Herz, Gefäße, Kreislauf


Erkrankungen der Venen

Akute Thrombophlebitis

Akute Thrombophlebitis (oberflächliche Venenentzündung): Überwiegend die Beine betreffende, umschriebene, nicht infektiöse Entzündung der oberflächlichen Venen mit Blutgerinnselbildung im betroffenen Venenabschnitt.

Eine akute Thrombophlebitis wird durch eine oberflächliche Venenwandreizung ausgelöst. Sie tritt entweder ohne erkennbare Ursache auf, kann Begleiterscheinung einer schweren Grundkrankheit (z. B. an der Bauchspeicheldrüse) sein oder infolge äußerer Verletzungen bzw. an den Armen auch durch die Gefäßwand reizende Infusionen ausgelöst werden. An den Beinen entsteht eine Thrombophlebitis meist in den erweiterten, gestauten Krampfadern.

Leitbeschwerden

Gerötete, überwärmte, oft verhärtete druckschmerzhafte Venen.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn eine schmerzhafte Rötung einer Vene bemerkt wird.

Die Erkrankung

Bei der Thrombophlebitis bleiben die Entzündung und Blutgerinnselbildung meist auf das oberflächliche Venensystem beschränkt. Der Blutfluss in den tiefgelegenen Venen, über die das Blut zum Herzen zurückströmt, wird nicht beeinflusst. Die Thrombophlebitis ist eine relativ häufige Begleiterscheinung bei Patienten mit fortgeschrittenen Krampfadern. Meist entzündet sich nur ein kurzer Venenabschnitt, der sich dann durch Blutgerinnung verschließt und durch Rötung, Schwellung, Überwärmung und Druckschmerz auffällt. Blutgerinnsel des oberflächlichen Venensystems lösen im Gegensatz zur Thrombose des tiefen Venensystems, tiefe Venenthrombose, keine Embolien aus, dafür aber oberflächliche Hautgeschwüre (Ulcera crures).

Wenn als seltene Komplikation eine bakterielle Besiedlung der Venenentzündung auftritt, kann sie Ausgangspunkt einer Blutvergiftung, Sepsis, werden.

War das Venensystem allerdings zuvor stets gesund, können auch ernstere Erkrankungen Ursache für die oberflächliche Venenthrombose sein. So kommen bei jüngeren Patienten neben einer Thrombophilie eher Autoimmunerkrankungen in Frage, bei älteren Patienten eher Malignome.

Das macht der Arzt

Wichtig ist es zunächst, die oberflächliche Thrombophlebitis von einer Thrombose der tiefen Vene, Phlebothrombose, abzugrenzen. Grundsätzlich sollte aber immer noch per Ultraschall – z.B. mit einer Duplexsonografie – nach einer Thrombose der tiefen Beinvenen gefahndet werden.

Das Anlegen eines Kompressionsverbandes sowie kühlende und entzündungshemmende Auflagen lindern die Beschwerden und führen zur Heilung. Bei Bedarf können auch vorübergehend Schmerztabletten eingenommen werden. Wenn die Entzündung durch eine Infusion oder einen Katheter ausgelöst wurde, entfernt sie der Arzt.

Auch wenn die Untersuchung eine isolierte Thrombophlebitis ergibt, sollte doch zumindest ab einer Streckenlänge von 5 cm zusätzlich zur frühen Mobilisierung und Kompressionsbehandlung möglichst rasch auch medikamentös für 30–40 Tage antithrombotisch behandelt werden, um Komplikationsrisiken auszuschließen.

Bei einer frischen Thrombophlebitis kann der Heilungsverlauf abgekürzt werden, wenn das thrombotische Material in örtlicher Betäubung über einen kleinen Hautschnitt aus dem Gefäß entfernt wird. Wenn sich Hinweise auf eine bakterielle Entzündung ergeben (z. B. Fieber), werden Antibiotika eingesetzt. Begleitend kann eine entzündungshemmende Therapie mit hochdosierten Enzymen (z. B. Phlogenzym®) zweckmäßig sein.

Bettruhe ist nicht notwendig, sondern sogar schädlich, denn Bewegung verhindert die Ausweitung der Thrombose. Besteht die Gefahr eines Übergreifens der Thrombose auf das tiefe Venensystem, werden vorbeugend Heparin-Spritzen zur Gerinnungshemmung gegeben.

Manchmal dauert es Wochen, bis die Entzündung ganz abgeklungen ist. Bei wiederholten Entzündungen von Krampfadern ist eine konsequente Kompressionstherapie oder eine operative Beseitigung der Krampfadern ratsam.

Chronisch venöse Insuffizienz und offenes Bein

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI, chronisch venöses Stauungssyndrom): Haut- und Bindegewebsveränderungen an den Beinen, vor allem den Unterschenkeln, als Folge einer anhaltenden Blutstauung bei Störung des venösen Blutrückflusses, am häufigsten wegen Funktionsverlustes von Venenklappen im tiefen Venensystem.

Die chronisch venöse Insuffizienz ist entweder Spätfolge einer tiefen Beinvenenthrombose und wird dann auch postthrombotisches Syndrom (PTS) genannt, oder sie beruht auf einer anlagebedingten Krampfaderbildung, primäre Varikose. In seltenen Fällen sind Kurzschlussverbindungen zwischen Venen und Arterien, AV-Fisteln, Ausgangspunkt einer chronisch venösen Insuffizienz.

Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die chronisch venöse Insuffizienz führt selten zu akuten Komplikationen, bedingt aber oft lange und ausführliche Pflege des betroffenen Beins.

