmt der Arzt den Urin direkt aus der Harnblase, indem er einen dünnen Schlauch (Katheter) durch die Harnröhre in die Harnblase schiebt, um den Urin direkt abzuleiten (Katheterurin).

Dreigläserprobe. Diese spezielle Untersuchung dient dem Arzt dazu, bei männlichen Patienten zwischen bakterieller Entzündung der Harnwege und der Prostata zu unterscheiden. Hierzu untersucht der Arzt drei unterschiedliche Urinportionen: Ersturin (die ersten 5 ml des Urins für die Harnröhre) und 5 ml Mittelstrahlurin. Anschließend wird die Prostata massiert, bis sich Prostatasekret (Prostataexprimat) bildet und zusammen mit dem restlichen Urin (Exprimaturin) abfließt. Meistens ist jedoch die einfache Urinuntersuchung vor und nach Prostatamassage ausreichend.

Urodynamik, Blasendruckmessung, Harnstrahlmessung

Mit der Urodynamik (urodynamische Messung) untersucht der Arzt die Funktion der ableitenden Harnwege. Zusammengesetzt ist sie aus diesen drei Untersuchungen: Blasendruckmessung, Harnstrahlmessung und Harnröhrendruckprofil.

Aufgezeichnet werden dabei Daten zur Funktion des Harnblasenmuskels (zieht sich zusammen und leitet so das Wasserlassen ein) und der Harnblasenschließmuskeln (schließt die Blase) während der Speicherungs- und der Entleerungsphase der Harnblase.

Unerlässlich ist die Urodynamik im Rahmen der Inkontinenzdiagnostik, um zu klären, an welcher Form der Harninkontinenz ein Patient leidet. Aber auch bei vielen anderen urologischen Erkrankungen wie z. B. der Prostatavergrößerung ist die Urodynamik im Hinblick auf die Therapieplanung wertvoll.

Idealerweise werden die Daten über einen PC-gesteuerten Messplatz aufgezeichnet. Der Druck im Bauchraum wird über eine Enddarmsonde erfasst. Eine gleichzeitige Röntgenuntersuchung von Harnblase und Harnröhre während des Wasserlassens (Videourodynamik) kann weitere wertvolle Daten liefern.

Blasendruckmessung. Mit der Blasendruckmessung (Zystometrie, Zystomanometrie) prüft der Arzt die Funktion des Blasenmuskels (Detrusor), während sich die Harnblase füllt und während sie Urin speichert. Abgeklärt werden Reizzustände der Harnblase, Blasenentleerungsstörungen sowie die verschiedenen Formen einer Harninkontinenz.

Bei der Messung der Blasenfunktion wird eine bestehende unkontrollierte Aktivität des Blasenmuskels aufgezeichnet. Dazu wird die Blase abhängig von den Symptomen über einen Messkatheter mit unterschiedlicher Füllgeschwindigkeit (langsam, mittel, schnell), aufgefüllt.

Der Patient gibt an, ab wann er einen Harndrang verspürt, wodurch der Arzt auch das Füllungsvermögen der Harnblase beurteilen kann. Zwischendurch hustet der Patient mehrfach, um einen eventuellen Urinverlust zu provozieren. Wenn die Blase vollständig gefüllt ist, soll der Patient – falls möglich – bei liegendem Messkatheter wasserlassen.

Harnstrahlmessung. Die Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie, Harnflussmessung) erfolgt hier im Anschluss an die Blasendruckmessung, um jegliche Beschwerden des Wasserlassens abzuklären, z. B. ein schwacher Harnstrahl – sie wird aber auch als separate Untersuchung ohne Blasendruckmessung eingesetzt.

Der Patient kommt mit gefüllter Blase zum Arzt und wird aufgefordert, in den Trichter des Uroflow-Geräts ganz normal Wasser zu lassen, bis er das Gefühl hat, „fertig zu sein“ – was jedoch aufgrund der Untersuchungssituation nicht immer auf Anhieb gelingt. Die ermittelten Blasendruckwerte und die vom Gerät aufgezeichnete Kurve (ml Urin pro Sekunde) liefern dem Arzt Hinweise, warum der Urinabfluss behindert ist. Möglicherweise besteht eine Prostatavergrößerung oder eine Harnröhrenstriktur.

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Abgebildet sind Uroflowmetrie-Referenzkurven: Mit ihnen vergleicht der Arzt die erhaltene Kurve der Harnstrahlmessung des Patienten und kann abschätzen ob der Befund normal, verdächtig oder krankhaft verändert ist.

Harnröhrendruckprofil. Ein Harnröhrendruckprofil (Urethradruckprofil, Sphinkterometrie) wird bei Verdacht auf Belastungsinkontinenz) durchgeführt. Dieses Profil zeigt, bis zu welchem Druck die Blase verschlossen bleibt. Die Messung erfolgt in Ruhe und unter Belastung (während der Patient hustet).

Der Patient kommt mit entleerter Blase und setzt sich mit entkleidetem Unterleib auf einen Untersuchungsstuhl. Ein dünner Messkatheter wird durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Über eine mechanische Hebelvorrichtung wird der Katheter mit konstanter Geschwindigkeit mehrmals in die Harnröhre zurückgezogen und wieder in die Blase vorgeschoben. Ist der Verschluss bereits in Ruhe deutlich beeinträchtigt, korrigiert der Arzt operativ die Lage von Blase und Harnröhre.

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