Leitbeschwerden

  • Besenreiser an den Fußrändern und oberhalb der Fußknöchel in Verbindung mit abendlichen Knöchelödemen
  • Dumpfe Schmerzen und unerträgliches Spannungsgefühl im Bein, vor allem nach längerem Stehen
  • Im unteren Unterschenkel rotbraune Flecken und weißliche Hautverfärbungen
  • Oft gerötete, nässende, schuppende Haut am gestauten Unterschenkel, verbunden mit brennendem Juckreiz
  • Extreme Verletzungsanfälligkeit: Selbst kleinste Wunden heilen über viele Tage nicht zu oder entwickeln sich zum chronischen Geschwür
  • In fortgeschrittenen Stadien: Haut nicht mehr in Falten abhebbar, umfasst oft gamaschenartig das gesamte untere Unterschenkeldrittel und wird derb, hart und fest.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn sich die genannten Beschwerden verschlimmern oder neu auftreten.

Am nächsten Tag, wenn sich am Unterschenkel eine offene Hautstelle bildet.

Die Erkrankung

Eine dauerhaft mangelhafte Entstauung der Beine führt zur Erhöhung des Venendrucks und damit zum Austritt von Flüssigkeit und Blutbestandteilen in das Bindegewebe. Dadurch kommt es dort über Monate und Jahre zu chronischen Entzündungen, die eine Verdickung und Verhärtung der Haut, des Unterhautzellgewebes bis hin zur darunter liegenden Bindegewebshülle (Muskelbinde) zur Folge haben.

Diese Veränderungen behindern den Stoffwechsel zwischen Haut und arterieller Blutversorgung. Entzündliche Vorgänge an der Muskelbinde führen zur bindegewebigen Einschnürung der Muskeln in ihrer Muskelhaut, so dass die darin verlaufenden Arterien abgedrückt werden und die arterielle Blutversorgung weiter behindern. Die Haut nimmt zunehmend Schaden. Sie wird empfindlicher, durchlässiger für schädigende Substanzen und anfälliger für die Entwicklung von allergischen und infektiösen Reaktionen. Die Haut wird derb und verletzungsempfindlich, entwickelt Ekzeme und schließlich offene Stellen, die der Mediziner Ulcus cruris oder ulcus venosum (offenes Bein) nennt. Sie heilen ohne fachkundige und wochenlange geduldige Pflege nicht mehr ab.

Ein offenes Bein entwickelt sich bevorzugt über Perforansvenen mit undichten Venenklappen und über Krampfadern im unteren Unterschenkeldrittel (meist am Innenknöchel). Der Wundschmerz in dieser Region wird durch die Fußbewegungen noch verstärkt. Dies führt dazu, dass das obere Sprunggelenk geschont wird und so mit der Zeit versteifen kann. Die Bewegungseinschränkung im oberen Sprunggelenk vermindert die Wirksamkeit der Muskelvenenpumpe und verstärkt somit die chronisch venöse Insuffizienz.

Der Arzt unterscheidet drei Schweregrade der chronisch venösen Insuffizienz (CVI):

  • CVI Grad I: Kleine erweiterte Venen an den Fußrändern, verbunden mit abendlichen Knöchelödemen
  • CVI Grad II: Zunehmende ödematöse Unterschenkelschwellungen mit fortschreitenden Hautschäden und vermehrtem Juckreiz
  • CVI Grad III: Ausbildung eines offenen Beins.

Das macht der Arzt

Die chronisch venöse Insuffizienz wird meist schon per Blickdiagnose erkannt – vor allem dann, wenn gleichzeitig Krampfadern vorliegen oder der Patient bereits eine tiefe Beinvenenthrombose hatte. Die Funktion der Venenklappen und die Durchgängigkeit der tiefen Beinvenen werden durch die Doppler- und die Duplexsonografie geprüft. Diese Ultraschalluntersuchungen haben die früher notwendige Phlebografie weitgehend abgelöst.

Zur Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz müssen der venöse Blutstau im Bein beendet und die Drainage so weit wie möglich verbessert werden. Sind ausschließlich Aussackungen und funktionslose Klappen des oberflächlichen Venensystems und der Perforansvenen Ursache der Erkrankung, so ist durch konsequentes Tragen von Kompressionsstrümpfen oder durch eine Operation der Krampfadern eine vollständige Normalisierung des venösen Blutflusses zum Herzen möglich.

Kompressionsbehandlung. Liegt der chronisch venösen Insuffizienz ein postthrombotisches Syndrom mit Zerstörung von Venenklappen der tiefen Beinvenen zugrunde, so trägt die Operation oberflächlicher Krampfadern nicht wesentlich zur Entstauung des Beins bei. Hier bleibt nur die lebenslange Kompressionsbehandlung, um bleibende Hautschäden zu verhindern. Der durch Kompression erreichte höhere Gewebedruck fördert die Aufnahme der Gewebsflüssigkeit in die Venen und drückt die erweiterten tiefen Beinvenen so zusammen, dass auch ihre Venenklappen teilweise wieder funktionstüchtig schließen. Die Wirkung einer Kompressionsbehandlung wird stark verbessert, wenn die Muskelvenenpumpe aktiviert wird. Daher ist die gleichzeitige tägliche Bewegung wichtig, bei der vor allem die maximale Beweglichkeit im Sprunggelenk ausgeschöpft werden muss.

Als Zusatztherapie zum Kompressionsverband gibt es die Möglichkeit einer pneumatischen Kompressionstherapie (intermittierende apparative Kompression), bei der am liegenden Patienten durch abwechselnd aufgepumpte Luftkammern die Muskelpumpe der Beine nachgeahmt und damit der venöse Abfluss verbessert wird. Eine solche maschinelle Kompression, die im Rahmen eines Verbandswechsels mehrmals pro Woche zusätzlich angewendet werden kann, trägt zur schnelleren Heilung bei. Auch regelmäßige Lymphdrainagemassagen durch Physiotherapeuten fördern die Entstauung des Beins.

Operationen und andere Behandlungsmethoden. Zur lokalen Ulkustherapie hat sich die feuchte Wundbehandlung bewährt, z. B. mit Hydrokolloid- oder Polyurethanverbänden. Sie müssen nicht täglich gewechselt werden und beschleunigen den Wundheilungsverlauf verglichen zur trockenen Wundauflage beträchtlich. Leider handelt es sich um eine sehr teure Therapieform, die deshalb gern von niedergelassenen Ärzten aus Budgetgründen gescheut wird. Oft bringt aber auch erst die Verödung oder die operative Entfernung von Krampfadern bzw. die Unterbindung der Perforansvenen zum tiefen Venensystem im Ulkusbereich die erwünschte Heilung.

Bei ausgedehnten Beingeschwüren ohne erkennbare Heilungstendenz gibt es zwei weitere chirurgische Eingriffsmöglichkeiten. Bei der Shave-Therapie wird das Ulkus operativ abgetragen und die Wunde wird anschließend mit einem Hauttransplantat vom eigenen Oberschenkel verschlossen. Bei der Faszienchirurgie werden zusätzlich noch die verdickten Anteile der Muskelbinde, die die Beinmuskulatur und ihre Arterien einschnüren, gespalten oder entfernt. Dadurch wird Druck von den Muskelfasern und den Arterien genommen, eine Zunahme der Durchblutung des Wundgebiets wird erreicht, und die Erfolge der feuchten Wundbehandlung und des Anwachsens von Hauttransplantaten sind größer.

Wenn ein offenes Bein mit erheblichen Schmerzen einhergeht, ist eine abgestufte Schmerztherapie zur Verbesserung der Lebensqualität wichtig. Sie soll aber auch die Bewegung im betroffenen Bein und damit die Heilung fördern. Es wird mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, z. B. Ibuprofen oder anderen NSAR begonnen und diese bei Bedarf mit Opioiden und gegebenenfalls auch mit Antidepressiva ergänzt. Einer ergänzenden Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten sowie der Einnahme von Zinksulfat bei Zinkmangel und Vitamin C wurden ebenfalls günstige Einflüsse auf den Wundheilungsverlauf zugesprochen.

Auch lange bestehende offene Beine sind unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten heilbar. Ohne das lebenslange Tragen eines Kompressionsstrumpfes Klasse II lässt sich allerdings das erneute Aufbrechen des Ulkus nicht verhindern.

Selbsthilfe

Beim Leben mit chronisch venöser Insuffizienz hilft geduldige Selbstbeobachtung und die Bereitschaft, konsequent Situationen zu meiden, die zu geschwollenen Beinen und entsprechenden Schmerzen führen.

Kompressionstherapie. Auch wenn Stützstrümpfe nicht gut für die Eitelkeit sind, im Winter tolerieren sie fast alle Menschen (auch die Männer) und im Sommer sollten sie zumindest bei längerem Stehen nicht fehlen. Quälen sie an heißen Sommertagen, kann man sie zwischendurch nass machen – das kühlt nachhaltig für Stunden und ist in jedem Fall besser, als sie auszuziehen. Auf Maß angefertigte Kompressionstrümpfe der Kompressionsklassen II und III verbessern die Drainage der Beine gegenüber Stützstrümpfen (Klasse I wird nicht von den Krankenkassen übernommen) erheblich, auch wenn das An- und Ausziehen mühsam ist. Das Anziehen geht einfacher, wenn Sie den Kompressionsstrumpf noch vor dem Aufstehen anlegen, also wenn das Bein noch schlanker ist. Auch das Anpassen der Strümpfe sollte möglichst am Vormittag erfolgen. Neue Schuhe hingegen probieren Sie besser am Abend an, wenn die Füße schon etwas geschwollen sind.

Ein Kompressionsstrumpf bleibt bei täglichem Tragen 6 Monate voll funktionsfähig, dann lässt die Wirkung nach. In der Regel zahlen Krankenkassen zwei Paar Kompressionsstrümpfe pro Jahr (mit geringer Zuzahlung), die Anfertigung nach Maß ist kostenlos. Gegen einen Aufpreis kann der Träger sein Paar Strümpfe in der Wunschfarbe einfärben lassen.

Alltag und Beruf. An welchen Tagen werden die Beine bzw. das Bein besonders dick? Sind es heiße Tage? Oder dann, wenn die Sonne direkt auf die Beine scheint? Oder sind es bestimmte Situationen, z. B. beim Einkaufen?

Schlecht sind stehende Berufstätigkeiten wie der Verkauf im Einzelhandel. In diesem Fall sollte rechtzeitig ein Berufswechsel erwogen werden. Benutzen Sie bei längerem Sitzen in der Freizeit einen Sitzball (z. B. Pezziball®) statt eines Stuhls.

Schlafen. Viele Menschen mit chronischen Venenproblemen haben auch Schlafprobleme. Sie wachen irgendwann in der Nacht mit heißen oder schmerzenden Waden oder Füßen auf. Auch hier bringt Kühlung oft mehr Erleichterung als Salben. Entweder die Beine nachts einfach unbedeckt lassen oder, wenn das nicht reicht, die Beine auf ein feuchtes Handtuch legen. Stellen Sie das Fußende ihres Bettes etwas hoch, das entlastet die Beine.

Bewegung. Gut ist bewusstes Gehen von täglich einer halben Stunde in bequemem Schuhwerk, dies gilt auch für Patienten mit offenem Bein. Die Kompressionstherapie erfolgt mit Kompressionsbinden oder speziellen Ulkus-Strumpfsystemen, mit denen der erhöhte Venendruck vom Ulkus weggenommen wird. Bei gut trainierter Beinmuskulatur mit optimaler Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk trägt die Muskelvenenpumpe viel zur Heilung bei. Haben lang anhaltende Wundschmerzen bereits zu einer Einschränkung der Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk geführt, ist es daher wichtig, mit krankengymnastischer Unterstützung die optimale Beweglichkeit wieder zu verbessern.

Kleine Hautverletzungen. Auch bei größter Behutsamkeit beim An- und Ausziehen von Strumpf- und Schuhwerk und beim Spazierengehen lassen sich kleinste Kratzverletzungen oder Hautschürfungen nicht vermeiden. In fortgeschrittenen Fällen erfordern selbst kleinste Verletzungen wochenlange Pflegeaktionen, z. B. mit antiseptischen Jodsalben. Moderne Hydrokolloid-Verbände erleichtern nicht nur die Pflege, sondern beschleunigen auch das Zuheilen. Der geringe Mehrpreis kann sich lohnen. Im Zweifelsfall lieber den Hausarzt aufsuchen und um Rat bitten.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Eine Reihe von Studien belegen, dass Rosskastaniensamenextrakt zur Behandlung von chronischer Veneninsuffizienz effektiv ist, vor allem wenn die Anwendung über mehrere Monate erfolgt. Verfügbar sind standardisierte Fertigpräparate zur Einnahme (z. B. Aescorinforte® Kapseln, Aescusan® Filmtabletten, Perivar® Rosskastanien Retardtabletten) sowie zur äußerlichen Anwendung (z. B. Venostasin N®-Salbe für einen Salbenverband). Für Patienten, die Rosskastaniensamen nicht vertragen, sind eventuell Fertigarzneien auf der Basis von Mäusedornwurzel (z. B. Phlebodril mono® Kapseln) eine Alternative.

Auch Buchweizen- oder Steinkleekraut wird ein therapeutischer Effekt bei chronischer Veneninsuffizienz zugeschrieben. Wegen der geringeren Wirkstoffkonzentration sind Teezubereitungen mit diesen Heilpflanzen jedoch weniger wirksam.

Zur Behandlung von kleineren lokalen Gewebedefekten stehen ebenfalls einige Phytopharmaka zur Verfügung, z. B. Kamillenblütenextrakt (z. B. Kamillosan® Konzentrat Lösung für Umschläge) und/oder Fertigarzneien aus Hamamelis (z. B. Hametum®-Creme) oder Ringelblumenblüten (z. B. Calendumed®-Creme). Bei nässenden Ekzemen können Umschläge mit Eichenrindenextrakt (z. B. Eichenrinden-Extrakt®) versucht werden.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt zur Linderung der Beschwerden eine individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung. Homöopathische Mittel mit Bezug zur chronisch venösen Insuffizienz sind z. B. Carbo vegetabilis oder Sulfur.

Weiterführende Informationen

  • www.phlebology.de – Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie e. V. (DGP, Freiburg): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des offenen Beins (Ulcus cruris) und des Krampfaderleidens.

Krampfadern

Krampfadern (Varikosis, Varikose, Varizen): Sichtbare, oberflächlich unter der Haut verlaufende, krankhaft erweiterte Venen, zum Teil geschlängelt mit knotigen Aussackungen.

Krampfadern treten überwiegend an den Beinen auf und werden meist um das 30. Lebensjahr erstmals bemerkt. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Krampfadern sind eine Volkskrankheit, von der mehr als 30 % der Erwachsenen betroffen sind.

Leitbeschwerden

  • Kosmetisch störende Besenreiser und Krampfadern
  • Müde, schwere Beine
  • Schwellungsgefühl, Kribbeln, Jucken und Schmerzen in den Beinen
  • Beschwerdezunahme nach langem Stehen oder Sitzen und bei Hitze, Besserung der Beschwerden beim Hochlegen der Beine (genau umgekehrt ist es bei der pAVK)
  • Abendliche Schwellung der Fußknöchel
  • Nächtliche Wadenkrämpfe.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn zunehmend schwere Beine, Spannungsgefühl und Knöchelschwellungen nach längerem Stehen auffallen.

Die Erkrankung

Wenn sich die oberflächlichen Venen im Alter aufgrund des Elastizitätsverlusts der Gefäßwände erweitern und dadurch die Venenklappen undicht werden, entwickeln sich schleichend über Jahre hinweg Krampfadern. Dies geschieht zum Großteil aufgrund erblicher Veranlagung, wird aber durch langes Stehen oder Sitzen, Bewegungsmangel, Schwangerschaften und starkes Übergewicht begünstigt (primäre Varikose).

Daneben können Krampfadern auch Umgehungskreisläufe bei Abflusshindernissen (z. B. beim postthrombotischen Syndrom) im tiefen Venensystem bilden (sekundäre Varikose).

Die oberflächlichen Venen können sich fingerdick erweitern oder netzartig ausbreiten oder sich als Besenreiservarizen spinnwebenartig flächig ausbilden. Sie treten bevorzugt an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel sowie an der Rückseite des Unterschenkels auf.

Der gestörte Blutabfluss, der das Gefühl gespannter, schwerer, müder Beine verursacht, ist zunächst nur auf das oberflächliche Venensystem beschränkt. Werden auch die Perforansvenen von den degenerativen Veränderungen erfasst, kann Blut zwischen oberflächlichem und tieferem Venensystem zirkulieren, anstatt Richtung Herz abzufließen. In fortgeschrittenem Stadium führt der gestörte venöse Blutabfluss dazu, dass sich jetzt auch die tiefen Beinvenen erweitern und ihre Klappen undicht werden. Es droht eine chronisch venöse Insuffizienz, die auch als Endstadium oder Folgeschaden der tiefen Venenthrombose auftritt.

Ziel der Behandlung von Krampfadern ist, neben der Beschwerdelinderung oder der Beendigung wiederholter Krampfaderblutungen oder -entzündungen, auch die Ausweitung des Krankheitsverlaufs auf das tiefe Venensystem zu verhindern.

Wenn eine Krampfader zu bluten beginnt (Varizenruptur, Venenruptur), droht erheblicher Blutverlust. Legen Sie deshalb das Bein hoch und drücken Sie die blutende Vene mit einer Wundauflage ab, bis die Blutung zum Stehen kommt. Ein anschließender Druckverband verhindert eine Nachblutung. Er muss bis zum Verheilen der Wunde regelmäßig erneuert werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Operation oder Verödung der Vene zweckmäßig ist. Wiederholt blutende Krampfadern entziehen dem Körper durch den Blutverlust nicht nur viel Eisen, sondern können auch zum Ausgangspunkt schlecht heilender Wunden mit schweren Infektionen, offenes Bein, werden.

Das macht der Arzt

Die Untersuchung der Beine im Stehen zeigt, welche oberflächlichen Venenabschnitte erweitert sind. Mit Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie) wird der Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems geprüft. Darüber hinaus wird nach Zeichen der fortgeschrittenen chronisch venösen Insuffizienz wie Ödemen und Hautveränderungen gesucht. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel ist nicht notwendig.

Eine Heilung der Krampfadern ist nicht möglich, da keine wirksamen Medikamente zur Verfügung stehen. Somit bleiben lediglich die Möglichkeiten, die Krampfadern durch einen operativen Eingriff zu beseitigen oder den normalen Blutfluss in den Krampfadern durch einen dauerhaften Druck (Kompression) von außen zu unterstützen.

Kompressionsbehandlung. Für die Kompressionsbehandlung gibt es Strümpfe der Kompressionsklassen I (leichte) bis IV (sehr starke Kompression). Stützstrümpfe entsprechen der Kompressionsklasse I, sie sind eine Hilfe bei schweren, müden Beinen und gering ausgebildeten Krampfadern. Bei fortgeschrittenen Krampfadern mit Schwellungsneigung sind Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse II erforderlich, um das Zurückfließen des Bluts durch undichte Venenklappen zu verhindern. Damit wird dem Fortschreiten der Krampfaderbildung sowie Entzündungen, Blutungen und offenen Hautstellen vorgebeugt. Auch nach einer Venenoperation wird der anhaltende Operationserfolg durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen unterstützt. Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklassen III und IV sind in Ausnahmefällen bei schwerer chronischer venöser Insuffizienz angezeigt.

Operative Behandlung. Operative Maßnahmen können Krampfadern beseitigen oder dauerhaft verschließen. Kleine Krampfadern werden durch Lasertherapie oder Verödung (Sklerosierung) behandelt, zur Entfernung kleinerer Besenreiser. Hierbei wird durch Hitze oder in die Vene gespritztes Venenverödungsmittel die Intima zerstört und so eine künstliche Entzündung provoziert. Die Vene verschließt sich dadurch und ein bindegewebiger Umbau folgt.

Bei größeren Venen führt diese Methode zu keinem andauernden Erfolg. Sie ist auch mit der Gefahr verbunden, dass das Verödungsmittel in das tiefe Venensystem fließt und dort eine Thrombose auslöst. In diesem Fall werden die erweiterten Venen besser teilweise oder vollständig operativ entfernt (Stripping) und die Perforansvenen unterbunden, so dass kein Blut mehr vom tiefen ins oberflächliche Venensystem gelangen kann. Nach einem operativen Eingriff bilden sich in ~ 5 % der Fälle erneut Krampfadern. Dies liegt unter anderem daran, dass die angeborene Veranlagung zur Krampfaderbildung fortbesteht.

Das Stripping hat gegenüber der Lasertherapie einen entscheidenden Vorteil: Die Wahrscheinlichkeit, dass  nach der Behandlung die Krampfadern wiederkommen, ist deutlich geringer. Eine Studie von 2011 hat gezeigt, dass bei 18 Prozent der mit Laser behandelten Personen die Krampfadern wiederkamen. Bei der Stripping-Methode war dies nur bei 1,3 Prozent der Patienten der Fall.

Sind die Krampfadern nicht nur ein kosmetisches Problem, so werden die Kosten für die Entfernung voll von den Kassen übernommen.

Stripping

Die am häufigsten vorgenommene Operation zur Entfernung von Krampfadern ist das Stripping, bei dem der Gefäßchirurg die betroffenen Abschnitte der geschädigten Vene herauszieht. Dieser Eingriff wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert 30 Minuten bis 1 Stunde. Die Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen ohne Einschränkung bezahlt.

Zu Beginn des Eingriffs bindet der Chirurg die Vene oberhalb des geschädigten Bereiches nahe der Verbindungsstelle zwischen oberflächlicher und tiefer Beinvene ab. Am Oberschenkel liegt diese Stelle in der Leiste, am Unterschenkel in der Kniekehle. Anschließend durchtrennt er das Gefäß unterhalb der Krampfader.

Um das Gefäß aus dem Bein zu ziehen, schiebt er nun einen Draht mit einer Sonde von unten durch den gelösten Abschnitt. Oben angekommen, befestigt er beim klassischen Stripping am Ende einen Metallknopf und zieht dann die Sonde mitsamt der Vene aus dem Bein. In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl schonenderer Verfahren entwickelt, bei denen meistens kleinere Schnitte und verbesserte Sonden eingesetzt werden. Beim invaginierenden Venenstripping beispielsweise wird der obere Venenabschnitt am Sondenkopf festgeschnürt, so dass sich die Vene beim Herausziehen nach innen stülpt, und beim Pin-Stripping wird eine besonders feine Sonde benutzt. Ein sehr schonendes Verfahren ist das Kryo-Stripping. Dabei wird das betroffene Venenstück mit Hilfe einer Kältesonde vereist.

Gesunde Venensegmente werden belassen, damit für eine möglicherweise später erforderliche Bypassoperation noch Material verfügbar ist. Abschließend verknotet der Operateur die nun funktionslosen bzw. ebenfalls betroffenen Perforansvenen (sie werden – medizinisch gesprochen – unterbunden).

Trotz aller Vorsicht beschädigt das Stripping immer kleine Seitenäste der Vene, Lymphgefäße und feine Nervenfasern. Oft bilden sich nach dem Eingriff große Blutergüsse. Bereits am Tag nach dem Eingriff beginnt die Bewegungstherapie, die einen entscheidenden Beitrag zur Heilung leistet. Die ersten 1–2 Wochen nach der Operation bleibt der Patient noch krankgeschrieben. Um die Heilung zu beschleunigen und Blutungen zu verhindern, muss er zudem für etwa 3 Monate Kompressionsstrümpfe der Klasse II tragen.

Selbsthilfe

Schuhwerk. Tragen Sie flache, bequeme Schuhe, die die natürliche Abrollbewegung beim Gehen zulassen und dadurch die Muskelvenenpumpe aktivieren. Tragen Sie bei Senkspreizfüßen Einlagen, orthopädische Hilfsmittel. Bevorzugen Sie beim Schuhwerk offene Schuhe und Sandalen, die Luft an Ihre Füße lassen. Gefütterte Winterschuhe sollten Sie am Arbeitsplatz wechseln, denn auch sie fördern die abendlichen schweren Beine.

Training. Neben einer Kompressionsbehandlung (Selbsthilfe-Tipps finden Sie bei der chronisch venösen Insuffizienz) ist viel Bewegung und wenig Sitzen oder Stehen gut für die Venen. Nehmen Sie sich Zeit für eine tägliche Venengymnastik, beispielsweise 10 Minuten die Beine an die Wand hochlegen, Heben, Senken und Krallen der Zehen, Kreisen und Wippen der Fußspitzen, im Stehen abwechselnd Zehen- und Fersenstand. Viele dieser Übungen sind auch tagsüber während der Arbeit oder beim Sitzen am Schreibtisch möglich. Ungünstig sind das Übereinanderschlagen oder Baumelnlassen der Beine sowie große Kraftanstrengungen mit hohem Pressdruck, z. B. beim schweren Heben. Nutzen Sie jede Gelegenheiten, Ihre Beine hochzulegen. Wenn Sie längere Zeit sitzen müssen (Langstreckenflug, weite Autofahrtrecken usw.) benutzen Sie immer wieder die Muskelpumpe (Zehen zur Nase ziehen, auf den Fersen wippen) oder gehen Sie nach Möglichkeit zwischendurch einige Schritte. Günstig sind Aktivitäten wie Laufen, Wandern, Schwimmen, Radfahren, Tanzen, Skilanglauf. Venen sind auf eine gut trainierte Beinmuskulatur angewiesen.

Schlafen. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen wirkt der gezielte Entzug von Wärme oft Wunder. Im Winter reicht manchmal schon das Querlegen der Bettdecken, so dass die Beine offen liegen (frieren die Zehen, so können Socken helfen). Im Hochsommer hilft ein nasses und wieder ausgewrungenes Badetuch, das in Unterschenkelhöhe auf die Matratze gelegt wird. Auch eine kurze kalte Beindusche kann die Wadenkrämpfe stoppen, ebenso wie ein Glas magnesiumhaltiges Mineralwasser.

Komplementärmedizin

Kneipp-Anwendungen: Kneipp-Wassertreten und Wechselduschen der Beine mit kaltem und warmem Wasser vom Fuß bis zur Leiste lindern die Beschwerden, wobei kaltes Wasser den Abschluss bilden muss. Reiben Sie danach Füße und Beine mit einer Hautpflegecreme ein.

Hitze ist Gift für die Venen. Meiden Sie daher Solarien, Sonnenbäder, heiße Vollbäder und tropische Hitze. Auf Saunagänge brauchen Sie nicht zu verzichten, wenn Sie bei den Kaltphasen nach dem Saunagang Ihre Beine nicht vergessen – kalte Güsse tun den Venen gut, und viele Betroffene finden auch minutenlange eiskalte Fußbäder erfrischend. Alternativ können Sie Fußwechselbäder probieren. Füllen Sie einen Bottich mit ganz kaltem und einen mit möglichst heißem Wasser. Stellen Sie die Füße abwechselnd in je einen Bottich. In der Sauna sollten Sie die Füße stets hochlegen.

Pflanzenheilkunde. Frei verkäufliche Venenmittel wie Rosskastaniensamen-Extrakte (z. B. Venalot novo Depot® Retardkapseln oder Venostasin N®-Salbe zur äußerlichen Anwendung) haben insgesamt nur eine minimale Wirkung auf die Schwellungsneigung bei Krampfadern und können deshalb eine Kompressionsbehandlung nur unterstützen, aber nicht ersetzen.

Weiterführende Informationen

  • www.venenliga.de – Internetseite der Deutschen Venen-Liga e. V., Bad Bertrich: Umfangreiche Informationen und Hilfen zu Venenleiden.
  • M. Stücker et al.: Venenerkrankungen. Kohlhammer, 2004. Leitfaden zu Entstehung, Diagnostik, Therapie, Komplikationen und Prophylaxe von Venenleiden.
  • H. Höfer: Venengymnastik. Blv Verlagsgesellschaft, 2002. Venentraining, Übungsprogramme, Ursachen von Venenproblemen im Alltag erkennen.
  • E. Mendoza; H-A. Berger: Krampfadern. Arrien, 2003. So werden sie behandelt – so können Sie vorbeugen.
  • T. Klyscz: Venen-Fitness. Goldmann, 2006. Übungen zur Vorbeugung und Behandlung.

Tiefe Venenthrombose

Thrombosen sind Blutgerinnsel in venösen Gefäßen, die zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss der betroffenen Vene führen. Am häufigsten kommt die Tiefe Beinvenenthrombose (Phlebothrombose) vor.

Die tiefe Venenthrombose betrifft vor allem die Beinvenen (Beinvenenthrombose). Oft unterscheidet der Arzt auch noch die vergleichsweise harmlose Unterschenkelthrombose von der gefährlichen Oberschenkelthrombose und der weniger häufigen Beckenvenenthrombose. Ganz selten treten Thrombosen in Venen der oberen Extremitäten oder in Organen (z. B. Lebervenenthrombose) auf. Kommt es nicht zur lebensgefährlichen Verschleppung von Blutgerinnseln, Embolie, geht die tiefe Venenthrombose oft scheinbar spurlos vorüber, da der Verschluss durch körpereigene Substanzen wieder aufgelöst und/oder das Bein über andere Gefäße entstaut wird. Funktioniert die Entstauung nicht, schwillt das betroffene Bein stark an, wird heiß und schmerzt. Bleiben Venenklappen der thrombosierten tiefen Venen zerstört, droht später ein postthrombotisches Syndrom (PTS) mit chronisch venöser Insuffizienz bis hin zum offenen Bein.

Selten sind tiefe Venenthrombosen der Schulter (Paget-von-Schroetter-Syndrom), die v. a. bei anhaltend ungewohnter Kraftanstrengung oder Einengung eines Armes auftreten. Aus der venösen Abflussstörung entwickelt sich eine schmerzhafte Armschwellung mit bläulicher Hautverfärbung. Die Behandlung besteht in der Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten über mehrere Monate und einer vorübergehenden Hochlagerung und Ruhigstellung des Armes sowie entzündungshemmenden Medikamenten.

Eine dramatische Situation entsteht, wenn sich alle Venen einer Extremität gleichzeitig verschließen und kein Blut mehr abfließt. Bei dieser als Phlegmasia coerulea dolens bezeichneten Thromboseform führt die zunehmende Schwellung der Extremität dazu, dass auch die Arterien abgedrückt werden und die Blutversorgung damit vollständig zum Erliegen kommt. Pulse sind nicht mehr tastbar. Hier ist ein sofortiger chirurgischer Eingriff zur Eröffnung der verschlossenen Venen und Muskelhautspaltung notwendig, um die Extremität zu retten.

Leitbeschwerden

  • Schweregefühl, Umfangsvermehrung, Schwellung des betroffenen Beins
  • Bläulich glänzende Haut
  • Leichtes bis mittelstarkes Spannungsgefühl
  • Druckschmerz im Verlauf der betroffenen Venen (z. B. Wadendruckschmerz), Schmerzen beim Gehen, Husten und beim Herabhängen lassen des Beins
  • In seltenen Fällen kann eine Lungenembolie das Symptom sein.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn ein Bein an Umfang zunimmt. Kritisch ist eine Differenz von über 2 cm zwischen beiden Beinen, gemessen 10 cm oberhalb der Kniescheibe – wenn nur der untere Beinbereich befallen ist, wird natürlich unterhalb der Kniescheibe gemessen.

Sofort ins Krankenhaus, wenn eine einseitige Beinschwellung mit neu auftretender Atemnot verbunden ist.

Die Erkrankung

Tiefe Beinvenenthrombosen entstehen durch einen verlangsamten Blutfluss, durch eine ungünstige, zur überschießenden Gerinnung neigende Blutzusammensetzung oder – selten – nach Schädigungen der Veneninnenwand. Manchmal kommt es auch durch eine Polyglobulie (zu viele rote Blutkörperchen, „zu dickes“ Blut) zur tiefen Beinvenenthrombose.

Eine erhöhte Thromboseneigung besteht:

  • Bei jeder Bettlägerigkeit über 3 Tage, nach Operationen, in einem Gipsverband und bei Reisen mit langem, ununterbrochenem Sitzen (Langstreckenflug)
  • In der Schwangerschaft und im Wochenbett
  • Bei Einnahme der „Pille“ (besonders gefährdet sind Raucherinnen über 35 Jahre)
  • Bei starkem Übergewicht
  • Bei Krebs (eher im fortgeschrittenen Stadium, also bei Metastasen)
  • Bei ausgeprägten Krampfadern und nach früheren Thrombosen
  • Bei familiär gehäuften Thrombosen
  • Bei Blutgerinnungsstörungen, Erkrankungen mit Bluteindickung
  • Bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr über längere Zeit.

Wenn eine familiäre Häufung für tiefe Venenthrombosen bekannt ist oder wenn Sie ohne wesentliche Risikofaktoren bereits vor dem 45. Lebensjahr eine Thrombose erleiden, muss nach einer genetisch bedingten Thromboseneigung gesucht werden. Blutuntersuchungen können vererbbare Schäden der Gerinnungsfunktion aufdecken. Es gibt angeborene Gerinnungsstörungen, die das Risiko für die Entstehung einer tiefen Beinvenenthrombose um ein Vielfaches erhöhen und daher eine vorbeugende Behandlung notwendig machen.

Bei einer Thrombose setzen sich an der Venenwand Blutgerinnsel (Thromben) fest, die nach und nach an Größe zunehmen und vor allem bei fehlender Bewegung das Veneninnere irgenwann vollständig verschließen. Manchmal schafft es auch das körpereigene Gerinnungssystem, die Vene in den nächsten Tagen und Wochen wieder durchgängig zu machen (Rekanalisation).

Langzeitproblem postthrombotisches Syndrom (PTS). Es handelt sich um eine chronische Rückflussstauung von Blut in die Wade des von der Thrombose betroffenen Beines. Ursächlich sind Schäden an den Venenklappen, die auf die tiefe Beinvenenthrombose zurückzuführen sind. Je nach Lage der defekten Klappen ist die regelrechte Entstauung des Beins mehr oder minder beeinträchtigt und es drohen eine anhaltende Schwellneigung des Beins. Bei einem postthrombotischen Syndrom muss der venöse Abfluss des betroffenen Beins lebenslang durch eine Kompressionsbehandlung unterstützt werden. Zum Einsatz kommen Unterschenkelstrümpfe, Oberschenkelstrümpfe oder Kompressionsstrumpfhosen in vier verschiedenen Klassen (I leichte Kompression bis IV starke Kompression). Kompressionsstrümpfe sind in unterschiedlichen Farben erhältlich, wahlweise blickdicht oder leicht transparent. Das konsequente Tragen der Strümpfe ist für den Therapieerfolg entscheidend.

Komplikation Lungenembolie. Oft ist das Blutgerinnsel nicht mit der Venenwand verbacken, sondern sitzt nur locker auf. Der Blutstrom reißt das Gerinnsel irgendwann ab und transportiert es Richtung (rechtes) Herz und dann weiter über die Arteria pulmonalis direkt in die Lunge (Lungenembolie). Manchmal macht sogar erst eine Lungenembolie auf die zugrunde liegende tiefe Beinvenenthrombose aufmerksam. Bis zu 10 % der größeren Lungenembolie führen zu einem Lungeninfarkt. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass Lungengewebe abstirbt, da es nicht mehr durchblutet wird. In diesem Fall entwickelt sich als Komplikation häufig eine Infarktpneumonie, eine Form der Lungenentzündung. 

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Die körperliche Untersuchung ist oft nicht sehr aussagefähig, weil die typischen Leitbeschwerden fehlen können. Auch die Beinumfangsdifferenz ist kein sicheres Zeichen. Zum sicheren Nachweis bzw. Ausschluss einer tiefen Beinvenenthrombose muss mit einer Duplexsonografie oder einer Phlebografie gezielt danach gesucht werden.

Bei einer tiefen Beinvenenthrombose wird das Bein anfangs mit straffen elastischen Binden, später mit einem Kompressionsstrumpf von außen zusammengedrückt. Dies reduziert die Schwellung und die Schmerzen im Bein und senkt das Risiko für Embolien und ein späteres postthrombotisches Syndrom. Auch erhöht die Kompression die Blutströmungsgeschwindigkeit im tiefen Venensystem und verhindert damit ein weiteres Thrombosewachstum.

Ärzte sind noch unterschiedlicher Auffassung darüber, ob strenge Bettruhe Lungenembolien vermeiden hilft. Die Mehrzahl der Ärzte verzichtet heute darauf, wenn nur eine Unterschenkelvenenthrombose vorliegt, und sieht Bettruhe nur noch bei Oberschenkel- und Beckenvenenthrombosen und bei Blutgerinnseln als hilfreich an, wenn das Gerinnsel nach dem Ultraschallbefund nur schlecht an der Venenwand haftet.

Antikoagulation. Jede tiefe Beinvenenthrombose wird mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt.

Diese Therapie ist von höchster Wichtigkeit, um die Blutgerinnsel aufzulösen und Lungenembolien zu verhindern. Da die Risiken einer aggressiven Therapie – vor allem unkontrollierbare innere Blutungen – groß sind, wird in der Regel folgendermaßen vorgegangen:

  • Am erfolgsträchtigsten ist die Lysetherapie. Durch sie wird die Auflösung eines Blutgerinnsels erheblich wahrscheinlicher und das Risiko für ein postthrombotisches Syndrom sinkt. Da es in etwa 1 % der Fälle jedoch zu lebensbedrohlichen Blutungen kommt, wird die Lysetherapie nur bei schweren Thrombosen (z. B. der Beckenvenen) durchgeführt.
  • Die weniger risikoreiche Wahl ist die hochdosierte Heparintherapie. Heparin als venöse Infusion oder unter die Haut gespritzt wirkt am schnellsten und steht daher am Anfang der medikamentösen Behandlung.
  • Begleitend wird die Langzeit-Gerinnungshemmung mit Cumarinen wie Phenprocoumon (z.B. Marcumar®) oder Warfarin eingeleitet.

Nach einer tiefen Beinvenenthrombose muss die orale Gabe von Antikoagulantien für mindestens ein halbes Jahr beibehalten werden. Danach wird geprüft, ob die Behandlung auslaufen kann.

Neuere Antikoagulantien. Als Alternative zur Einnahme von Cumarinen kann das Verordnen eines direkten oralen Antikoagulanz (DOAK) wie Apixaban, Rivaroxaban oder Dabigatran erwogen werden. Hauptvorteil ist der Wegfall der ständigen Laborkontrollen wie bei Cumarinen, wobei dies nicht unumstritten ist. Auch fehlen Langzeiterfahrungen, um Nutzen und Risiken umfassend beurteilen zu können.

Komplementärmedizin

In der Naturheilkunde werden begleitend hochdosierte in der Natur vor allem in Kaltwasserfischen (wie Makrele und Lachs) vorkommende Omega-3-Fettsäuren eingesetzt, z. B. das rezeptpflichtige Zodin 1000®.

Blutgerinnungshemmend wirken auch Blutegel, sie werden jedoch nicht zur Dauerbehandlung herangezogen. Auch zur Akuttherapie einer Thrombose haben sie sich schulmedizinisch nicht durchgesetzt.

Weiterführende Informationen

  • www.asaev.de – Arbeitsgemeinschaft Selbstkontrolle der Antikoagulation e. V. (Zusammenschluss von Patientenschulungszentren, Sinn): Mit Adressen von Schulungszentren, einem Diskussionsforum und einer Online-Ausgabe der Mitgliederzeitschrift.
  • A. Bernardo; C. Halhuber: Gerinnungs-Selbstbestimmung leicht gemacht. Trias, 2006. Gerinnungswerte zu Hause selbst bestimmen.
  • G. Hiendlmayer: Gerinnungshemmer. Kohlhammer, 2006. Ratgeber zum allgemeinen Verständnis der Gerinnung und mit Anleitung zur Selbstkontrolle von Quick- und INR-Wert.

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